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Ramsau High Noon

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Das Staub-Aufwirbeln soll bald ein Ende haben.
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Coole Kerle bei der Affenhitze: Bauarbeiter David Karl und Polier Uwe Horstmann von der Firma LKS wissen, wie man trotz der hohen Temperaturen beim Arbeiten einen kühlen Kopf bewahrt. (Fotos: Voss)

Ramsau – Die Mittagssonne brennt vom Himmel. Braun gebrannte Männer stapfen durch Sand und Kies, heller Staub weht ihnen um die Nase, der Schweiß läuft ihnen über die Brust – beobachtet nicht etwa am Strand von Bibione, sondern auf der Kreisverkehrs-Baustelle in Ramsau. Am bis jetzt heißesten Tag des Jahres, bei rund 40 Grad Celsius, schuften Polier Uwe Horstmann und seine 23 Mitarbeiter ohne Unterlass. Hitzefrei? Gibt's nicht. Der »Berchtesgadener Anzeiger« stattete ihnen einen Besuch ab.


Ausgerechnet an diesem Mittwoch steht die Asphaltierung auf dem Plan. »160 Grad von unten, 42 von oben«, sagt Uwe Horstmann. Der 38-jährige Polier der ausführenden Firma LKS geht über den frischen Asphalt. Dieser ist noch heiß. Horstmann und sein Mitarbeiter David Karl tragen, wie die anderen Arbeiter auch, die vorgeschriebenen Stahlkappenschuhe. Jetzt kann man sich vorstellen, wie »angenehm« dies in ihrer Situation ist: »Der Stahl wird von unten wie auch von oben erhitzt. Man muss schon aufpassen, dass man keine Brandblasen bekommt«, erzählt Karl.

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Der Belag einer Hälfte des Kreisverkehrs musste schon gemacht werden, damit in den darauffolgenden Tagen die Autos dort fahren können. Bis jetzt wirbeln diese noch jede Menge Staub auf, und die Engstelle an der Ortseinfahrt Ramsau ist auch schwer zu passieren. Besonders heute, denn zum einen gibt es eine Ampelregelung und zum anderen sorgen einige wenige Motorradfahrer mit ihren unbedachten Überholmanövern an der engsten Stelle für Probleme. Denn wegen ihnen kann ein großer Reisebus nicht vorbei. Uwe Horstmann ist verärgert und deutet hinüber: »Da, genau deswegen kommts da oben zum Stau«, schreit er. Und tatsächlich, die Autos reihen sich binnen einer Minute auf der Alpenstraße bis hinauf zur ersten Kurve – also, so weit das Auge reicht. Macht das Arbeiten am Kreisverkehr auch nicht schöner.

»Ich trink zehn Liter am Tag«

Staub, brütende Hitze, Lärm, schwere Arbeit – Wie halten die Männer das nun alles aus? »Trinken. Ich trink so zehn Liter Leitungswasser vermischt mit Sirup am Tag«, sagt Horstmann. Aber er schwitzt auch alles wieder aus, fügt er lachend hinzu. David Karl hat jetzt, in der halbstündigen Mittagspause, sein T-Shirt ausgezogen. »Man muss sich schon gscheid einschmieren«, sagt der 24-Jährige dazu. Anders als Horstmann trägt er auch weder Sonnenbrille noch Kappe. »Ich vertrag aber die Sonne gut.« Einer der Kollegen, wie Polier Horstmann dann erzählt, erlitt jedoch am Dienstag einen Sonnenstich und musste zum Arzt.

Damit auch immer genügend Flüssigkeit verfügbar ist, haben die Arbeiter eine gemeinsame »Getränke-Kasse«. »Unser Getränke-Kühlschrank steht im Bauwagen, und ich schau auch drauf, dass alle viel trinken«, erklärt der 38-Jährige. In den Kühlschrank passen sieben Kisten, er muss zweimal am Tag neu aufgefüllt werden. Kein Wunder, es ist ja auch viel zu tun auf dem Bau. Am Mittwoch muss noch die neue Verkehrsführung vorbereitet werden. Am Donnerstag sollen noch Fräsarbeiten stattfinden, dafür muss auch noch etwas vorab erledigt werden. »Andere Arbeiter legen außerdem den Kanal«, fügt er noch hinzu.

»Wichtig: Das Wasser nicht über den Kopf gießen«

Uwe Horstmann arbeitet seit 22 Jahren in seinem Job. Wenn man ihn fragt, ob man sich im Laufe der Jahre an die Umstände, wie etwa Hitze, gewöhnt, zuckt er die Schultern und sagt: »Hilft ja nix.« Sie hätten meist nur große Baustellen. Die schlimmste Hitze herrsche immer beim Asphaltieren. »Aber auch, wenn man nur auf einer Straße arbeitet«, wirft sein Kollege ein. Der normale Asphalt heize sich in der Sonne schon mal auf 70 Grad auf, weiß David Karl. Die Stimmung ist auf jeden Fall gut. Beide Arbeiter machen trotz der Temperaturen einen coolen Eindruck. Dann hat der Polier noch einen wertvollen Tipp für alle: »Das Wichtigste ist, dass man sich das Wasser nicht über den Kopf gießt, sondern wenn, dann hinten ins Kreuz.« Sonst erhitze sich der Kopf nur noch mehr.

Um 17 Uhr ist Feierabend. Sowohl Horstmann als auch Karl genehmigen sich anschließend ein erfrischendes Bad im »Aschi«, verraten sie. In diesem Moment kommt jemand vom Bauwagen aus die Straße herauf. Es ist ein Kollege, der Eis am Stiel dabei hat. Die beiden stürzen sich freudig drauf. Echte Männer brauchen für so ein Eis natürlich nur Sekunden. Trotzdem macht es diesen Mittwoch etwas erträglicher. Annabelle Voss