Von Brunn und Endres: SPD neuen Kampfeswillen verleihen

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Florian von Brunn (SPD)
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Florian von Brunn (SPD), bayerischer Landtagsabgeordneter. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild Foto: dpa

Umfragewerte schlecht, Wahlergebnisse schlecht. Sozialdemokraten im Freistaat haben es schwer. Wegen der schlechten Lage sucht das erste Bewerberduo für den Landesvorsitz seine Chance in der Offensive.


München (dpa/lby) - Mit einem offensiveren politischen Kampf wollen die SPD-Politiker Florian von Brunn und Ronja Endres den schleichenden Niedergang der Sozialdemokratie in Bayern stoppen. »Wir werden auch über den Kampf wieder ins Spiel kommen«, sagte von Brunn am Donnerstag bei der Vorstellung der Bewerbung für den SPD-Landesvorsitz in München. Endres betonte: »Ich habe es satt, in der Presse vom Niedergang der SPD zu lesen. Ich habe es auch satt, die Bayern-SPD mit ihren Themen in der Presse kaum wiederzufinden.«

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Ziel sei es, »die Partei wieder mit viel Schwung und Elan in die Öffentlichkeit und die Herzen der Menschen« zurückzubringen, heißt es in der Bewerbung des Duos. Als Zielmarke nannte von Brunn auf Nachfrage die Rückkehr in den zweistelligen Prozentbereich. »Wir stehen für die Trendwende«, sagte Endres. Anders als der bislang einzige Bewerber um das Amt, Generalsekretär Uli Grötsch, streben Endres und von Brunn eine gleichberechtigte Doppelspitze an.

Für den Landtagsabgeordneten von Brunn, der am 23. Januar seinen 52. Geburtstag feiert, ist es der zweite Anlauf auf den SPD-Vorsitz. Doch im Mai 2017 stimmten beim großen Mitgliederentscheid nur 19,8 Prozent für den Münchner, die seither an der Spitze des Landesverbandes stehende Natascha Kohnen hatte damals 53,8 Prozent der Stimmen erhalten. Auch bei der Suche nach einem neuen Fraktionschef nach der für die SPD desaströsen Landtagswahl im Maximilianeum (9,7 Prozent) konnte sich von Brunn nicht durchsetzen.

Nach Kohnens Ankündigung für das Ende ihrer Amtszeit war von Brunns Kandidatur in der Partei von vielen erwartet worden - anders als die Mit-Kandidatur von Endres. Die 1986 in Starnberg geborene Wahl-Regensburgerin ist bisher nicht landes- oder gar bundespolitisch in Erscheinung getreten, sie selbst nennt die Gewerkschaftsarbeit als Fundament für ihren Weg in die Politik.

So unterschiedlich die beiden Bewerber für die erste Doppelspitze in der bayerischen SPD auch sind, in ihrer Bewerbung findet sich dennoch ein sehr ähnlicher roter Faden: Beide eint demnach ihr Wunsch, der SPD im Freistaat einen forscheren Kurs aufzuerlegen. »Ronja und ich teilen eine Vision von Bayern im 21. Jahrhundert«, sagte von Brunn.

Damit setzt das Duo einen klaren Gegenakzent zu Kohnen, die nach ihrer Wahl immer wieder erklärt hatte, die SPD dürfe sich nicht an der CSU abarbeiten, sondern müsse über eigene Inhalte die Menschen erreichen. Zudem betonen Endres und von Brunn, dass sie die öffentliche Präsenz der SPD verbessern und den Team-Gedanken auch bei den Mitgliedern wiederbeleben wollen. »Wir müssen die Partei zusammenbringen und versöhnen«, sagte das Duo.

Inhaltlich finden sich in der Bewerbung durchweg die klassischen SPD-Themen wieder, wenn auch teils etwas zeitgemäßer interpretiert: So betonte von Brunn - der im Landtag auch umweltpolitischer Sprecher ist - einen neuen Schwerpunkt auf die Verbindung von Umweltschutz und sozialer Industriepolitik, den Ausbau des ÖPNV und die Digitalisierung auch auf dem Land legen zu wollen. Bildung müsse zudem wieder das »Topthema« der Bayern-SPD werden.

Endres rückt klassische Gewerkschaftsforderungen in den Fokus: Tariftreue, Arbeitsbedingungen in der Pflege und - als Wink für die Grünen - den Klimaschutz: »Ich bin jung und brauche die Welt noch länger«, schreibt sie in ihrer Bewerbung und verquickt das Thema mit sozialen Fragen wie Angst vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg.

Bleibt die Frage, ob sich nun noch weitere Bewerber um den alles andere als einfachen Job des SPD-Landevorsitz in Bayern melden. Die Neuwahl des Vorstands wird für März angestrebt, offen ist aber bisher, ob dies wegen der Corona-Pandemie auch so funktionieren wird.


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