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Essen in der Kita: Worauf Eltern und Kitas achten sollten

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Die Kinder einer Kita essen Kartoffelsuppe zu Mittag. Foto: Georg Wendt/Archivbild Foto: dpa

Die Ernährung in Kitas und Schulen soll gesund sein - viel Gemüse und Obst. Aber wie gefährlich sind mitgebrachte Speisen? Ein Verbot in Schwaben wirft Fragen auf.


Bissingen/Berlin (dpa/lby) - In einem schwäbischen Kindergarten dürfen Kinder keinen selbst gebackenen Geburtstagskuchen mitbringen - aus Angst vor Hygienemängeln. Die Leiterin der Kita in Bissingen (Kreis Dillingen) hatte die Eltern per Brief darüber informiert, dass sie ihren Kindern keine Speisen mehr mitgeben sollten. Eine Bürgerbewegung will Unterschriften gegen das Verbot sammeln. Der Kita-Leiterin zufolge sollte am Mittwochnachmittag ein klärendes Elterngespräch stattfinden. In Kitas fehle oft hauswirtschaftliches Wissen, was zur Übervorsicht führe, sagt die Leiterin des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule (NQZ) in Berlin, Anke Oepping. »Da wird der Zaun oft sehr eng gezogen.«

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Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit Sitz in Erlangen rät, sich bei Lebensmitteln an sieben Regeln zu halten, darunter vor allem gute Kühlung. Speziell für Mitbringsel in den Kindergarten können sich Eltern an Empfehlungen für Vereinsfeste orientieren. Das Bundeszentrum für Ernährung (BZE) empfiehlt zum Beispiel, kein Sushi oder andere Speisen mit rohem Fisch, rohem Fleisch oder rohen Eiern (etwa Tiramisu) mitzubringen. Durchgebackene Kuchen seien hingegen durchaus geeignet. Allergene wie Gluten müssen Eltern übrigens nicht angeben. Nur professionelle Lebensmittelhersteller müssen die Waren laut LGL kennzeichnen.

Anke Oepping vom NQZ glaubt, dass Erzieher und Kita-Leitungen mit dem Risikomanagement bei der Ernährung oft alleine gelassen werden. »In der Ausbildung der Erzieher, Kinderpfleger und Kita-Leiter finden Ernährungsthemen zu selten statt«, sagt sie. Bei Fragen könnten sich Kita-Mitarbeiter aber an die Vernetzungsstellen Kita- und Schulverpflegung wenden, von denen es in Bayern acht gibt.

Bedenken und Ängste haben laut Oepping auch bei den Kita-Trägern zugenommen. Oepping berichtet von einer Kita, in der Erzieher für jedes Rezept eine Risikoanalyse erstellen müssten. Etwa um zu dokumentieren, ob sie bei einer Tomatensuppe mit frischen Tomaten oder Dosentomaten arbeiten. Auch bei selbstgezüchteten Kräutern herrsche Verunsicherung. »Wenn Kinder erleben, dass sie Selbstgepflanztes nicht verkochen dürfen, ist das pädagogisch schwierig«, meint Oepping. Vielleicht lernten sie daraus, dass Selbstkochen risikoreicher sei als ein Essen im Schnellrestaurant.

Die Reaktionen auf das Mitbringverbot in Bissingen in den sozialen Medien spiegeln zumeist Überraschung wider. Eine Frau kommentierte aber bei Facebook, dass es aus einem ganz anderen Grund durchaus sinnvoll sein könne, wenn Eltern nichts mehr zum Geburtstag kochen und backen dürfen: Dann gerieten sie nicht mehr in Versuchung, sich gegenseitig überbieten zu wollen.

- Facebook-Beitrag von "Bürger wählen Bürger"

- Leitfaden für den sicheren Umgang mit Lebensmitteln - Für ehrenamtliche Helfer bei Vereinsfesten und ähnlichen Veranstaltungen

- Bundesernährungsministerium über gesunde Ernährung in der Kita

- Empfehlung "Feste sicher feiern" des Bundeszentrums für Ernährung

- LGL über routinemäßige Hygienemaßnahmen in Kitas

- LGL über sicheren Umgang mit Lebensmitteln

- NQZ-Vernetzungsstellen für Kitaverpflegung

- Regionale Vernetzungsstellen Kitaverpflegung in Bayern