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Nachholbedarf: Kirche fördert Frauen in der Verwaltung

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Kirchenkreuz
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Das Kreuz einer Kirche ist vor bewölktem Himmel zu sehen. Foto: Nicolas Armer/Archivbild Foto: dpa

Frauen als Priesterinnen lehnt die katholische Kirche immer noch ab - doch in der Verwaltung kommt sie an ihnen nicht mehr vorbei. Bayerns Bischöfe machen aus der Not eine Tugend.


Würzburg/München (dpa/lby) - Die katholische Kirche in Bayern setzt in Zeiten des Priestermangels zunehmend auf Frauen in der Kirchenverwaltung. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Bistümern im Freistaat ergeben. Das Bistum Würzburg will Frauen in Führungspositionen systematisch fördern. An Fortbildungen für künftige Führungskräfte nahmen nach Angaben von Generalvikar Thomas Keßler in den vergangenen fünf Jahren 58 Frauen teil und nur 40 Männer. Das sei wichtig, weil das Bistum da »großen Nachholbedarf« habe. Künftig sollen seiner Ansicht nach deutlich mehr Frauen als Abteilungsleiterinnen im Bischöflichen Ordinariat eingesetzt werden.

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Das Erzbistum München und Freising sucht derzeit nach einer neuen Verwaltungsspitze und betont ausdrücklich, dass es sich dabei durchaus um eine Amtschefin handeln darf. Auch der Posten an der Spitze der Verwaltung des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt soll nach Angaben eines Sprechers »idealerweise mit einer Frau« besetzt werden.

Das Münchner Bistum setzt Frauen inzwischen auch in Leitungsteams von Pfarrgemeinden ein - so derzeit im Pfarrverband Geisenhausen bei Landshut, der drei Pfarreien umfasst. »Alle Mitglieder sind gleichberechtigt, bei Abstimmungen entscheidet die Mehrheit«, teilte das Bistum mit. Es sei ein »Pilotprojekt«, sagte ein Bistumssprecher. Weitere Gemeinden sollen folgen.

Auch in Bamberg sei es »grundsätzlich (...) das erklärte Ziel der Bistumsleitung, die Zahl von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen«, sagte ein Sprecher. Das Ordinariat beteilige sich seit einigen Jahren an einem bundesweiten Mentoringprogramm, mit dem Frauen gezielt für Führungsaufgaben qualifiziert werden. »Hier ist noch einiges zu tun«, sagte ein Sprecher.

Inzwischen gibt es allerdings schon gemischte »Pastoralteams« aus Priestern, Diakonen sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten oder -Referentinnen. »An der Spitze dieses Teams steht bei uns immer ein Leitender Pfarrer«, sagte ein Sprecher. »Die Leitung einer Pfarrei durch eine Frau in diesem Sinn gibt es bei uns also nicht.« Auch im Bistum Regensburg werden »die Pfarreien von Priestern geleitet«, wie ein Bistumssprecher betonte.

Diesen Sonderfall gibt es derzeit im Bistum Rottenburg-Stuttgart und bald auch im niedersächsischen Bistum Osnabrück, wo Frauen als alleinige Gemeinde-Chefinnen eingesetzt werden. In Bayern kommt das derzeit allerdings nicht vor.

»Was die Leitung von Pfarrgemeinden betrifft, so sind wir an die Vorgaben des Kirchenrechts gebunden, die dies nur in Ausnahmefällen vorsehen«, erläutert ein Sprecher des Bistums Augsburg. »Deshalb gab oder gibt es diesen Fall in unserer Diözese bislang noch nicht.« Es sei dem Bistum aber »ein wichtiges Anliegen, dass Mitarbeiterinnen gefördert und für Leitungspositionen geschult werden, und zwar sowohl im Bereich der Verwaltung als auch auf pastoraler Ebene«. Gerda Riedel, Hauptabteilungsleiterin im Bischöflichen Ordinariat Augsburg, schrieb in einer Broschüre zur Emeritierung des Diözesanbischofs Konrad Zdarsa: »Was das Bistum Augsburg tun kann, das versucht es zu tun.«

Der Passauer Bischof Stefan Oster hat nach Angaben einer Sprecherin seit Amtsantritt »mehrere Frauen mit Leitungsfunktionen betraut«. Im Ordinariatsrat seien zwei Frauen vertreten - von insgesamt neun Mitgliedern. »Es ist mir ein großes Anliegen, auch bei uns im Bistum Passau Frauen in leitende Positionen zu bringen«, betonte Oster. »Wir brauchen Frauen und deren Genius - wie es Papst Franziskus formuliert hat - auch an den Stellen, an denen wichtige Entscheidungen getroffen werden.«