2800 verletzte Polizisten: Gewalt gegen Einsatzkräfte steigt

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Polizist in Uniform. Foto: Jens Büttner/zb/dpa/Archivbild Foto: dpa

Auch 2020 gab es im Freistaat wieder mehr Angriffe auf Polizeikräfte. Die Zahlen steigen seit Jahren. Aber auch Corona könnte dazu beigetragen haben.


Nürnberg (dpa/lby) - Corona-Demos, illegale Partys, Kontrollen wegen Maskenpflicht - und anscheinend viel Aggression und Frust: Die Zahl der Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten ist 2020 erneut gestiegen. Die Corona-Krise könnte dabei eine Rolle gespielt haben, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in Nürnberg. Es gebe aber bereits seit Jahren eine steigende Tendenz bei der Gewalt gegen Polizeikräfte.

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Fast 8600 Fälle von körperlicher und verbaler Gewalt gegen Polizeibeamte registrierte das bayerische Innenministerium im vergangenen Jahr - und damit fast 8 Prozent mehr als 2019. »Das ist leider abermals ein neuer Höchststand«, sagte Herrmann. Mehr als die Hälfte davon waren gewalttätige Übergriffe. Dabei wurden über 2800 Polizistinnen und Polizisten verletzt, gut 200 mehr als 2019.

Einer von ihnen ist der Nürnberger Polizist Marc Hoffmann, den ein Besucher einer Spielothek im vergangenen Jahr zwei blutende Bisswunden in den Unterarm zufügte. »Er konnte sich immer wieder festbeißen«, berichtete der 23-Jährige. Erst als eine zweite Streife zur Verstärkung kam, konnten die Beamten den Angreifer überwältigen.

In anderen Fällen wurden Polizistinnen und Polizisten nach Angaben des Ministeriums mit scharfen Schusswaffen, Stichwaffen, Pyrotechnik, Reizgas und sogar Kraftfahrzeugen angegriffen. In sechs Fällen wurden die Beamten Opfer eines versuchten Tötungsdelikts, eine Verdopplung zu 2019.

»Die Hemmschwelle wird immer niedriger«, hat Nürnbergs Polizeipräsident Roman Fertinger festgestellt. Auffallend sei im vergangenen Jahr vor allem gewesen, dass die gewalttätigen Übergriffe auf Polizistinnen und Polizisten in privaten Räumen zugenommen hätten. Der Grund: In der Corona-Pandemie habe es mehr Einsätze wegen illegaler Partys gegeben, bei denen die Gäste Alkohol getrunken oder Drogen genommen hätten. Dadurch sei es für die Kolleginnen und Kollegen oft schwierig gewesen, die Lage zu beruhigen.

»Dass die Zahlen der Angriffe gestiegen sind, ist keine Überraschung, aber eine angespannte Situation für alle durch die Pandemie darf keine Entschuldigung für Gewalt sein«, sagte der innenpolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Schuster. Der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Jürgen Köhnlein, sagte mit Blick auf die Zahlen: »Dass mittlerweile jede zweite Einsatzkraft der bayerischen Polizei einmal im Jahr diese Gewalterfahrungen machen muss, ist nicht hinnehmbar.«

Besonders schwere Angriffe auf Einsatzkräfte werden in Bayern nach Angaben des Justizministeriums seit Ende des Jahres flächendeckend schneller geahndet. Ermittler behandeln diese Gewalttaten bevorzugt, so dass diese zügiger vor Gericht gebracht werden können. Die Strafe solle der Tat auf dem Fuße folgen, sagte Justizminister Georg Eisenreich. Auch die Strafen seien inzwischen härter.

© dpa-infocom, dpa:210517-99-629985/4

Pressematerial zur Pk ab 15.00 Uhr


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