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300 Meilen durch den Norden Kanadas

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Nicole Dörr will in acht Tagen fast 500 Kilometer auf Schnee und Eis bewältigen. (Foto: Gottbrath)

Die Ausdauersportlerin Nicole Dörr aus Huben im Priental ist zu einem echten Abenteuer aufgebrochen: Die 44-Jährige nimmt am »Yukon Arctic Ultra« teil. Der YAU findet im Yukon Territory (Nord-Kanada) statt und gilt wegen seiner Länge und Temperaturen bis unter minus 40˚C als härtester Extremlauf der Welt. Dörr startet über eine Strecke von 300 Meilen (rund 482 Kilometer) und hat dafür acht Tage Zeit.


Die knapp 80 Teilnehmer können die Fortbewegungsart wählen: Langlaufski, Bergrad oder »zu Fuß« bzw. mit Schneeschuhen laufen. Nicole Dörr läuft. Sie sagt von sich: »Ich bin einfach eine Läuferin. Das mag ich am liebsten und das kann ich auch am besten.« Auch die Streckenlänge können die Extremsportler wählen: Marathon, 100, 300 oder 430 Meilen. Die Chiemgauerin hat sich für die 300 Meilen entschieden. Die 100 Meilen oder gar der Marathon sind ihr zu kurz, »dafür so weit zu reisen, finde ich unpassend. Die 430 Meilen sind mir zu lang, also 300 Meilen.«

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Die große Distanz und die Eiseskälte fürchtet Nicole Dörr nicht so sehr: »Auch wenn die Strecke unvorstellbar lang ist, so kann man das schaffen. Man muss halt langsam genug laufen. Und vor der Kälte kann ich mich schützen. Ich verfüge von Wintertouren nach Grönland und Nordskandinavien über eine solide Erfahrung, habe exzellente Ausrüstung und ich kann auch damit umgehen. Mehr Sorgen bereitet mir der Schlafmangel.« Der Begegnung mit wilden Tieren sieht sie zwiespältig entgegen: »Bären sollten Winterschlaf halten. Und mal einen Wolf zu sehen, davon träume ich schon seit langem. Nur bitte nicht gleich ein ganzes Rudel in der Nacht.«

Die Route des YAU folgt dem »Yukon Quest«. Das legendäre Schlittenhunderennen durch die Kälte und Einsamkeit Nordkanadas startet ebenfalls in Whitehorse – genau einen Tag vor dem YAU. Wegen der Hunde und der Motorschlitten entsteht im Schnee ein relativ fester Pfad – wenn er nicht von Neuschnee oder Schneeverwehungen wieder zugedeckt wird. Im Abstand von 30 bis 70 Meilen müssen die Extremsportler »Checkpoints« anlaufen. Dort gibt es heißes Wasser und meistens auch eine Mahlzeit.

Dennoch muss jeder seine komplette Ausrüstung – einschließlich Essen für mindestens 48 Stunden – selbst mitnehmen. 20 bis 25 kg wird Nicole Dörr in einem Pulka, einem wannenförmigen Zugschlitten, hinter sich herziehen. Zur Pflichtausrüstung gehört auch ein kleiner GPS-Sender, der alle zehn Minuten via Satellit die Position des Athleten übermittelt und so die Sicherheit der Teilnehmer erhöht. Via Internet (www.arcticultra.de) kann zudem jeder von zu Hause aus die Positionen der Sportler nachverfolgen. Der Start findet am 3. Februar um 10.30 Uhr im kanadischen Whitehorse statt, bei uns ist es dann 19.30 Uhr.

Nicole Dörr bringt nicht nur solide Erfahrung in Sachen Kälte mit, sondern auch als Sportlerin. Sie erreichte beim »Transalpine Run« – in acht Tagen über die Alpen – viermal das Ziel und schaffte auch schon 100 km nonstop im Gebirge. Für den YAU hat sie zusätzlich ein spezielles Training absolviert: »Im Herbst habe ich mir von unserem Nachbarn einen alten Vorderreifen vom Bulldog geliehen und damit das Ziehen trainiert. Ich muss zugeben, da kommt man sich schon etwas seltsam vor, wenn man einen Traktorreifen durch den Wald zieht. Ich war meistens im Dunklen unterwegs. Das erspart seltsame Blicke von den Wanderern.«

Gut vorbereitet und voller Vorfreude machte sich Dörr jetzt auf die Reise nach Nord-Kanada: »Ich finde es faszinierend, mich an etwas zu messen, von dem ich nicht weiß, ob ich es überhaupt schaffen kann.« Eine bestimmte Platzierung strebt sie dennoch nicht an. Das große Ziel heißt: »Gesund und gut gelaunt ankommen.«