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Presse zu Vettel-Trennung von Ferrari: »Ende eines Irrtums«

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Sebastian Vettel
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Wird Ferrari am Saisonende verlassen: Sebastian Vettel. Foto: Uli Deck/dpa Foto: dpa

Berlin (dpa) - Die internationale Presse wertet das bevorstehende Aus von Sebastian Vettel bei Ferrari vor allem als Scheitern des 32 Jahre alten Deutschen bei der Scuderia.


Die Schuld sehen einige aber nicht nur bei dem viermaligen Weltmeister, der nach seinem Wechsel von Red Bull zur Saison 2015 zu Ferrari nicht an die vorherigen Erfolge anschließen konnte.

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»Die Trennung von Vettel und Ferrari als Ende eines Irrtums«, schrieb die »Neue Zürcher Zeitung« aus der Schweiz. »Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern auch am Schlingerkurs der Ferrari-Führung.« Vettel sei als Heilsbringer zu Ferrari gekommen - »und geht als Gescheiterter«, befand der »Tages-Anzeiger«: »Ferrari verlor in der internen Zerreißprobe zwischen Jungtalent und vierfachem Weltmeister die Kontrolle.«

Als Höhepunkt der »außergewöhnlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Scuderia und ihrem Starfahrer«, wertete »The Telegraph« die Ankündigung vom Dienstag, dass Vettel und Ferrari nach dieser Saison nicht mehr zusammenarbeiten werden. Beide Seiten konnten sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen. »Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse von Vettel ist es verständlich, dass Ferrari mit einem weiteren Dreijahresvertrag zögerte«, meinte die britische Zeitung.

»Das Problem sitzt nicht im Cockpit«, befand der »Kurier« aus Österreich. Der Rennstall folge seiner jahrzehntelangen Strategie: »Die Piloten sind austauschbar, sobald sie in der roten Göttin nicht mehr schnell genug über die Runden kommen.«

Die Pressestimmen in der Übersicht:

GROßBRITANNIEN:

BBC Sport: »Als Sebastian Vettel Ende 2014 bei Ferrari als Nachfolger von Fernando Alonso unterschrieb, träumte er davon, seinem Kindheitshelden Michael Schumacher nachzueifern und mit dem italienischen Team die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Stattdessen endete seine Zeit in Maranello im Frust, unerfüllt. Vierzehn Siege, ja, aber Team und Fahrer haben ihre Ziele nicht erreicht, und bis zu einem gewissen Grad liegt der Grund dafür bei Vettel. Im Verlauf seiner Ferrari-Karriere sah Vettel immer weniger wie der Fahrer aus, der von 2010 bis 2013 mit Red Bull vier Mal hintereinander Weltmeistertitel holte.«

Sky Sports News: »Obwohl Vettel die Meisterschaft sowohl in der Saison 2017 als auch in der Saison 2018 lange Zeit anführte, wurde er beide Male von Hamilton überholt und wurde für seine Fehler auf der Rennstrecke kritisiert. Ferrari hat es dann versäumt, den Schwung ins letzte Jahr mitzunehmen, stattdessen wurde die Saison durch den internen Kampf zwischen ihrem neuen und ihrem etablierten Star geprägt. Leclerc und Vettel hatten zahlreiche Krisenherde auf der Strecke und eine Kollision in Brasilien, die das Rennen beendet hat, obwohl die beiden betont haben, dass sie abseits der Rennstrecke gut miteinander auskommen.«

»The Independent«: »Beobachter hatten erwartet, dass er (Vettel) Michael Schumachers Rekord von sieben Formel-1-Titeln bricht. Das liegt nun in Reichweite von Weltmeister Lewis Hamilton, der sechs hat. Hamiltons Aufstieg mit Merceds ging einher mit Vettels schrittweisem Abstieg bei Ferrari.«

»The Telegraph«: »Die Trennung ist der Höhepunkt der außergewöhnlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen der Scuderia und ihrem Starfahrer. (...) Mit Blick auf die jüngsten Ergebnisse von Vettel ist es verständlich, dass Ferrari mit einem weiteren Dreijahresvertrag zögerte. In den Jahren 2017 und 2018 gab der Deutsche durch entscheidende Fehler den Meisterschaftsvorteil an Hamilton ab, und in 2019 wurde er vom jungen monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc regelmäßig in den Schatten gestellt und landete in der Gesamtwertung auf einem entfernten fünften Platz.«

