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Erdbebenmessungen wegen Corona-Ruhe auf der Zugspitze

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Zugspitze
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Schnee liegt am Gipfel der Zugspitze. Foto: Angelika Warmuth/dpa/Archivbild Foto: dpa

Grainau (dpa/lby) - Die Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise sorgen für mehr Ruhe in der Erde. Damit seien genauere Erdbebenmessungen möglich, berichteten Geophysiker der Ludwig-Maximilians-Universität München am Montag. Sie betreiben seit 2006 ein Seismometer an der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf 2650 Metern Höhe knapp unterhalb des Zugspitzgipfels bei Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Der Shutdown führe zu mehr Ruhe im Berg. Dadurch würden kleinere Erdbebensignale in den Messungen sichtbar.


»Kleinere Beben mit geringen Ausschlägen lassen sich häufig gar nicht richtig erkennen, da sie im Rauschen der alltäglichen Störungen durch Verkehr und Industrie verschwinden«, teilten die Forscher mit. Durch die Verringerung dieser Faktoren würden solche Mikrobeben nun viel besser sichtbar. »Eine derartige Verringerung des »Unruheniveaus« ist derzeit bei vielen Stationen weltweit zu verzeichnen.«

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Allerdings sei die Veränderung stark davon abhängig, ob die Station an einem ohnehin ruhigen Standort installiert sei oder nicht. Gerade auf der Zugspitze mit zu normalen Zeiten täglich knapp 2000 Besuchern sei dieser Unterschied sehr deutlich zu sehen.

Im nächsten Jahr brauchen die Forscher für ein Experiment mit einer Reihe von neuen Sensoren dann allerdings wieder die übliche Betriebsamkeit. Sie wollen Änderungen im Permafrostboden beobachten. Dabei werde die Unruhe im Boden als Signalquelle benutzt, um die zeitlichen Veränderungen der Schwingungsausbreitung zu verfolgen, berichtete der am Schneefernerhaus tätige Wissenschaftler Joachim Wassermann. »Hierfür könnten wir dann einen Lockdown überhaupt nicht gebrauchen, da wir auf die menschlich gemachte Bodenunruhe angewiesen sind.«

Schneefernerhaus


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