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SPD fordert mehr Nitrat-Messstellen in Bayern

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An einer Messtelle wird eine Grundwasserprobe entnommen
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An einer Messtelle wird eine Grundwasserprobe entnommen, die auf Nitrat überprüft wird. Foto: picture alliance / Uli Deck/dpa/Symbolbild Foto: dpa

Der Streit um Düngemittel und Nitrat im Grundwasser erhitzt die Gemüter - vor allem von Bauern und Umweltschützern. Die Staatsregierung will detaillierter Daten erheben. Doch selbst der geplante Anstieg um rund 150 Prozent reicht der Opposition nicht aus.


München (dpa/lby) - Der geplante Ausbau an Nitrat-Messstellen in Bayern geht der SPD im Landtag nicht weit genug. »Wir alle wollen einen effektiven Grundwasserschutz und klare Vorgaben für Gebiete, in denen es Handlungsbedarf gibt. Um diese aber transparent und sinnvoll darzustellen, werden engmaschige Messungen benötigt«, erklärte Fraktionschef Horst Arnold laut Mitteilung in München.

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Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) will die Zahl der Messpunkte von 600 auf bis zu 1500 mehr als verdoppeln. Doch die beschlossene Ausweitung ist aus Sicht von Arnold nicht genug. Er verwies auf Baden-Württemberg, wo es knapp 1800 Messstellen gebe. »Dieser Umstand ist nicht akzeptabel«, sagte der Sozialdemokrat - vor allem weil die Agrarflächen in Baden-Württemberg mit 1,4 Millionen Hektar in Summe nicht einmal halb so groß seien wie in Bayern.

Erhöhte Nitratgehalte können nach Angaben des Landesamts für Umwelt (LfU) der Gesundheit schaden: »Wird Nitrat im Organismus zu Nitrit umgewandelt, kann das vor allem bei Säuglingen die Sauerstoffversorgung über das Blut hemmen«, heißt es dort.

Die Nitratbelastung im Grundwasser überschreitet im Freistaat wie auch in Deutschland an vielen Stellen Grenzwerte. Europaweit sind das lautLfU für Grund- und Trinkwasser 50 Milligramm pro Liter. Dieser Wert werde in Bayern bei 6,4 Prozent der langjährig beobachteten Messstellen überschritten (Stand: 2018). Damit sei die Belastung von Grundwasser mit Nitrat seit 2008 in etwa gleich geblieben.

Umweltschützer machen vor allem die Landwirtschaft für die zu hohen Werte verantwortlich, die durch Mineraldünger oder Gülle erhebliche Nitrateinträge verursacht. Der Hintergrund für das Düngen ist, dass Pflanzen Nitrat zum Wachsen brauchen.

Die Bauern wehren sich und machen geltend, sie seien nicht die einzige Ursache. Erst vor einigen Tagen hatte mehr als 200 Landwirte mit rund 100 Traktoren vor dem Ministerium für mehr Mitsprache bei der Ausweitung des Nitrat-Messstellen-Netzes demonstriert. Glauber sagte daraufhin ein Treffen mit den Landwirten in wenigen Wochen zu.

In einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage Arnolds heißt es: »Für eine Ausweitung des Messnetzes kommen zwei Möglichkeiten in Betracht: Zum einen werden Messstellen neu errichtet. Zum anderen wird geprüft, inwieweit bereits bestehende Messstellen in das Messnetz aufgenommen werden können.« Ein konkretes Konzept dazu werde aktuell im Auftrag des Ministeriums erarbeitet.

Derzeit würden im Rahmen des sogenannten qualitativen Grundwassermonitorings in Bayern aktuell rund 9,5 Messstellen je 1000 Quadratkilometer untersucht, hieß es weiter. Das landesweite Grundwassermonitoring in Bayern habe 1982 begonnen und sei im Laufe der Jahre an verschiedene nationale und internationale Anforderungen angepasst. Zuletzt war das Messnetz den Angaben zufolge in den Jahren 2014/15 überarbeitet worden. Glauber betont in seiner Antwort: »Sauberes Grundwasser hat oberste Priorität.«

Landesamt für Umwelt über Messnetze

Ministeriumsantwort auf Anfrage Glaubers

Landesamt für Umwelt über Nitrat im Grundwasser


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