Fußballer des SV Unterwössen mit neuem Trainingskonzept: »Und es geht doch«

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Mit einem ausgeklügelten Schutzkonzept und viel Abstand startete der Tabellenführer der B-Klasse 2, die Erste Mannschaft des SV Unterwössen, in ihr Training. Je zwei Spieler bildeten dabei ein Gespann. Nach sechs Monaten Lockdown waren bei Trainern wie Spielern Erleichterung und Engagement deutlich zu spüren. (Foto: Flug)

Und es geht doch: Nach sechs Wochen Pause trainierte die Erste Fußballmannschaft im SV Unterwössen, Tabellenführer in der B-Klasse 2, am Donnerstag erstmals wieder auf dem Sportplatz am Zollweg. Geübt wurde in Zweierteams an sechs verschiedenen Stationen.

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In Corona-Zeiten ist dies ein Pilotprojekt, das für viel Aufmerksamkeit sorgt. Doch Trainer Kilian Lehrberger betont: »So ungewöhnlich das nach außen aussehen mag, was wir hier machen, hält sich strikt an die Corona-Regeln, die für jeden einzelnen von uns auch im Alltag gelten.«

Über die ganze Spielfläche des Stadions sind sechs Stationen eingerichtet, um Ballführung, Koordination, Passspiel und Torschuss zu trainieren. Immer zwei Fußballer üben zusammen. Im Viertelstundentakt wechseln die Sportler die Stationen. Dabei wird das Duo jeweils von einem etwas entfernt stehenden Betreuer beaufsichtigt und begleitet. Der Betreuer trägt eine FFP2-Maske, die Sportler nicht.

Auf den Platz sind alle durch ein strenges Procedere gelangt, das Begegnungen außerhalb des Sportlerduos ausschließt. Zunächst erfasst ein Helfer die Personalien, die Desinfektion der Hände folgt. Für die Betreuer ist ein Test verpflichtend. Erst wenn nach einer Viertelstunde das negative Ergebnis vorliegt, dürfen sie auf den Platz. Auf den Stadionbänken sind für die Sportler-Paare Sitzplätze markiert, Mineralwasser am Sitzplatz erspart Wege und Begegnungen. Trainer Lehrberger lobt die Trainingsbeteiligung mit 24 Spielern. Dazu kommen sechs Betreuer und einige Helfer, um die Organisation zu stemmen.

Warum wird all dieser Aufwand getrieben wird? Trainer Kilian Lehrberger betont: »Für mich ist das Wichtigste am Sport der Allgemeinsport. Schon vor dem ersten Lockdown trieb mich die Sorge, was es mit den Amateursportlern macht, wenn ihnen der Vereinssport, oft für einige Amateure die einzige Bewegungsform, wegfällt. Das hat körperliche Auswirkungen, aber auch psychische.« Lehrberger weiter: »Für viele im Amateurbereich ist der gemeinsame Sport der wichtigste soziale Kontakt außerhalb der Familie. Und deshalb habe ich die Sorge vor den Nachwirkungen. Wie beschäftigen sich die Leute während des Lockdowns? Geben sie körperliche Betätigung insgesamt auf oder suchen sie sich Alternativen im Einzelsport oder auf dem Mountainbike? Gehen sie den Vereinen verloren? All das können wir noch nicht so richtig wissen – und es macht mir große Sorge.«

Zuletzt beeindruckte eine Aktion den Trainer. Als die Abteilung als Ersatz für ein Training die Mannschaft aufrief, die körperliche Fitness mit einem Lauftraining hochzuhalten, meldeten sich auf einen Schlag 26 Teilnehmer, eine zuvor nie erreichte Zahl. Das war einerseits Anlass zur Freude, verdeutlichte andrerseits dem Sportlehrer Lehrberger den Trainingshunger.

Deshalb wandte er sich ans Bayrische Innenministerium mit dem bereits im ersten Lockdown bewährten und weiter verfeinerten Schutzkonzept. Trainierten die Sportler damals noch in Vierergruppen, strich Lehrberger das im neuen Vorschlag auf die allein zulässigen Zweierbegegnungen zusammen. Das Innenministerium fand Idee und Konzept stimmig, verwies aber auf weitere Zuständigkeiten von Landratsamt und Gemeinde. Lehrberger und den Helfern aus der Fußballabteilung gelang es, die dortigen Auflagen sorgfältig abzuarbeiten. Jetzt bekamen sie Grünes Licht. Das Training begann – begleitet von BR-Kamera und Redakteurin. Alle gaben Gas und freuten sich offensichtlich am Wettkampf, den manche der Stationen im Gegeneinander einforderten.

Und wie war es ihnen in der trainingsfreien Zeit ergangen? Stefan Bichlers Antwort war etwas kryptisch: »Ich trage das Trikot des SV Unterwössen auch deshalb gern, weil es so schön schlank macht.« Co-Trainer Hans Wilhelm erkannte größere Ungenauigkeiten im Passspiel. »Wenn man so lange nicht vor den Ball tritt, kommt das eben. Aber das kriegen wir schon wieder hin.«

Durch die Bank zeigten sich die Spieler begeistert. Hohe Anerkennung erfuhr Trainer Kilian Lehrberger für sein Engagement und seine Hartnäckigkeit. »Da ziehen viele am gleichen Strang«, lobte Lehrberger dagegen sein Team und die Abteilung. »Die Resonanz der Spieler und Betreuer auf das Angebot war hervorragend. Alle sind engagiert bei der Sache.«

Auch Abteilungsleiter Tobias Moritz ist zuversichtlich. »Bisher sind alle bei der Stange geblieben«, zeigt er sich erleichtert. Lehrberger ergänzt: »Jetzt hoffen wir auf sinkende Inzidenz-Zahlen. Unter 100 kann es die nächsten Trainingserleichterungen und Mannschaftssport geben.« lukk

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