Überlastete Kliniken: Verlegungen aus Bayern in Vorbereitung

Intensivstation
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Ein Intensivbett mit Beatmungseinheit steht auf einer Corona-Station. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/Symbolbild Foto: dpa

Die Corona-Lage im Freistaat spitzt sich weiter zu. Die Zahl der Intensivpatienten hat mit über 1000 einen Höchststand erreicht. Nun sollen schwer kranke Patienten in andere Bundesländer verlegt werden.


München (dpa) - Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage in den Kliniken bereitet sich Bayern auf den Transport einer größeren Zahl von Intensivpatienten in andere Bundesländer vor. Für den Freistaat sei dazu inzwischen das sogenannte Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten innerhalb Deutschlands aktiviert, teilte die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) in der Nacht zum Mittwoch mit.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises der Innenministerkonferenz für Feuerwehrangelegenheiten, Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung, Hermann Schröder, erläuterte, über das Kleeblatt-Verfahren seien am Mittwoch Anträge auf Verlegung für rund 80 Patienten aus Bayern und dem Osten Deutschlands - dem Kleeblatt-Ost - geprüft worden.

Zunächst war aber offen, welche bayerischen Kliniken betroffen sein könnten. Das LMU Klinikum, das nach eigener Aussage die meisten Covid-19-Intensivpatienten in der Landeshauptstadt behandelt, erweitere gerade seine Intensivkapazitäten deutlich und plane nicht, Patienten zur Behandlung in andere Bundesländer zu verlegen, teilte der ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende, Markus Lerch, auf Anfrage mit. »Das LMU Klinikum hat in den letzten Tagen und Wochen wiederholt mit Covid-19-infizierte Intensivpatienten aus anderen bayerischen Krankenhäusern übernommen, wann immer diese die Behandlung in einem Maximalversorger benötigten und soweit es die Intensivkapazitäten am LMU Klinikum erlaubt haben.«

Der Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der TU München, Christoph Spinner teilte mit, die Situation sei zwar angespannt. »Durch Verschiebung planbarer Operationen und Eingriffe kann die Akutversorgung von Covid-19 und Nicht-Covid-19 Patienten und Patientinnen derzeit jedoch weiter gewährleistet werden. Derzeit prüfen wir aufgrund der Aktivierung des Kleeblatt-Systems, welche Patienten und Patientinnen von den Intensivstationen verlegbar sind.«

Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern stieg unterdessen erstmals auf über tausend. Am Mittwochmittag meldete das bundesweite Intensivregister 41 zusätzliche Covid-19-Intensivpatienten, die Gesamtzahl stieg von 965 auf 1006. Auch die Zahl der Todesopfer wächst schnell: In den vergangenen sieben Tagen starben in Bayern nach Daten der Münchner Ludwig-Maximilians Universität 432 Corona-Patienten - und damit innerhalb einer Woche mehr als im gesamten Oktober.

Die Intensivstationen sind mit einer höheren Zahl von Corona-Patienten konfrontiert als auf dem Scheitelpunkt der zweiten Corona-Welle Anfang des Jahres. Damals waren etwas über 900 Corona-Intensivpatienten in Behandlung. Am Mittwoch waren in exakt der Hälfte der 96 bayerischen Landkreise und kreisfreien Städte weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei, in zwanzig Kommunen gab es kein einziges freies Intensivbett.

In dieser Lage befinden sich viele Kliniken seit Wochen. Dabei ist der Anteil der Corona-Patienten in vielen Krankenhäusern immer weiter gestiegen, unter anderem weil planbare Operationen verschoben werden. Bayernweit ist nun mehr als ein Drittel der derzeit verfügbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt, den Großteil stellen nach wie vor die Ungeimpften. In manchen Kommunen ist die Lage extrem: So waren am Mittwoch 9 der 11 Intensivpatienten im Landkreis Augsburg Covid-Fälle, ein Bett war noch frei.

Damit Covid-19-Patienten trotz sich abzeichnender Engpässe in einigen Regionen weiterhin intensivmedizinisch behandelt werden können, hatte das strategische Steuerungsgremium von Bund und Ländern die Kleeblatt-Konferenz aktiviert. Zweck dieser Konferenz, die sich täglich oder im Zwei-Tages-Rhythmus austauscht, ist es, eine bundesweite Verlegung von Patienten zu organisieren. Dabei geht es darum, freie Plätze und geeignete Transportmittel zu finden.

Auch die ebenfalls besonders von Corona betroffenen Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg haben nach Divi-Angaben das Konzept aktiviert, sie gehören zum Kleeblatt Ost. Aktuell gab es zuletzt im Norden und in Hessen noch freie Kapazitäten.

© dpa-infocom, dpa:211124-99-119435/3

Mitteilung DIVI

RKI Kleeblattkonzept


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