ÖSTERREICH:

»Der Standard«: »Die Saison in Corona-Zeiten ist Sebastian Vettels letzte bei Ferrari. Der viermalige Formel-1-Weltmeister kehr der enttäuschten Scuderia frustriert den Rücken. Das baldige Karriereende des Deutschen ist nicht völlig auszuschließen. (...) So enthusiastisch die Zusammenarbeit vor mehr als fünf Jahren verkündet wurde, so unterkühlt wurde am Dienstag ihr baldiges Ende avisiert.«

»Kurier«: »Ferrari sucht die Erfolgsspur: Das Problem sitzt nicht im Cockpit (...) Sebastian Vettel und Ferrari trennen sich mit Jahresende nach dann sechs gemeinsamen Jahren. Damit folgt der Rennstall seiner jahrzehntelangen Strategie: Die Piloten sind austauschbar, sobald sie in der roten Göttin nicht mehr schnell genug über die Runden kommen.«

»Die Presse«: »Der große Traum des Deutschen, 32, es seinem Vorbild Michael Schumacher gleichzutun, scheint endgültig geplatzt. Nach vier WM-Titeln mit Red Bull Racing wollte er - wie »Schumi« nach Erfolgen mit Benetton - bei den Italienern zur Ikone aufsteigen. Der Versuch, diese Ära zu wiederholen, ist jedoch kläglich gescheitert. Zerbrochen an den eigenen Nerven, der (motorischen) Übermacht von Mercedes und auch den Fahrkünsten von Lewis Hamilton, der Vettel in wichtigen Phasen stets im Rückspiegel sah und kontrollierte.«

SCHWEIZ

»Blick«: »Das wochenlange Trauerspiel um einen neuen Ferrari-Vertrag für Sebastian Vettel (32) hat ein Ende. Vielleicht haben sich Daniel Ricciardo (30), der bei Renault nie glücklich wurde, und Carlos Sainz jr. (25), bei McLaren eigentlich gesetzt, in Maranello angeboten. Für ein Trinkgeld. Und auch Ferrari muss in Zukunft sparen, wenn die Budgetobergrenze auf rund 140 Millionen Dollar (und später noch weniger) limitiert wird. Oder hat der hochintelligente Vettel vielleicht gemerkt, dass ihm mit seiner Loyalität bei Ferrari hinter den Kulissen ein Gegenwind ins Gesicht blies?«

»Tages-Anzeiger«: »Vettel kam als Heilsbringer zu Ferrari - und geht als Gescheiterter«. (...) Am Anfang stand ein Traum. Er entwickelte sich zum Albtraum. (...) Ferrari verlor in der internen Zerreissprobe zwischen Jung talent und vierfachem Weltmeister die Kontrolle. Deshalb ist Vettels Schritt, wenn auch zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, nicht nur nachvollziehbar, sondern nötig.«

»Neue Zürcher Zeitung«: »Die Trennung von Vettel und Ferrari als Ende eines Irrtums. Vettel ist nicht nur an den vielen Fehlern gescheitert, die er mit einem meist unterlegenen Auto unter Druck gemacht hat, sondern auch am Schlingerkurs der Ferrari-Führung. So hatte Mattia Binotto in der zweiten Saisonhälfte 2018 das Rennauto in die falsche Richtung entwickelt - was Vettel seiner bisher besten Titelchance beraubte.«

SPANIEN:

»El Confidencial«: »Die Bombe explodierte am Dienstag. Sebastian Vettel verlässt zum Jahresende Ferrari. Alles deutet darauf hin, dass Carlos Sainz sein Nachfolger sein wird. Der Pilot aus Deutschland ist bald ohne Team und in einer sehr komplizierten Lage. Ihm bieten sich nämlich wenige attraktive Möglichkeiten, seine Karriere in der Formel 1 fortzusetzen (...) Bei Ferrari ist er gescheitert.«

