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Wieder Forderung nach Opferfonds zu Oktoberfestattentat

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Politiker, Opfervertreter und Überlebende des Oktoberfestattentats sind sich einig: Auch nach der Einstellung der Ermittlungen dürfen die Opfer nicht vergessen werden - es geht auch um finanzielle Unterstützung.


München (dpa/lby) - Nach der Einstellung der neuen Ermittlungen zum Oktoberfestattentat von 1980 wird erneut der Ruf nach einem Opferfonds laut. »Die Opfer leiden nach wie vor seelisch unter dem schrecklichen Ereignis, auch viele Existenzen sind durch den Anschlag zerstört worden«, sagte der Rechtsextremismusexperte der SPD im Landtag, Florian Ritter, am Mittwoch. »Dass die Tat politisch motivierter, rechtsextremer Terror war, hat die Bundesanwaltschaft nun nach fast vier Jahrzehnten offiziell bestätigt.« Frühere Staatsregierungen hatten das bestritten. Die aktuelle Staatsregierung »täte also gut daran, jetzt ein Zeichen zu setzen«.

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Auch der Opferanwalt Werner Dietrich, der die neuen Ermittlungen 2014 in Gang gebracht hatte, sowie der Überlebende Robert Höckmayr forderten einen Opferfonds. »Durch die Einstufung der Tat als rechtsextremistisch sehe ich auch bessere Chancen für eine angemessene Opferentschädigung«, sagte Dietrich der Deutschen Presse-Agentur. Er habe erst vor kurzem an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) geschrieben und sie aufgerufen, sich »angemessen und zeitnah« mit namhaften Beträgen an einem Fonds zu beteiligen.

Der Überlebende Höckmayr erneuerte seine Forderung nach einem gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Fonds für derartige Attentate. »Es wird nicht das letzte Attentat bleiben«, sagte der 51-Jährige. Viele Opfer hätten zeitlebens mit den Folgen zu kämpfen und erhöhte Kosten zu stemmen - etwa für Hilfsmittel wie einen Rollstuhl. Höckmayr hatte als Zwölfjähriger die Bombenexplosion am 26. September 1980 schwer verletzt überlebt. Er selbst habe zwei Jahrzehnte lang keine Leistungen erhalten, sagt er. Insgesamt starben 13 Menschen, unter ihnen der rechtsextreme Attentäter Gundolf Köhler. Mehr als 200 wurden schwer verletzt.

Münchens OB Reiter bedauerte die Einstellung der Ermittlungen. »Die Gründe hierfür liegen sicher insbesondere in den massiven Verfehlungen und Versäumnissen der ursprünglichen Ermittlungen unmittelbar nach der Tat«, sagte er. Dennoch sei es wichtig, dass die Tat nun endlich offiziell als rechtsextremer Terrorakt benannt werde. »Die Einschätzung der Bundesanwaltschaft sollte auch die Grundlage dafür sein, dass die Angehörigen und Betroffenen eine längst überfällige Entschädigung aus den Fonds des Bundesamts für Justiz für Opfer terroristischer beziehungsweise rechtsextremistischer Straftaten erhalten.«

Das Ergebnis der fünfeinhalbjährigen neuen Ermittlungen, die keine konkreten und strafrechtlich relevanten Hinweise auf Hintermänner oder Komplizen erbrachten, überrascht Höckmayr nicht. Er habe nicht erwartet, dass Mittäter gefunden werden könnten. »Es sind ja alle Beweismittel vernichtet worden«, sagte er. Dass der Anschlag politisch motiviert war, sei für ihn schon als Kind klar gewesen. Allerdings sei es ein Schritt in die richtige Richtung, dass nun auch seitens der Ermittler die rechtsextremistische Motivation ausdrücklich festgestellt worden sei.

Höckmayr wurde 42 Mal operiert und hat bis heute Splitter im Körper. Zwei kleine Geschwister starben damals vor seinen Augen. Die Eltern und zwei weitere Geschwister überlebten - die Schwester und der Bruder hätten jedoch die Folgen des Attentats nicht verarbeiten können und sich umgebracht.

Mitteilung GBA


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