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Schüler bewerten Referendare: Das sagen die Nachwuchslehrer

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Eine Schülerin hebt den Finger
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Eine Schülerin der fünften Klasse hebt im Unterricht den Finger. Foto: Daniel Karmann/Archiv Foto: dpa

Üblicherweise bewerten Lehrer ihre Schüler. An 79 Schulen im Freistaat läuft es auch andersherum. Die Nachwuchslehrer haben Feedback von den Schülern erhalten. Hat das Projekt ihnen etwas gebracht?


München (dpa/lby) - Zwei Jahre lang haben Schüler an 79 Schulen im Freistaat den Unterricht von Nachwuchslehrern bewertet. Danach wurden die 358 Referendare und 131 an der Ausbildung beteiligte Lehrkräfte zu ihren Erfahrungen mit dem Modellversuch des Kultusministeriums befragt. Das Ergebnis: Die Mehrheit der jungen Lehrer in Ausbildung ist dankbar für Feedback ihrer Schüler - gerade von den Rückmeldungen älterer Schüler profitieren sie. Das Schüler-Feedback sei wichtig für die Verbesserung des Unterrichts, heißt es in einer Auswertung der Befragungen durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

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Nach Angaben der befragten Referendare und Lehrkräfte nehmen die Schüler das Feedback ernst und beteiligen sich engagiert. Je älter die Schüler sind, desto positiver schätzen die Referendare die Qualität ihrer Rückmeldungen ein, so ein Ergebnis der Auswertung. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Fragebögen missbraucht worden seien, etwa um Lehrer zu beleidigen, teilte das Ministerium mit.

Tendenziell bewerteten die Referendare die Qualität des Feedbacks von Berufsschülern etwas besser als das der anderen. Das kann dem Bericht zufolge damit zu tun haben, dass an Berufsschulen Rückmeldungen an die Lehrer schon länger üblich sind. Die Auswertung des Feedbacks schätzten die meisten Referendare als »eher aufwendig« ein.

Die Angabe, dass das Feedback zum Erfolg der Lehrkraft bei der Arbeit beiträgt, bewerteten auf einer vierstufigen Skala 54,6 Prozent von 355 Antwortenden mit »trifft eher zu« und 30,7 Prozent mit »trifft genau zu« - der bestmöglichen Antwort. Nur ein Prozentsatz knapp über null gab an, dass dies aus ihrer Sicht nicht zutreffe.

Ihre Bewertungen konnten Schüler zweimal jährlich schriftlich abgeben, unter anderem online auf einer Lernplattform für digitale Elemente im Unterricht. In einer weiteren Phase des Versuchs im Schuljahr 2019/2020 sollen die Teilnehmer ihre Feedback-Methoden nun freiwillig wählen dürfen, wie das Ministerium mitteilte.

Der Vorsitzende des Bayerische Philologenverbands (bpv), Michael Schwägerl, sagte, ihn überrasche es nicht, wenn jüngere Lehrer dankbar für Feedback seien. Dieses sollte aber nicht innerhalb eines Bewertungssystems erfolgen. Der Verband warnte schon zu Beginn des Versuchs davor, dass Lehrer - ebenso wie Schüler - wegen womöglich schlechter Bewertungen Angst bekommen könnten. »Referendare sind auch Lernende«, betonte Schwägerl. Den Referendaren müssten Begleiter zur Seite gestellt werden, denen sie sich unbefangen öffnen könnten - die die Nachwuchskräfte also nicht später beurteilen werden.

Zudem hatte der bpv gemahnt, dass das Feedback wissenschaftlich begleitet werden müsse, um die Referendare nicht alleinzulassen. Dies treffe auf den Modellversuch zu, sagte Schwägerl. »Grundsätzlich unterstützen wir es, eine Feedback-Kultur an den Schulen einzuführen und zu etablieren.«

Digitale Bewertungen von Lehrern haben in der Vergangenheit immer wieder Diskussionen ausgelöst. Im Mittelpunkt stand dabei das Internetportal spickmich.de. Auf der Seite konnten registrierte Schüler ihre Lehrer bewerten - etwa danach, ob sie »fachlich kompetent«, »gut vorbereitet«, »menschlich«, »motiviert« oder gar »cool und witzig« sind. Mehrmals hatten Lehrer erfolglos gegen die Seite geklagt, weil sie ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sahen. Derzeit ist die Plattform nicht in Betrieb.