Dichtmachen oder weiterspielen? Corona-Drama der Theater

Theater in Bayern dürfen wegen der Corona-Pandemie nur ein Viertel der Zuschauer einlassen. Dramatisch, vor allem für Häuser, die ohnehin nur Platz für 60 oder 100 Leute haben. Wie gehen diese Theater damit um?


München (dpa/lby) - Die freie Theaterszene treffen die verschärften Corona-Maßnahmen in Bayern besonders hart - vor allem die Regel, dass nur noch ein Viertel der Zuschauer kommen dürfen. Für kleinere Häuser sei das wirtschaftlich nicht tragbar, sagte Daniela Aue vom Verband Freie Darstellende Künste Bayern (VFDKB) der Deutschen Presse-Agentur in München. »Für die kommt diese Regelung einem Quasi-Lockdown gleich.« Sie geht davon aus, dass so manche Theater deshalb bis Mitte Dezember erst mal pausieren. Eine Konsequenz, die manche tatsächlich ziehen - weil es sich nicht rechnet oder weil sie zur Eindämmung der Pandemie beitragen wollen. Und das, obwohl viele noch mit den Folgen der monatelangen Schließungen im zurückliegenden Lockdown zu kämpfen haben.

Das Metropoltheater in München schließt angesichts der derzeitigen Lage bis zum 15. Dezember lieber gleich. »Ich bin mit Leidenschaft Theatermacher«, sagt Intendant Jochen Schölch. Aber: »Es gibt etwas, was wichtiger ist und das ist die Akutversorgung von todkranken Menschen.« Sein Theater sei zwar klein. Aber jede Maßnahme, die helfe, Kontakte zu vermeiden, sei gut.

Auch das Theater Ansbach - Kultur am Schloss unterbricht den Spielbetrieb bis zum 19. Dezember und schickt Mitarbeiter weitgehend in Kurzarbeit. Es sei unwirklich, den Betrieb weiter aufrecht zu erhalten und Werbung für das Weihnachtsmärchen zu machen, wenn Gesundheitsbehörden und Politik beständig forderten, Veranstaltungen zu vermeiden und Kontakte zu beschränken. Und dann ist da noch das Publikum: »Wie in allen bisherigen Wellen nehmen die Zuschauer den Lockdown vorweg«, sagt Intendant Axel Krauße. »Seit etwa zehn Tagen haben wir so gut wie keine Karte mehr verkauft, dafür aber massenhaft Karten storniert.« Er hofft, dass sich die Lage bessert, so dass ein Spielbetrieb wieder »moralisch und wirtschaftlich zu vertreten ist«.

Der künstlerische Leiter der Theater-Werkstatt in Würzburg, Thomas Lazarus, rechnet vor, was die Begrenzung auf 25 Prozent Zuschauer für sein Haus bedeutet. Höchstens 15 Leute darf er dann einlassen. »Bei einem durchschnittlichen Eintrittspreis von 12 Euro betragen damit die Höchsteinnahmen noch 180 Euro. Davon lassen nicht einmal Tantiemen und Gagen decken, ganz zu schweigen von den Produktionskosten.« Er will dennoch weitermachen - allerdings nur, wenn genügend Zuschauer vorab reservieren.

Verena Piehler vom Landestheater Oberpfalz appelliert: »Wir wünschen uns, dass die Politik mit ihren Entscheidungen vor die Corona-Welle kommt und zukünftig früher und differenziert reagiert«, sagt die Theatersprecherin. »Seit Beginn der Pandemie gab es bei uns keinen einzigen Corona-Fall nach einer Veranstaltung und dennoch müssen wir unseren kompletten Spielplan für die kommenden Wochen umwerfen.« Denn schon wieder treffe es die Kultur, »obwohl wir zu den Zahlen absolut nichts beitragen.«

Lazarus hätte lieber eine verordnete mehrwöchige Schließung bei gleichzeitigen Unterstützungsmaßnahmen wie Kurzarbeit. Momentan habe man nur eine scheinbare Entscheidungsfreiheit. Die lasse einem nur die Wahl zwischen schlechten Optionen und bürde den Theatern trotzdem Verantwortung auf: »Wer den Spielbetrieb aufrechterhält, macht unter Umständen größere Verluste. Wer nicht spielt, muss sich rechtfertigen.«

Ob die Politik einlenkt? Die SPD-Fraktion im Landtag beantragte vor allem mit Blick auf kleine Theater, die Reduzierung der Plätze auf 25 Prozent zu hinterfragen und die 2G-plus-Regel mit einer Maskenpflicht zu kombinieren. Die Staatsregierung verlängerte zudem die Hilfsprogramme für Kunst- und Kulturschaffende bis März 2022.

Und manche Theater werden von ihrem Publikum getragen, so etwa das Münchner Metropoltheater, das eigentlich bis in den Januar hinein ausverkauft war. Nun wurden die Tickets der Zuschauer storniert. Aber: »Deutlich über 50 Prozent sagen, sie spenden ihre Karten. Sie wollen das Geld nicht zurück haben«, freut sich Intendant Schölch.

Der Verband Freie Darstellende Künste warnt dennoch: Trotz all dieser Hilfen werde die faktische Unmöglichkeit, zu arbeiten, viele Kunstakteurinnen und Kunstakteure vor die Entscheidung stellen, in andere Berufe abzuwandern. »Das reichhaltige kulturelle Leben in Bayern ist akut gefährdet!«

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