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Immer weniger Schüler im Religionsunterricht

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Stundenplan an einer Tafel
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Eine Lehrerin schreibt mit Kreide einen Stundenplan mit Religionsunterricht an eine Tafel. Foto: Friso Gentsch/Archivbild Foto: dpa

Der Mitgliederschwund in der katholischen und evangelischen Kirche macht auch vor den Schulen nicht Halt - mit deutlichen Auswirkungen auf den Religionsunterricht im Freistaat.


München (dpa/lby) - Immer weniger Schüler in Bayern besuchen den Religionsunterricht. Nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums nahmen im gerade abgelaufenen Schuljahr 75 Prozent der 1,25 Millionen Schüler daran teil. Das sind elf Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Damals, im Schuljahr 2008/2009, lag der Anteil noch bei 86 Prozent. Auch die Zahl der Religionslehrer sank im gleichen Zeitraum von 20 700 auf 18 700.

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Die Gründe liegen auf der Hand: Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche kämpfen seit Jahren mit sinkenden Mitgliederzahlen. Die katholische Kirche muss besonders seit Bekanntwerden des erschütternden Missbrauchsskandals mit zahlreichen Austritten zurechtkommen.

Mehr als 64 000 Katholiken in Bayern kehrten ihrer Kirche allein im vergangenen Jahr den Rücken, wie aus Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hervorgeht. Die Zahl der Kirchenaustritte im bevölkerungsreichen Freistaat war damit 2018 die höchste aller Bundesländer - und lag noch deutlich über den Austritten im Jahr 2017. Aus der evangelischen Kirche traten im vergangenen Jahr nach Angaben der Landeskirche knapp 28 000 Menschen in Bayern aus.

Diese Entwicklung zeigt sich auch an den Schulen. Im Schuljahr 2008/2009 waren nach Angaben des Kultusministeriums noch rund 843 000 Schüler an allgemeinbildenden Schulen katholisch, 333 000 evangelisch, 87 000 waren Muslime und 16 000 orthodox. Rund 122 000 der insgesamt 1,42 Millionen Schüler gehörten damals keiner Religionsgemeinschaft an.

2018/2019 gab es insgesamt etwas weniger Schüler in Bayern - und davon waren nur noch rund 621 000 katholisch und 258 000 evangelisch. Zuwachs gab es bei den Muslimen (119 000) und den Orthodoxen (36 000). 188 000 der insgesamt 1,25 Millionen Schüler gehörten keiner Religion an - dennoch nahmen 60 000 von ihnen an einem Religionsunterricht teil, wie das Kultusministerium mitteilte.

Rund 16 000 Schüler nahmen übrigens im vergangenen Schuljahr am Islamunterricht teil, der allerdings in Bayern - anders als der katholische und evangelische - kein konfessioneller Religionsunterricht im Sinne von Artikel 7 des Grundgesetzes ist. Er sei eine »weltanschaulich-religiös neutrale Islamkunde kombiniert mit Werteerziehung«, wie eine Sprecherin des Kultusministeriums erklärte.