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Feilschen um die Zukunft: Reformstreit in der Formel 1

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Überraschungsbesuch
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Bernie Ecclestone stattete dem Fahrerlager in Bahrain einen Besuch ab. Foto (Archiv): Herbert Neubauer Foto: Herbert Neubauer Foto: dpa

Der Kampf um die Zukunft der Formel 1 hat begonnen. In den nächsten zwei Monaten wollen die Eigentümer der Rennserie ihre Reformpläne zur Unterschriftsreife bringen. Ferrari und Mercedes wollen Kompromisse erzwingen.


Sakhir (dpa) - Es war der plötzliche Auftritt von Bernie Ecclestone im Fahrerlager von Bahrain, der dem Widerstand der alten Garde gegen Reformen in der Formel 1 das passende Gesicht gab.

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Auf dem Hemdkragen trug der 87 Jahre alte Ehrenpräsident wie als kleine Provokation das frühere Logo der Rennserie, das von seinen Nachfolgern ausgemustert worden war. Für die neuen Chefs der Formel 1 hatte da der Kampf um die Zukunft der Vollgas-Branche gerade so richtig begonnen. Alles läuft in den kommenden Wochen auf ein Kräftemessen mit den Schwergewichten Ferrari und Mercedes hinaus, die ihre Vormachtstellung vor allem Ecclestone verdanken.

Die US-Eigentümer von Liberty Media wollen die zementierte Ordnung in der Formel 1 von 2021 an aufbrechen. Die Pläne für den Wandel stellte Geschäftsführer Chase Carey den Teamchefs vor dem Grand Prix in Sakhir vor. Den meisten Zündstoff liefert die jährliche Budgetgrenze von 150 Millionen Dollar, umgerechnet rund 122 Millionen Euro. «Die Zahl ist für die großen Teams viel zu niedrig. Meine absolute Priorität ist es, unsere Strukturen und unsere Mitarbeiter zu schützen», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff und weiß sich auf einer Linie mit Ferrari.

Deutlich mehr als 300 Millionen Dollar geben die beiden Branchenriesen mindestens pro Jahr für ihr Formel-1-Engagement aus, beschäftigen in ihren Rennfabriken viele hundert Mitarbeiter. «Damit müssen wir einen Weg finden, wenn es plötzlich nur die Hälfte sein soll. Wir können und wollen sie nicht entlassen», sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratschef des Mercedes-Rennstalls. Als Ausstiegsdrohung sei dies aber nicht zu verstehen - noch nicht.

Ein Kostendeckel, einfachere Motoren und die gleichmäßigere Verteilung der Einnahmen - all das könnte den Top-Teams viel von ihrem Vorteil gegenüber dem Rest des Feldes nehmen. Ferrari soll auch auf die Hälfte seines 100-Millionen-Dollar-Treuebonus verzichten, den einst Ecclestone der Scuderia zugebilligt hatte, um sie an die Formel 1 zu binden.

Bis Anfang Mai wollen die Formel-1-Bosse nun Gespräche mit den Rennställen führen, um die Reformansätze zu präzisieren. «Das ist unsere Sicht, wie es sein sollte, und wenn jemand mit besseren Ideen zu uns kommt oder mit Überlegungen, die wir nicht angestellt haben, dann werden wir die natürlich diskutieren», sagte Formel-1-Sportchef Ross Brawn dem britischen TV-Sender Sky Sports. Nichts sei in der Formel 1 in Stein gemeißelt.

Während kleinere Teams wie Williams oder Haas die Reformen mit großer Hoffnung begrüßten und auch der von Brause-Milliarden abhängige Red-Bull-Rennstall eine Ausgabengrenze fordert, setzen Mercedes und Ferrari wohl auf neuerliche Ausnahme-Regelungen. Fahrergehälter und Marketingkosten sollen schon jetzt nicht in das Budgetlimit fallen. «Dann sind wir schon mal bei 250 Millionen, und das hört sich schon nicht mehr so verrückt an», meinte Mercedes-Manager Wolff.

Viel Zeit zum Feilschen bleibt indes nicht. «Es muss in den nächsten zwei Monaten erledigt sein, das ist ziemlich ehrgeizig», sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Für neue Strukturen und die Entwicklung eines lauteren, vereinfachten und billigeren Hybridmotors braucht es eine Vorlaufzeit. So könnten in den kommenden Wochen die Kämpfe neben der Strecke mindestens genauso spannend werden wie die Renn-Action.

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