»Mundo Deportivo«: »Ferrari war auch nicht zufrieden mit Vettel. Mit der Art und Weise, wie er seine Rivalität mit Leclerc auf der Piste entgegen den Interessen des Teams ausgetragen hat.«

»AS«: »Wie sieht die Zukunft von Sebastian aus? Einige glauben, dass er sich dem ehrgeizigen, aber wenig konkurrenzfähigen Projekt von Renault anschließen wird. Andere meinen, dass er mit Sainz die Plätze tauschen und zu McLaren gehen wird. Aber viele sind davon überzeugt, dass er nicht in der Formel 1 bleiben wird.«

»ABC«: »Sebastian Vettel bleibt nun nichts anderes übrig, als sich einen neuen Job zu suchen. In der Formel 1 oder irgendwo anders.«

»El País«: »Alles deutet darauf hin, dass der Traum von Sebastian Vettel, es seinem Idol Michael Schumacher gleichzumachen und mit dem roten Auto von Ferrari Formel-1-Weltmeister zu werden, genau das bleiben wird: Ein Traum, eine Phantasie (...) Wenn die WM dieses Jahr tatsächlich im Juli starten kann, wird Vettel kaum in der Lage sein, die Tendenz der vorigen Saison umzukehren, als er hinter seinem jungen Stallkollegen Leclerc nur auf Platz fünf landete.«

FRANKREICH:

L'Équipe: »Seit gestern gibt es keinen Zweifel mehr, wenn es für einige noch Zweifel gab, dass Leclerc in Maranello die Nummer eins geworden ist. In weniger als zwei F1-Saisons hat es der 22-jährige Monegasse geschafft, einen viermaligen Weltmeister (2010, 2011, 2012, 2013) auszuschalten, die interne Alchemie bei Ferrari umzukrempeln (...). Seit gestern ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass die Zukunft der Scuderia mit der von Leclerc verbunden ist. (...) In weniger als einem Kalenderjahr wurden die Messen gesungen, der Kaiser begraben und der neue König inthronisiert. Die Machtergreifung war bonapartistisch, schnell, chirurgisch und - fast - reibungslos.«

DÄNEMARK:

»BT«: »Die Nachricht, dass Sebastian Vettel Ferrari nach dieser Saison verlässt, kommt nicht überraschend. Als Ferrari im Dezember einen neuen Fünfjahresvertrag mit dem 22-jährigen Charles Leclerc eingegangen ist und gleichzeitig nicht mit dem 32-jährigen Vettel verlängerte, war klar: Leclerc ist der Mann der Zukunft und Vettel wird früher oder später ersetzt. Jetzt wird der Wunsch der Ferrari-Führung erfüllt. Man hatte gehofft, den erfahrenen Deutschen noch ein oder zwei Jahre halten zu können, aber Vettel war zu stolz, um das beschämende Angebot zu akzeptieren, das er neulich bekommen hat: Ein Einjahresvertrag und eine enorme Lohnkürzung sind seiner Meinung nach kein faires Angebot für einen vierfachen Weltmeister.«

»Ekstra Bladet«: »Geld war es nicht, was dazu führte, dass Ferrari und Sebastian Vettel nach dieser Saison jeder seinen Weg gehen werden. Das sagte Vettel in der Pressemitteilung vom Dienstag. Die Mitteilung erzählt jedoch nichts dazu, was die Zukunft für ihn bereithält. Nur eines: Dass er sich nicht damit abfinden will, zum ersten Mal in seiner Karriere die Nummer zwei zu sein.«

SCHWEDEN:

»Aftonbladet«: »Sebastian Vettel kam 2015 als vierfacher Weltmeister und nach erfolgreichen Jahren bei Red Bull zu Ferrari. Er träumte davon, das Erbe von Michael Schumacher anzutreten, schaffte es aber nicht, dieselben Erfolge zu erzielen. Seit 2015 hat er 101 Rennen für das Team gefahren, aber nur 14 davon gewonnen. Nach diesem Jahr ist die Zusammenarbeit nun vorbei. Und was Vettel darüber hinaus machen wird, ist unklar.«

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