Andi Stitzl und der Heimvorteil für den Trainer

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Bei ihm war die Vorfreude auf den Heim-Weltcup in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena besonders groß: Trainer Andi Stitzl. (Foto: Wukits)

Riesig war die Vorfreude auf den Weltcup in Ruhpolding bei Andi Stitzl. Er ist in diesem Winter erstmals als Bundestrainer bei den deutschen Herren mit Herren-Cheftrainer Mark Kirchner für die Weltcup-Mannschaft verantwortlich und hat in der Chiemgau-Arena ein »Heimspiel«. Stitzl, der als Biathlet für den SC Bergen selbst im Weltcup aktiv gewesen war, hatte im vergangenen Winter noch die deutsche IBU-Cup-Auswahl betreut.


Den Heim-Weltcup sieht er daher nicht als Bürde, sondern betont: »Das sind schon Glücksgefühle, dass man in einem solchen Team arbeiten kann.« Gesteigert würden die Glücksgefühle natürlich dann, wenn den deutschen Herren in Ruhpolding Spitzenergebnisse gelingen würden. »Das Können haben die Athleten, aber natürlich brauchen wir auch das nötige Quäntchen Glück«, weiß der 39-Jährige.

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Teilweise hatte dies die Mannschaft schon während des Winters gehabt, zuletzt in Oberhof aber nicht ganz so. Dort hatten sich die deutschen Herren wieder einmal »mannschaftlich geschlossen stark« präsentiert, nur der absolute Spitzenplatz war nicht gelungen. »Und deshalb hoffen wir in Ruhpolding auf einen 'Ausreißer nach oben'«, so Stitzl.

Freude über Aufwärtstrend von Andi Birnbacher

Besonders erfreut ist er auch darüber, dass Andi Birnbacher (Schleching) mittlerweile wieder in hervorragender Verfassung ist und sich dies auch schon in Ergebnissen ausgezahlt hat. Im vergangenen Winter – als Birnbacher nach gesundheitlich bedingten Rückschlägen teilweise nur im IBU-Cup eingesetzt worden war – »haben wir uns wiedergefunden. Ich kenne ihn ja noch aus meiner Zeit als Aktiver. Da war ich schon eine Art 'Auslaufmodell' und der Andi noch ein ganz junger Kerl im Team«, erinnert sich Stitzl. Dann betreute er den Schlechinger (33 Jahre) im IBU-Cup, »und es ist wichtig, dass man da sehr viele Gespräche führt.« Die »harte Tour« für Birnbacher, der sich heuer zunächst über die »Zweite Liga« ins Weltcupteam kämpfen musste, »tat ihm aber letztlich gut.«

Nach dem IBU-Cup in Beitostölen »entschieden sich dann Ricco Groß (zuständig für die IBU-Cup-Mannschaft, d. Red.), Mark Kirchner und ich einstimmig dafür, den Andi wieder in den Weltcup zu holen.« Denn: »Er hatte die besten Leistungsdiagnostiken, seit er Sport macht, wir wussten, dass er es drauf hat.« Als der Schlechinger dies dann mit Rang 3 beim Weltcup-Sprint in Östersund voll unter Beweis stellen konnte, »hat ihn das richtig befreit«, freut sich Stitzl.

Auf diese Befreiung wartete in dieser Saison Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) in den Einzelrennen noch vergebens. »Aber er hat uns in den Vorjahren oft gemeinsam mit dem Andi die Kohlen aus dem Feuer geholt, daher hat er auch unser Vertrauen für Ruhpolding«, betont Stitzl – zumal Peiffer ja auch bei der Staffel in Oberhof eine hervorragende Leistung geboten hatte.

Lob für Entwicklung von Benedikt Doll

Erik Lesser, Simon Schempp und Daniel Böhm hatten in dieser Saison ebenfalls schon überzeugt, hinzu kam in Oberhof der aus dem IBU-Cup »hochgeholte« Benedikt Doll.

Und Doll löste seine Aufgabe in Oberhof glänzend, holte sich gleich die WM-Norm. »Er ist ein akribischer, harter Arbeiter, der sich immer in allen Bereichen zu verbessern versucht«, lobt er. »Das war für mich als IBU-Cup-Trainer wichtig, zu sehen.« Zum Beispiel habe Doll »auch an seiner Lauftechnik gefeilt, früher war er ja so ein bisschen ein 'Wackeldackel'«, so der Bergener.

Gerade deshalb betont Stitzl: »Auch wenn er es diesmal nicht ganz geschafft hätte, hätten wir ihn punktuell wieder im Weltcup eingesetzt.«

Doch so erfreulich das für Doll ist: Weil das Kontingent an Weltcup-Plätzen begrenzt ist, müssen daher zunächst einmal andere Athleten auf den »Aufstieg« warten. Florian Graf und Johannes Kühn, die sich ebenfalls schon mit Erfolgen im IBU-Cup hervorragend präsentiert hatten, standen deshalb in Ruhpolding noch nicht im Aufgebot. »Aber sie stehen parat und sollen heuer auch noch eingesetzt werden«, macht Stitzl ihnen Mut.

Doch nicht nur mit Gesprächen feuert Stitzl seine Schützlinge an – auch an der Strecke hat er sich bei den bisherigen Wettkämpfen schon als Motivator erwiesen. Ob er vor heimischem Publikum seine Sportler noch lauter anfeuern werde als bisher? »Was mit Anfeuern zu tun hat, geht's fast nicht mehr lauter«, lacht er. In der Staffel trieb er seine Schützlinge wieder kräftig an – was mit dem zweiten Platz entsprechend belohnt wurde. who

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