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450 begeisterte Langläufer trotzen dem Regen

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An dieser steilen Rampe vor Reit im Winkl musste jeder kämpfen, wie hier Marianne Mayerbüchler. (Fotos: Mergenthal)
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Das Inzell-Tourismus-Team auf der Passhöhe, von links: Andrea Lindner, Julia Kern, Binja Schröder, Gerhard Steinbacher, Birgit Thanner, Trainer Matthäus Eicher und Besenläufer Walter Ronsberger.

»Des hätt i mir nia denkt, dass i des schaff!« Agnes Hopf aus Inzell konnte es kaum glauben, dass sie 22,5 Kilometer auf Langlaufskiern bewältigt hatte, und jubelte beim Zieleinlauf in Reit im Winkl vor Freude. Etwa 450 Langläufer trafen sich am Sonntag trotz Regens in bester Laune zur zweiten Chiemgau- Team-Trophy – einem Erlebnislanglauf in Teams ohne Zeitmessung. Biathlon-Legende Fritz Fischer gab auf der Wiese gegenüber der Chiemgau-Arena das Startsignal und zeigte sich von der Veranstaltung beeindruckt: »Das war ein Volkslauf, wie er es sein soll.«


Wegen Schneemangels war die gesellige Veranstaltung von Ende Januar auf jetzt verschoben worden. Obwohl es in Inzell und Ruhpolding überwiegend grün war, entschlossen sich die drei Tourismusorganisationen Inzell, Ruhpolding und Reit im Winkl zusammen mit Sven Hindl von Wechselszene Sportpromotion, die Trophy auf verkürzter Strecke durchzuziehen. Am Donnerstag transportierte der Bauhof Ruhpolding etwa 700 Kubikmeter Schnee vom Mittersee-Parkplatz und der Wildfütterung beim Seehaus, um Schneelücken an der Loipe auf dem ersten Stück zu schließen.

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»Fleckis« und »Beppos« als Tempomacher

Schnell wurde am Sonntagfrüh das Wärmegepäck beim Biathlon-Zentrum in Kleinbussen verstaut. Der Weg durch den Schneematsch zum Startbereich glich einer Promenade von Störchen; jeder bemühte sich, zu vermeiden, dass die Langlaufschuhe schon am Anfang nass wurden. Einige »Fleckis« und »Beppos« in Fellkostümen, die Inzeller und Ruhpoldinger Maskottchen, gaben am Anfang das Tempo vor. Als es leicht bergab zum Lödensee und Mittersee ging, entzerrte sich der Stau, und alle genossen die trotz des Regens wundervolle Winterlandschaft.

Am Mitterseeparkplatz konnte man sich zum ersten Mal mit Kuchen, Tee, Obst und Riegeln stärken. Christel Lechner und Jeanette Kastenhuber vom Ruhpoldinger Team »Die Radgeber«, die in Dirndl skateten, nutzten gleich den Wachs-Service. »Die Streckenführung ist ein Traum«, schwärmte Jeanette Kastenhuber.

Ihr gefällt das gemeinsame Laufen und Einkehren und die Gemütlichkeit dieses Langlauftags. Ihr Mann Alex genießt es, dass es »nicht so brutal ernst zugeht. Man kann auch einmal stehen bleiben und ratschen.« Dass man diese Strecke durchlaufen kann und sich um nichts kümmern muss, ist für Alex Kastenhuber ein »Highlight«. Dies sei für ihn ein Anreiz, ein bisserl mehr zu trainieren.

»Ich habe heute echt schlecht geschlafen«, erzählte der Ruhpoldinger Tourist-Info-Leiter Herbert Ringsgwandl, der auf dem ersten Abschnitt der »Besenläufer« war. Bereits um vier Uhr früh stand er auf und studierte den Wetterbericht. Bis 21.30 Uhr hatte es geschneit und dann geregnet. Im Schneeloch Reit im Winkl hatte es sogar bis gegen Mitternacht geschneit. So waren Raupenfahrer der Bauhöfe nachts bis frühmorgens unterwegs, um die Loipe nachzupräparieren. Kurzfristig musste die Strecke geändert und eine Querung der Bundesstraße nach dem Förchensee eingebaut werden, da ein Abschnitt vom Regen weggespült worden war.

Die 30 Helfer, die Essen und Trinken ausgaben und die Langlaufpässe abstempelten, kamen vorwiegend aus den heimischen Sportvereinen. Die Bergwacht aus Reit im Winkl und Ruhpolding fuhr mit dem Motorschlitten immer wieder die Strecke ab, hatte aber keinen einzigen Einsatz. An der Sachenbacher-Alm gaben gute Geister vom Chiemgau-Tourismus Suppe und anderes aus. Die Straßenquerungen nach dem Seegatterl hielten Feuerwehrmänner passierbar.

»Jeder, der heute mitgelaufen ist, ist ein Sieger«

In Reit im Winkl, wo zeitgleich die Bayerische Meisterschaft stattfand, riss der Himmel auf. In heiterer Stimmung wurde gefeiert. Mittendrin war auch der zweite Besenläufer Walter Ronsberger, der in jungen Jahren mit den Reit im Winkler Biathleten Bibi Niedermeier und Herbert Steinbeisser Leistungssport betrieben hatte, noch vor der Generation von Fritz Fischer. Letzterer überholte noch das gesamte Teilnehmerfeld und war unter den ersten, die im Langlaufstadion Reit im Winkl ankamen.

»Jeder, der heute mitgelaufen ist, ist ein Sieger«, sagte der Reit im Winkler Bürgermeister Josef Heigenhauser bei der Siegerehrung, die auch die Teilnehmerinnen des Inzell-Tourismus mit ihrem Chef Gerhard Steinbacher gespannt verfolgten. Ihr Training jeden Freitag in der Mittagspause hat sich gelohnt: Bis auf ein Teammitglied liefen alle die Gesamtstrecke.

»Die Veranstaltung hat bei uns so viel Euphorie ausgelöst, dass sich alle eingetragen haben«, erzählte Peter Räuber vom Team »Maloja« aus Rimsting, das mit 34 Teammitgliedern und 754,5 gelaufenen Kilometern der Spitzenreiter war. »Es war eine sehr schöne Veranstaltung«, zeigte sich auch der ausgepowerte Tatort-Kommissar Richi Müller beeindruckt. vm