Hoeneß sprachlos: Bayern-Versammlung endet im Tumult

Uli Hoeneß
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Uli Hoeneß, damaliger Präsident vom FC Bayern München, spricht. Foto: Sven Hoppe/dpa Foto: dpa

Buhrufe, Pfiffe und sogar lautstarke »Hainer raus«-Rufe sorgen für ein beispielloses Ende der Mitgliederversammlung des FC Bayern. Das Thema Katar spaltet. Der Ehrenpräsident geht sichtlich verstört.


München (dpa) - Ein entsetzter Uli Hoeneß stand schon am Rednerpult. Doch der Ehrenpräsident, der die in einem beispiellosen Chaos endende Jahreshauptversammlung des FC Bayern München über Stunden wenige Sitzplätze neben dem ebenfalls ausharrenden Trainer Julian Nagelsmann schweigend verfolgt hatte, verließ das Podium nach kurzer Zeit doch wortlos. Der Aufruhr einer Fan-Opposition mit Pfiffen und Buhrufen gegen die Bayern-Bosse mit Präsident Herbert Hainer als zentraler Reizfigur war rund um das Streitthema Katar-Sponsoring eskaliert.

Lautstarke »Hainer raus, Hainer raus«-Rufe hallten um Mitternacht durch den Audi Dome, weil der Präsident am Donnerstagabend nach fünf Stunden Versammlung um Mitternacht die Wortbeiträge abrupt stoppte. Ein ausgebremstes Mitglied stellte sich prompt auf einen Stuhl und hielt seine Rede einfach ohne Mikrofon. Es waren bizarre Szenen, die sich in der Spielstätte der Münchner Basketballer abspielten.

»Wir sind Bayern - und ihr nicht«, riefen die empörten Mitglieder - und auch: »Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt.« Der verstörte und fassungslose Hoeneß sagte dem »Kicker« bei seinem Abgang vom Versammlungsort: »Darüber muss ich erst einmal schlafen. Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je beim FC Bayern erlebt habe.«

Sie war definitiv einzigartig. Lange lief es wie gewohnt, durchaus harmonisch, auch wenn Corona den Rekordmeister gerade sportlich in der vierten Welle und seit dem Frühjahr 2020 ausdauernd finanziell belastet. Oliver Kahn hielt seine erste Rede als Vorstandschef und Nachfolger von Karl-Heinz Rummenigge. Er warnte vor »unbegrenzten« Investoren-Geldern bei einigen Clubs in Europa und sprach von dem »fundamentalsten Wandel«, den der Fußball gerade erlebe.

Spätestens beim Tagesordnungspunkt Anträge kochte die Stimmung hoch. Ein Spontanantrag des Mitglieds Michael Ott, über die Beendigung der Partnerschaft mit Qatar Airways nach Vertragsende 2023 abzustimmen, wurde von Vizepräsident Dieter Mayer mit Verweis auf eine am selben Tag vom Münchner Landgericht getroffene Entscheidung abgeschmettert.

Auch Otts Antrag, dass der Verein weiter 75 Prozent der Anteile an der FC Bayern AG halten soll und nicht noch fünf Prozent veräußern könnte, verfehlte die erforderliche Dreiviertelmehrheit.

Wegen der verschärften Corona-Regeln waren nur knapp 800 Mitglieder anwesend, darunter augenscheinlich viele Hardliner. Das Plenum repräsentierte vermutlich nicht die mehr als 290.000 Mitglieder. Es gebe noch keine Entscheidung zur Zukunft des Katar-Sponsorings, sagte Hainer. »Wir werden den Vertrag erfüllen«, sagte er aber zur laufenden Geschäftsbeziehung mit Katars Fluglinie.

Man habe »klare Kriterien, an denen wir Partnerschaften ausrichten«, sagte Kahn ruhig. Der Vorstandschef warb bei der Menschenrechtsfrage im Gastgeberland der Fußball-WM 2022 für den Dialog. Das sei besser als ausgrenzen und ausschließen. Von einer heilen Bayern-Welt konnte am Ende einer denkwürdigen Mitgliederversammlung niemand mehr reden.

© dpa-infocom, dpa:211126-99-148431/3

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