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Ex-Papst Benedikt: »Man will meine Stimme ausschalten«

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Ex-Papst Benedikt XVI.
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Der emeritierte Papst Benedikt XVI. bei einer Veranstaltung. Foto: picture alliance/Lena Klimkeit/dpa/Archivbild Foto: dpa

Kritiker werfen dem emeritierten Papst Benedikt XVI. vor, als »Schattenpapst« zu fungieren und sich in aktuelle, kirchenpolitische Themen einzumischen. In einer gerade erschienenen Biografie gibt der Ex-Papst seinen Kritikern nun Kontra.


München (dpa) - Der emeritierte Papst Benedikt XVI. sieht sich als Opfer einer »bösartigen Verzerrung der Wirklichkeit«. »Der Spektakel an Reaktionen, der hernach von der deutschen Theologie kam, ist so töricht und so bösartig, dass man lieber nicht davon spricht. Die eigentlichen Gründe dafür, dass man einfach meine Stimme ausschalten will, möchte ich nicht analysieren«, sagt er in der neuen Biografie »Benedikt XVI.- Ein Leben« mit Blick auf Reaktionen auf seinen Beitrag über das Verhältnis von Christentum und Judentum für die theologische Zeitschrift »Communio« im Jahr 2018.

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Die Biografie von Autor Peter Seewald kam am Montag auf den Markt. Kritiker werfen Benedikt, der von 2005 bis 2013 Papst war, vor, sich seit seinem Rücktritt wie eine Art »Schattenpapst« zu verhalten. Besonders laut wurde diese Kritik, als im vergangenen Jahr ein Beitrag von ihm in einem Buch von Kardinal Robert Sarah über den Zölibat erschien.

Zu den Kritikern gehört auch die katholische Reformbewegung »Wir sind Kirche«. »Angesichts seiner äußerst zahlreichen Veröffentlichungen vor, während und auch nach seiner Amtszeit als Papst kann doch davon, dass man die Stimme Joseph Ratzingers ausschalten wolle, keine Rede sein«, sagte ihr Sprecher Christian Weisner am Montag. »Viele irritiert jedoch, und ich denke zu Recht, dass er trotz der damaligen Ankündigung, »verborgen vor der Welt zu leben«, sich auch nach seinem Rücktritt immer wieder zu aktuellen Debatten zu Wort meldete.« Dabei sei allerdings schwer zu beurteilen, »ob dies alles nun noch sein eigener Wille ist oder ob er von ihm nahe stehenden Personen instrumentalisiert wird«.

Der frühere Kardinal Ratzinger betont in der neuen Biografie: »Die Behauptung, dass ich mich regelmäßig in öffentliche Debatten einmische, ist eine bösartige Verzerrung der Wirklichkeit.« Der heute 93 Jahre alte Papst Benedikt hat nach eigenen Angaben eine sehr gute Beziehung zu seinem Nachfolger Franziskus. »Wie Sie wissen, ist die persönliche Freundschaft mit Papst Franziskus nicht nur geblieben, sondern gewachsen.«

Kritik äußerte »Wir sind Kirche« auch daran, dass Ratzinger in der Biografie einen Zusammenhang zwischen dem Antichristen und der Homo-Ehe herstellt. »Wenn Joseph Ratzinger jetzt eine antichristliche gesellschaftliche Exkommunikation derjenigen sieht, die sich beispielsweise gegen Homosexualität und Abtreibung positionieren, so mag das seine Wahrnehmung sein«, sagte Weisner. »In der Realität ist dagegen doch ein zunehmend militanter und sich christlich nennender Fundamentalismus in evangelikalen wie auch katholischen Kreisen auf Weltebene festzustellen.«

Der emeritierte Papst äußert sich in dem Buch so: »Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen. Heute ist gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstellt. Ähnliches gilt bei Abtreibung und für die Herstellung von Menschen im Labor.«

Die moderne Gesellschaft sei dabei, »ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird. Die Furcht vor dieser geistigen Macht des Antichrist ist dann nur allzu natürlich.« Nach Ansicht Ratzingers liegt »die eigentliche Bedrohung der Kirche« in einer »weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien«.


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