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»A scheene Leich«

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Abschiedsfeier beim letzten Sommerfest des Tobi-Angerer-Fanclubs (von links): Schriftführerin Petra Kalina, stellvertrtender Vorstand Norbert Roos, Tobias Angerer, Schatzmeisterin Hilde Weinl und Vorstand Roland Boschert. (Foto: Helmberger)

Eine »Beerdigung« der lustigeren Sorte war das Sommerfest des Tobi-Angerer-Fanclubs. Nach dem Rücktritt des zweimaligen Weltcup-Gesamtsiegers im Skilanglauf, Tobias Angerer vom SC Vachendorf, hatte man sich sozusagen seines Vereinszwecks »entledigt« und damit seine Auflösung beschlossen.


Zum Grillfest am Chiemsee trafen sich noch einmal Fans, Kollegen, Trainer und andere Wegbegleiter mit dem Sportler, um den 2002 ebenfalls mit einem Grillfest aus der Taufe gehobenen Verein zu »beerdigen«. Die Trauer über das Ableben der Traunstorfer Vereinigung hielt sich in Grenzen, denn diese hatte in den zwölf Jahren ihres Bestehens den Vereinszweck vollauf erfüllt, nämlich »ihren« Tobi Angerer auf großen Wettbewerben wie Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie Weltcup und Tour de Ski zu begleiten, moralisch zu unterstützen und sich zusammen mit dem Sportler aber auch im sozialen Bereich zu engagieren.

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Eine dieser Aktivitäten war 2009 die Teilnahme an der Typisierungsaktion »Matthias braucht dich!«, zu der für den kleinen Buben aus Schleching rund 5200 Menschen in das Traunsteiner Klinikum gekommen waren, und wofür der Fanclub mehrere tausend Euro Spenden gesammelt hatte. Der Reinerlös aus den Sommerfesten kam ebenfalls sozialen Zwecken zugute.

Im Mittelpunkt der Aktivitäten standen aber die Reisen zu den weltweiten Einsätzen des Sportlers, beispielsweise zu den Olympischen Spielen nach Turin (2006), Vancouver (2010), zu den Weltmeisterschaften in Val di Fiemme (2003 und 2013), Oberstdorf (2005), Liberec (2009) und Oslo (2011).

Diese Erinnerungen tauchten nun beim letzten Sommerfest wieder auf, bei dem die Gäste jedoch auch nachdenklich wurden, als Tobi Angerer an die verstorbenen Mitglieder erinnerte, unter ihnen seinen Onkel Willi Weinl, langjähriger Förderer, Trainer, Abteilungsleiter und Vorstand des Sportclubs Vachendorf. Zudem gab’s Geschenke für fleißige Helfer. Der Fanclub überreichte jedem Besucher eine von Sabine Namberger gestaltete Broschüre, in der viele Erinnerungen und manche Anekdote festgehalten sind.

Da ist auf Seite vier ein Aufsatz des kleinen Tobi zu lesen, der schon einen Hinweis darauf gab, mit welcher Leidenschaft und Freude Tobias Angerer seinen Sport ausübte: »Ich gehe oft zum Langlaufen. Da fliege ich manchmal hin. Ich bin einmal auf einen Berg hinaufgegangen mit meinen Langlaufschiern. Dann bin ich heruntergefahren. Unten bin ich hingefallen und habe gelacht. Da war ich froh.«

Froh waren auch die Mitglieder des Fanclubs, dass sie mit »ihrem« Tobi eine so schöne Zeit verbringen durften. Und so herrschte auch kein bisschen Traurigkeit, dass diese nun zu Ende gegangen ist. So war dieses letzte Sommerfest des Tobi-Angerer-Fanclubs »a scheene Leich«, wie man in Bayern zu einer »Beerdigung erster Klasse« sagt.

Wenn in Kürze auch die vereinsrechtlichen Formalitäten zur Auflösung des Clubs erledigt sind, können Vorstand Roland Boschert und seine Mitstreiter das in der Kasse verbliebene Vermögen erneut einem wohltätigen Zweck zuführen; so für die geistig behinderten Sportler im Rahmen der »Special Olympics«, zu deren Botschafter Tobias Angerer jüngst ernannt worden ist. H.

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