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Konzert der Traunsteiner Sommerkonzerte mit dem Atrium Quartett setzt letzte eindrucksvolle Akzente in der Klosterkirche

Außergewöhnliche Klangbalance bei kontrastreicher Musik

So wie alle schönen Dinge einmal zu Ende gehen, schlossen auch die Traunsteiner Sommerkonzerte mit ihrem siebten und letzten Konzert in der sehr gut besuchten Klosterkirche im Herzen der Kreisstadt die diesjährige Konzertreihe ab.

Das Atrium Quartett setzte mit dem siebten Konzert des Traunsteiner Musiksommers einen glanzvollen Schlusspunkt. (Foto: Benekam)

Dabei verhielt es sich ähnlich wie mit dem richtigen Sommer, der sich zum Schluss hinaus noch einmal von seiner allerschönsten Seite präsentiert. Das in Berlin ansässige Atrium Quartett brachte ein letztes Feuerwerk klassischer Musik mit ausgesprochen anspruchsvollen Werken von Ludwig van Beethoven, Ahmed Adnan Saygun und Johannes Brahms zu Gehör. Wie die Musiker in den vorherigen Konzerten des Traunsteiner Musiksommers, blickt auch dieses Quartett mit Sergei Malov (Violine), Anton Ilyunin (Violine), Dmitry Pitulko (Viola) und Anna Gorelova (Violoncello) bereits auf eine ansehnliche internationale Erfolgsgeschichte zurück und genießt den Ruf als eines der angesehensten, russischen Streichquartette derzeit.

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Mit Beethovens Streichquartett G-Dur op. 18 in vier Sätzen wurde das Konzert mit feierlichen Klängen an den Streichinstrumenten eröffnet. Beethovens Quartett-Erstling, im Jahr 1799 im Alter von 30 Jahren komponiert, wird auch als »Komplimentierquartett« bezeichnet: Sein galanter Ton bildet zum ersten Quartett des Zyklus einen deutlichen Kontrast. Für die Ohren der Zuhörer bei seiner Veröffentlichung in einer großen Abendgesellschaft klang diese Komposition »absonderlich«. Die Konzertbesucher in der Klosterkirche genossen das Werk uneingeschränkt. Echohafte Wiederholungen bestimmter Tonfolgen an den Instrumenten lassen immer wieder aufhorchen, erzeugen das Gefühl des Wiedererkennens, welche die Musik so einträglich macht. Die außergewöhnliche Klangbalance sowie die leidenschaftliche Musizierfreude, mit der das Atrium Quartett Beethovens Werk meisterte, machten es zum Hörgenuss der Extraklasse.

Das folgende Streichquartett des türkischen Komponisten Ahmed Adnan Saygun hingegen rüttelte die Gehörgänge der Konzertbesucher einmal so richtig durch: Mit fast experimentellem Charakter, mal von disharmonischen Auswüchsen durchsetzt, wild und ungestüm, dann wieder ganz leise, mit kaum vernehmbarem Streichen auf den Saiten, das den Zuhörer die Luft anhalten lässt. In seinem ständigem Wechsel von Tempo, Tonart und Rhythmus vermittelt das Werk den Eindruck, als sei sein Schöpfer noch auf der Suche. Es löst Wechselbäder der Gefühle aus, ist spannend, aber fast zu aufregend für den Zuhörer, der sich beim Hören eher ver- als entspannt.

Die enge Zusammenarbeit mit dem ungarischen Komponisten und Musikethnologen Bela Bartok (eines seiner Werke kam im dritten Sommerkonzert zu Gehör) und die daraus resultierende, gegenseitige Beeinflussung ist deutlich spürbar. Die im sehr schön gestalteten Programmheft zu entnehmenden Texte zum Komponisten und die zu seiner Zeit stattfindenden, revolutionären Bewegungen in der Türkei unter Kemal Atatürk – auch in der Kunst – liefern eine aufschlussreiche Erklärung. Trotz schwerer Kost vor der Pause geizten die Zuhörer nicht mit Applaus, sicherlich auch aus Begeisterung über die lückenlos grandiose Virtuosität des Quartetts.

Wieder ruhiger und geerdeter ging es nach der Hör- und »Denkpause« mit Johannes Brahms’ Streichquartett a-Moll in vier Sätzen weiter. Auch Brahms mag nicht immer »leicht« anzuhören sein. Aber nach dem zuvor gehörten, hoch anspruchsvollen Stück wirkte nun das Streichquartett von Brahms wie ein Ausflug auf dem Lande: farbenfroh und beglückend, in lieblich-romantischer Grundstimmung. Zwar schlich sich auch hier die ein oder andere melodramatische Passage ein, aber das machte das Lauschen umso interessanter, sodass so manchem Zuhörer ein erleichtertes Seufzen entwich.

Zusammenfassend muss betont werden, dass diese Konzertreihe heuer einmal mehr durch ihre kontrastreiche Werkauswahl punktete: Musik aus anderen Ländern und Kulturen schlägt Brücken, verbindet und bereichert. Und das sah man auch an den Musikern, die in den unterschiedlichsten Nationen beheimatet sind und die sich zu einem gemeinsamen Musiksommer in der Klosterkirche zusammengefunden hatten.

Als Zugabe nach lang anhaltendem Applaus und Bravorufen gab es Tschaikowskis Andante Cantabile, das wohl bekannteste Streichquartett überhaupt. Seinen herzlichen Dank für die überaus gelungene Umsetzung sprach am Konzertende auch Oberbürgermeister Christian Kegel allen Helfern und Organisatoren des Musiksommers aus – allen voran Imke von Keisenberg, die seit drei Jahren mit großem Engagement die Künstlerische Leitung des Traunsteiner Musiksommers übernommen hat. Kirsten Benekam