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Gästetorhüter Johannes Schenk vom SV Ostermünchen bewahrte sein Team durch mehrere starke Aktionen vor einer Niederlage. Hier rettet er vor SG-Stürmer Daniel Maier. (Foto: Jürgen Waßmuth)

Ein vergebener Elfmeter und ein Eigentor

Dass beim Fußball nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt, zeigte sich wieder in den beiden Relegationsspielen der SG Schönau gegen den SV Ostermünchen. Mussten die Schönauer schon in Ostermünchen nach einem vergebenen Elfmeter eine höchst unglückliche Niederlage hinnehmen, so gab es im Heimspiel nach einem fatalen Eigentor nur ein Unentschieden. Für beide Spielausgänge durften sich die Gäste bei ihrem Torhüter bedanken, der seine Mannschaft mit großartigen Reflexen und sicheren Paraden vor mindestens fünf Gegentoren bewahrt hat. Fakt ist nun jedenfalls, dass der SV Ostermünchen in die Bezirksliga aufsteigt, während die SG Schönau in der kommenden Saison weiterhin der Kreisliga angehört.


Nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen den SV Ostermünchen im Hinspiel vor 500 Zuschauern wohnten dem Rückspiel im Alpenstadion gleich 600 Zuschauer bei, darunter eine 100-köpfige Kolonie aus Ostermünchen. So war von Spielbeginn an Stimmung im Schneewinkler Fußballoval. Dass am Ende die Gäste aus der Nähe von Rosenheim das bessere Ende für sich hatten, lag an drei Komponenten. Zum einen gilt nur beim Bayerischen Fußballverband (BFV) noch die Regel, dass auswärts erzielte Tore doppelt zählen, was für den Spielverlauf nicht unerheblich war. Des Weiteren verschossen die Schönauer in Ostermünchen einen Elfmeter, fabrizierten daheim ein Eigentor und scheiterten mehrmals am Toptorhüter des SV Ostermünchen.

Fast alle heimischen »Fußball-Experten« waren vor dem Anpfiff der Meinung, die SG Schönau würde klar gewinnen und den sechsten Aufstieg in die Bezirksliga perfekt machen. Und nichts sah in der Anfangsphase der brisanten Begegnung auf dem perfekt hergerichteten Fußballfeld danach aus, dass das Vorhaben scheitern würde. Vom Anpfiff des souveränen Schiedsrichters Christian Babjar vom TuS Alztal Garching an zündeten die Schönauer den Turbo und spielten im Vorwärtsgang. Nach gekonnten Angriffen, denen nur die letzte Präzision fehlte, schien der Führungstreffer der Heimischen nur eine Frage der Zeit.

Nervosität im Schönauer Spiel

Doch schnell erkannte man, dass auch Nervosität im Schönauer Spiel war, was nach Fehlern in der Abwehr auch Chancen der Gäste ermöglichte. So kam Ostermünchens Mittelstürmer Peter Niedermaier in der fünften Spielminute zur ersten guten Möglichkeit der Gäste. Nachdem die Schönauer ihr erstes Pulver ohne Zählbares verschossen hatten, fingen sich die Gäste und zeigten, dass auch mit ihnen zu rechnen sei. Doch zwingender war das Spiel der Gastgeber.

Nach einer guten Aktion des aufgerückten Mannschaftskapitäns Lukas Laue, die von der Ostermünchner Abwehr gerade noch vereitelt wurde, war allerdings wieder der Gast gefährlich nahe im Schönauer Abwehrzentrum. So war auch die Taktik der Gäste schnell klar: hinten dicht und vorne durch einen Konter in die Tiefe auf eine Überraschung hoffend. Dies dokumentierten auch Kommentare (»Wir sind im Spiel«) des Mittelstürmers, der offensichtlich ein Leitwolf der Gäste war. Bezeichnend war auch, dass die Schönauer ihre Standards aus Ecken und Freistößen nicht wie gewohnt vortrugen. Dennoch war früh zu erkennen, dass die Schönauer die bessere Mannschaft war. Inzwischen wurden auch die Standardsituationen zwingender und der Führungstreffer der SG Schönau bahnte sich an.

Der längst überfällige Führungstreffer

Der längst fällige Schönauer Führungstreffer nach mehreren guten Möglichkeiten fiel dann in der 32. Minute. Zunächst vereitelte Johannes Schenk im Gästetor die Schönauer Führung. Doch der aufgerückte Schönauer Abwehrchef Daniel Widl hatte im Nachsetzen nach dem vierten Eckball in Folge keine große Mühe, die Kugel ins leere Tor zu platzieren. Von nun an schien das Match für die SG Schönau zu laufen. Siebenmal zuvor bekam Ostermünchen nämlich keinen Gegentreffer, in der Schönau riss diese Serie. Alles schien für die SG Schönau zu laufen. In der 39. Minute vereitelte der Gästetorhüter mit einer Glanzparade noch das 0:2. Doch praktisch im Gegenzug glich Ostermünchen durch ein Eigentor von Lukas Laue aus. Der Schönauer Mannschaftskapitän wollte retten, überwand dabei jedoch seinen chancenlosen Torhüter (41.).

So ging es statt mit einer klaren Führung mit 1:1 in die zweite Halbzeit, aus der wiederum die SG als bessere Mannschaft kam. Allerdings hätten die Schönauer durch den unseligen Gegentreffer aufgrund der Auswärtstorregel zwei Treffer gebraucht, um aufzusteigen. Und dies schien gegen die starke Defensivmannschaft von nun an ein schwieriges Unterfangen. Wie schon zu Spielbeginn diktierte die Meißner-Elf das Geschehen auch in Halbzeit zwei und kreierte gleich wieder Möglichkeiten. Doch die Gästeabwehr zeigte, dass sie nicht umsonst nur 19 Gegentreffer in 26 Spielen kassiert hat. Schönau erspielte sich durch Daniel Maier, Rade Kocic und Sebastian Wessels weitere Möglichkeiten, doch es dauerte bis in die 78. Minute, ehe Lukas Laue, der sich immer wieder vehement ins Schönauer Angriffsspiel einschaltete, das 2:1 gelang.

Jetzt knisterte es im Zuschaueroval vor Spannung. Schönau war an der endgültigen Entscheidung dran, doch Ostermünchens Torhüter hielt sein Team im Spiel. Nachdem die Schönauer ihre Abwehr völlig entblößt hatten, führte ein letzter Konter der Gäste in der Nachspielzeit zum 2:2-Ausgleich und dem gleichzeitigem Aus für die SG Schönau. Der gerade eingewechselte Markus Grabl schoss den SV Ostermünchen in den siebten Fußballhimmel.

Die SG Schönau hat den Aufstieg nicht im Heimspiel vergeben, sondern durch das 0:1 bereits im Auswärtsspiel. Trost für die Schönauer Spieler bleibt die Erkenntnis, dass sie in der nächsten Saison in der Kreisliga sicher öfter als Sieger vom Platz gehen werden, als sie in der Bezirksliga zu Erfolgen gekommen wären.

SG Schönau: Christian Thurner; Florian Popp, Daniel Widl, Lukas Klaus, Michael Hirtl-Stanggaßinger (70. Raphael Handke), Lukas Laue, Stefan Weinbuch, Daniel Maier, Rade Kocic, Sebastian Wessels.

Christian Wechslinger