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»Alle haben ganz toll mitgezogen«

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Die Trostberg Chiefs haben die Saison in der Eishockey-Landesliga Südwest mit einem fünften Platz beendet. Jetzt zog Michael Lehmann, der nach der Hälfte der Spielzeit den Trainerposten vom glücklosen Thomas Rumpeltes übernahm, in einem Gespräch mit unserem Thomas Donhauser ein Resümee.


Herr Lehmann, nachdem sie die Chiefs am 28. Dezember übernommen haben, hat die Mannschaft überraschend schnell den Schalter umlegen können. Was haben sie verändert?

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Zunächst einmal war ich nicht der bequemste Trainer in den vergangenen fünf bis sechs Jahren in Trostberg. Ich hatte klare Vorstellungen, wie wir miteinander umgehen. Die Mannschaft wusste auch, dass es so nicht weitergehen konnte. Hauptziel war der Nichtabstieg, um dann Schritt für Schritt besser zu werden. Die Mannschaft hatte immer schon Potenzial, rief diese Leistung aber viel zu selten ab. Das Schlüsselerlebnis war wohl der Sieg in Schongau. Dort haben wir mit einem nur elfköpfigen Kader 5:3 gewonnen. Ich habe immer gesagt, wir müssen Geduld haben – das hat sich am Ende ausgezahlt.

Wir haben außerdem das Spielsystem geändert. Wir haben offensiv gespielt, mit kontrolliertem Forechecking, und in der Defensive versucht, Fehler zu vermeiden. Auch die Disziplin im Team hat sich sehr positiv entwickelt. Ich habe keine einfache Mannschaft übernommen, das wusste ich vorher. Aber die Mannschaft hat dafür gelebt, alles in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wer war der Kopf der Truppe?

Das war ganz klar Rainer Roßmanith. Was er im kämpferischen Bereich drauf hat, ist beeindruckend. Und ich habe zu den anderen Spielern gesagt: Was der Rainer mit 40 Jahren bringt, sollte jedem als Vorbild gelten – und siehe da, es haben alle ganz toll mitgezogen. Die Verantwortung der älteren Spieler und die Aufteilung der Blöcke, sodass Martin Hagemeister, Milan Marnota und Marco Habereder zu den Topscorern werden konnten, machte uns in der Breite unheimlich stark. Ein Lob muss ich auch unserem Torhüter Maxi Kruck zollen. Seine Leistung bis zum Ende der Saison ist nicht hoch genug zu werten. Er hat uns, wie in Landsberg zum Beispiel, schließlich sogar Spiele gewonnen. Aber auch auf seine Vertreter Georg Hirschvogl und Christoph Seyffert konnte ich mich hundertprozentig verlassen. Überzeugt haben zudem Nachwuchsleute wie Maxi Heitauer oder Martin Kettenberger, um nur zwei zu nennen. Diese Spieler rechtfertigten immer wieder mit ihrer Leistung ihren Einsatz; egal, in welchem Block ich sie eingesetzt habe.

Es kursieren Gerüchte, dass sich das Gesicht der Mannschaft in der neuen Saison grundlegend verändern wird ...

Fakt ist, dass die Ausländerposition vakant ist. Milan Marnota wird in Zukunft nicht mehr für Trostberg spielen. Und Philipp Seifert wird es sicher höherklassiger probieren. Man sollte Spieler, die das Potenzial haben, nicht aufhalten. Ein paar Veränderungen könnte es noch geben, ansonsten bleibt der Großteil der Mannschaft zusammen.

In den vier letzten Spielzeiten hatten die Chiefs vier verschiedene Trainer. Gibt es im fünften Jahr den fünften Übungsleiter?

Das kann ich noch nicht sagen. Mit dem ESC Planegg-Würmtal bin ich bei den Damen zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister geworden. In Garmisch haben wir jetzt noch den Pokal zu bestreiten. Ich bin 18 Jahre beim ESC und überlege, ob ich den großen Schnitt mache und aufhöre. Dann bieten sich Alternativen. Ich könnte hier in Trostberg weitermachen, das ließe sich gut mit einem weiteren Engagement in Planegg vereinbaren. Es besteht aber auch die Möglichkeit, ein höherklassiges Herrenteam zu übernehmen. Die Angebote sind da und ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sondieren kann. Diese Aufgabe könnte ich allerdings nicht mehr mit einem Engagement in Trostberg verbinden. Die bisherige Doppelbelastung war vor allem möglich, weil das Umfeld hundertprozentig gepasst hat. Ohne Co-Trainer Bernd Karmann wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber ich will auch alle anderen Beteiligten nicht vergessen.

Eishockey-Trostberg würde sie natürlich gerne weiter an der Bande sehen ...

Das glaube ich sofort. Es war ein tolles Erlebnis mit einem Klasseumfeld und begeisterungsfähigen Fans, die wir nicht enttäuscht haben. Dass wir so etwas erreichen, habe ich bei meiner Zusage im Dezember nicht für möglich gehalten. td