Herrmann ruft Einwanderer zu Corona-Impfung auf

Joachim Herrmann (CSU)
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Joachim Herrmann (CSU), Innenminister von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild Foto: dpa

Impfgegner und Coronaleugner gibt es nicht nur in der alteingesessenen Bevölkerung, sondern auch unter Zuwanderern. Das macht der Politik Sorgen.


München (dpa/lby) - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ruft Einwanderer und Asylbewerber zur Coronaimpfung auf. »Derzeit häufen sich die Meldungen, dass insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund einer Corona-Impfung immer noch skeptisch gegenüber stehen«, sagte Herrmann der Deutschen Presse-Agentur in München. Darüber habe man sich auch auf der jüngsten Integrationsministerkonferenz ausgetauscht. SPD-Landeschef Florian von Brunn forderte die Staatsregierung auf, dem Appell Taten Folgen zu lassen und die Test- und Impfangebote zu verbessern.

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Nach Einschätzung Herrmanns beruhen Vorbehalte gegen das Impfen unter Einwanderern sowohl auf Sprachbarrieren als auch auch auf Gerüchten und Verschwörungstheorien. »Diese sind grober Unfug und schüren lediglich unberechtigt Ängste«, sagte Herrmann. »So gibt es weder Belege für die Behauptung, dass die Impfungen zur Unfruchtbarkeit führen, noch hat eine Impfung Auswirkungen auf den Aufenthaltsstatus.

Herrmann betonte: »Ich appelliere daher nachdrücklich an alle unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger mit Migrationshintergrund zum Schutz Ihrer Gesundheit und der Gesundheit von uns allen: Nehmen Sie das Impfangebot wahr und lassen Sie sich impfen.« Und er rufe dazu auch ausdrücklich alle Asylbewerberinnen und Asylbewerber auf, fügte der Minister hinzu.

»Lassen Sie sich nicht von Fake-News verunsichern«, sagte Herrmann. »Die zugelassenen Impfstoffe sind sicher und wirksam.« Ausländer-, Migrations- und Integrationsbeiräte sowie Migrantenorganisationen rief er auf, die Menschen weiter ausführlich zu beraten und zu informieren. »Wir können das Coronavirus nur gemeinsam besiegen.«

Dazu sagte SPD-Landeschef von Brunn: »Herrmann versucht jetzt die Verantwortung an die Betroffenen abzuschieben.« Die Regierung Söder habe bisher nichts dagegen getan, dass Covid-19 ärmere Menschen und Geflüchtete besonders hart treffe. »Statt schlauer Ratschläge ist ein Programm für sozial Benachteiligte überfällig, egal ob Asylbewerber oder prekär Beschäftigte mit schlechten Arbeitsbedingungen.«

Der SPD-Politiker monierte unter anderem, dass die Webseiten des Impfzentrums Bayern nur auf Deutsch verfügbar seien. Notwendig sei viel mehr »niederschwellige zielgruppengerechte Aufklärung« in der Muttersprache, zum Beispiel über Social Media. »Außerdem muss es sehr schnell mehr Tests und Impfangebote in besonders betroffenen Betrieben und Gemeinschaftsunterkünften geben - für Geflüchtete genauso wie für Bau- und Saisonarbeiter.«

© dpa-infocom, dpa:210502-99-437096/2


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