»Wolf of Sofia«: Mutmaßlicher Komplize räumt Vorwürfe ein

Prozess nach Online-Anlagebetrug in Millionenhöhe
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Ein wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs angeklagter Mann sitzt im Landgericht. Foto: Matthias Balk/dpa Foto: dpa

Täuschend echt aussehende Internetseiten und echte Call-Center-Mitarbeiter: Betrüger haben mit dem Verkauf falscher Finanzprodukte Millionen erbeutet. Ein mutmaßlicher Komplize des »Wolf of Sofia« steht nun in Bayern vor Gericht.


München (dpa) - In einem Prozess um internationalen Finanz-Betrug hat der Angeklagte eingeräumt, für einen Schaden in Millionenhöhe mitverantwortlich zu sein. Die Verteidigerin des 45-Jährigen verlas zum Prozessauftakt am Dienstag eine entsprechende Erklärung vor dem Landgericht München I, in der er alle Vorwürfe einräumte. Der Mann soll Teil der Führungsriege der Bande des Cyberkriminellen »Wolf of Sofia« gewesen sein.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern in Bamberg wirft dem Angeklagten gewerbs- und bandenmäßigen Betrug vor. Es geht um einen Schaden von rund 8,7 Millionen Euro im Zeitraum von März 2016 bis März 2019. Die Anklageschrift listet mehrere Hundert Geschädigte, zusätzlich gehen die Ermittler von einer hohen Dunkelziffer aus. Anleger unter anderem aus Deutschland verloren demnach Werte von 250 bis hin zu mehreren Hunderttausend Euro.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die Gruppe auf gefälschten Online-Handelsplattformen verschiedene Finanzanlagen angeboten, darunter hochspekulative Formen wie Kryptowährungen. Angelockte Anleger konnten demnach für 250 bis 300 Euro ein Konto eröffnen. Angebliche Experten hätten die Opfer dann per Telefon überzeugt, immer mehr Geld zu investieren. »Nach Einzahlung des Geldes durch die Kunden wurde das Geld jedoch nicht investiert, sondern in einem Geldwäsche-Netzwerk verteilt«, erklärte die Verteidigerin. Zudem seien den Opfern Kursgewinne vorgegaukelt worden.

Die Gruppe des Angeklagten unterhielt laut Staatsanwaltschaft mindestens vier Call-Center in Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Georgien, für die der Angeklagte im operativen Tagesgeschäft verantwortlich gewesen sein soll. Anfang Januar 2019 seien 472 Menschen darin beschäftigt gewesen, die monatlichen Fixkosten hätten fast eine Million Euro betragen. Opfer wurden von den Call-Centern in ihrer jeweiligen Landessprache angerufen. »Insgesamt gehen die Täter mit großer Professionalität und erheblicher krimineller Energie vor«, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte und seine Verteidiger berichteten von psychischen Problemen, Depressionen und erheblichem Drogenkonsum während der Arbeit. Für den Prozess wurden zunächst acht Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 12. Januar fallen.

Mit »Wolf of Sofia« wird der Kopf der Betrügerbande bezeichnet, der mittlerweile in Österreich wegen Cyberkriminalität verurteilt wurde. Die kriminelle Masche war jüngst auch im Zusammenhang mit den Enthüllungen rund um die sogenannten Pandora Papers in die Schlagzeilen geraten - also um ein Datenleck mit Informationen über internationale Schattenfinanzplätze.

© dpa-infocom, dpa:211122-99-100819/5


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