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Kardinal Marx löst Katholische Integrierte Gemeinde auf

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Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising
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Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, spricht zu Journalisten. Foto: Andreas Arnold/dpa/Archivbild Foto: dpa

Die Katholische Integrierte Gemeinde ist seit Längerem umstritten, Kritiker werfen ihr unter anderem sektenartiges Verhalten vor. Nun hat der Erzbischof von München und Freising den Verein aufgelöst.


München (dpa/lby) - Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat den umstrittenen Verein Katholische Integrierte Gemeinde (KIG) in der Erzdiözese aufgelöst. Das teilte ein Sprecher am Freitag mit. Der 1986 errichtete Verein besaß nach den der Erzdiözese vorliegenden Angaben zuletzt weder Leitungsorgane noch Mitglieder.

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Marx hatte im Februar 2019 eine Überprüfung der KIG in Auftrag gegeben. Ihren Bericht haben die Visitatoren nun veröffentlicht. Sie berufen sich unter anderem auf Gespräche mit ehemaligen KIG-Angehörigen. Die Erzdiözese prüft den Angaben nach weitere Schritte zur Aufarbeitung der Geschichte und Arbeit der KIG.

Zu den Hauptproblemen des Vereines gehört dem Bericht nach »ein sehr ausgeprägtes Sendungs- und Erwählungsbewusstsein, das schließlich kaum noch Raum lässt für andere Verwirklichungen christlicher Existenz«. Der Verein beanspruche eine exklusive Identifizierung mit der urchristlichen Gemeinde und sehe nur in der KIG wahres Christentum verwirklicht.

Von den Mitglieder ist dem Bericht nach eine »Ganzhingabe« gefordert worden. Sie hätten Entscheidungen durch die Gemeinde hinnehmen müssen - von der Partner-, Wohnort- und Berufswahl über Kinderwunsch und die Kindererziehung bis hin zu Finanzfragen. Die Visitatoren bescheinigen der KIG zudem undurchsichtiges wirtschaftliches Handeln und ein zwiespältiges Verhältnis zur Kirchenleitung.

Marx äußerte Verständnis für Menschen, die sich von dem Verein enttäuscht fühlten: »Ich bedaure sehr, dass ehemalige Mitglieder in der Auseinandersetzung mit der Katholischen Integrierten Gemeinde Leid erfahren mussten und die Verantwortlichen sich gegenüber den Visitatoren nicht als kooperationsbereit erwiesen haben.«

Erst kürzlich distanzierte sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. erstmals von der Katholischen Integrierten Gemeinde. »Offensichtlich wurde ich über manches im Innenleben der IG nicht informiert oder gar getäuscht, was ich bedaure«, hatte Benedikt der »Herder Korrespondenz« (November-Ausgabe) in Freiburg mitgeteilt.

Er habe die Gruppierung zu seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising kirchlich anerkannt, weil er sie zur Rechtgläubigkeit habe begleiten wollen, so der frühere Papst. »Dass bei dem Versuch, die Dinge des täglichen Lebens integral vom Glauben her zu gestalten, dabei auch schreckliche Entstellungen des Glaubens möglich waren, ist mir zunächst nicht bewusst geworden.« Er bedaure zutiefst, dass so der Eindruck entstehen habe können, alle Aktivitäten der Gemeinde seien vom Erzbischof gebilligt.

Bericht der Visitatoren


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