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Andi Birkel krönt seine außergewöhnliche Karriere mit WM-Bronze

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Stolz und glücklich präsentiert Andi Birkel seinen WM-Pokal für den dritten Platz. Die Startnummer 78 erhält ebenfalls einen Ehrenplatz im Wohnzimmer. (Foto: Bittner)

Als Andi Birkel nach 160 Rennen über die Ziellinie in Haidmühle fuhr, wusste er, dass er WM-Bronze sicher in der Tasche hat. Es war sein größter Erfolg im Rahmen einer WSA-Weltmeisterschaft, also des Hauptverbands seines Sports. Zwar war der Musher vom SC Weißbach 2011 Vize-Weltmeister bei der FITSC, dem zweiten Weltverband, die Medaille bei der World Sleddog Association zählt aber bei weitem mehr.


33 Schlittenhundeführer hatten für Birkels Paradeklasse mit sechs Hunden gemeldet. Am Ende erreichten 25 das Ziel. Die 13,3 Kilometer lange Strecke musste im Rahmen der Sprint- und Distance-WM in Haidmühle – am östlichen Rand des Bayerischen Walds im Landkreis Freyung-Grafenau direkt an der tschechischen Grenze gelegen – dreimal bewältigt werden.

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»Gleich nach dem Ziel kam eine scharfe Linkskurve, da musste man sofort höllisch aufpassen, keinen Sturz zu riskieren«, berichtet Andi Birkel, der mit seinem Dreamteam Epo, Spirit, Sky, Jack, Mohito und Flow antreten konnte. Das äußerst kupierte Gelände wies kaum Geraden, dafür einige knackige Anstiege inklusive rasanter Abfahrten auf. Prompt erwischte es Andi Birkel am Abschlusstag kurz vor dem Ziel: Auf einer Eisplatte flog er aus der Kurve, seine Hunde schleiften ihn noch rund 50 Meter mit, ehe er wieder festen Stand auf seinem Schlitten fand. Der kleine Zeitverlust spielte am Ende keine Rolle, Bronze geriet nicht mehr in Gefahr. Auf Platz 4, den Landsmann Philipp Bott erreichte, hatte Birkel in Addition aller drei Zeiten gut zweieinhalb Minuten Vorsprung. Bis zu 35 km/h erreichten die Sechser-Gespanne auf der Geraden. »Das war schon gewaltig«, so der noch 54-jährige Weißbacher.

Im ersten Lauf etwas zu viel Zeit verloren

Rund 220 Musher aus 22 Nationen waren mit annähernd 2000 Hunden angereist. »Ich bin schon stolz auf diesen 3. Platz«, sagt Andi Birkel. Er weiß: »Nach vorn wäre vermutlich ohnehin nicht viel gegangen, leider verlor ich im ersten Lauf etwas zu viel Zeit.« Etwas überraschend sicherte sich der Franzose Damien Langlois, bislang in der Vier-Hunde-Klasse nahezu unschlagbar, den WM-Titel vor Birkels Dauerrivalen Stepan Krkoska (zudem Vize-Weltmeister mit acht Hunden), der sich einen großen Kampf mit Langlois geliefert hatte. Am Ende wies der mehrfache Weltmeister aus Tschechien nach fast 40 Kilometern harten Kampfs lediglich 39 Sekunden Rückstand auf.

Birkels Lebensgefährtin Sabine Steinbacher stand in der Vier-Hunde-Klasse einmal mehr der größten Konkurrenz gegenüber. Mit den erfahrenen Dawson, Chilly, Pepper und Fun aus Birkels ehemaligem Gespann stellte sie das älteste Team dieser Kategorie und erreichte nur knapp 20 Sekunden hinter der Polin Katarzyna Ziaja Platz 24.

Wechselnde Bedingungen als große Herausforderung

»Im ersten Moment war ich enttäuscht«, gibt Katharina Demmelbauer zu. Vor dem Start zum dritten und letzten Lauf spekulierte die 37-jährige Reichenhallerin damit, den vor ihr platzierten Slovaken Michal Ivanco noch einholen zu können. Nach dem ersten Tag lag sie sogar auf diesem 2. Platz, hauchdünn 1,6 Sekunden vor Ivanco, ehe sie im zweiten Lauf die Plätze tauschten. Die stark wechselnden Bedingungen auf dem Trail mit Temperaturen von minus 15 bis plus zehn Grad waren für die einzige Dame im reinen Männer-Feld der Skijöring-Klasse mit zwei Hunden nicht einfach.

»Teilweise war nicht einmal richtiges Skaten möglich. Erst befand sich die Strecke vom Regen nicht mehr in sehr gutem Zustand, dann war es zwei Tage extrem eisig«, so Kathi Demmelbauer. Und so freute sie sich ein wenig später doch sehr über die nach 2018 zweite WM-Bronzemedaille ihrer Karriere – musste sie doch obendrein die Umstellung von einem auf zwei Hunde meistern.

»Isko und Pina liefen aber schon super zusammen«, berichtet sie. Bei einer gesamten Laufleistung von gut 1:40 Stunden lag die in Großgmain wohnende Athletin knapp eineinhalb Minuten hinter Michael Ivanco, dessen Landsmann Igor Stefan Weltmeister wurde – mit noch einmal einer guten Minute Vorsprung.

Ein Rennen steht nun noch für die heimischen Musher auf dem Programm: Das 20. internationale Schlittenhunderennen in Sportgastein. Im Rahmen des traditionellen Saisonabschlusses am spektakulären Abschluss des Naßfelder Tales feiert WM-Bronzemedaillen-Gewinner Andi Birkel seinen 55. Geburtstag. 90 Musher aus sieben Nationen werden rund 300 Hunde an den Start bringen. bit