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Corona-Auflagen: Bayernweit überwiegend friedliche Demos

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Teilnehmer einer Demonstration stehen auf der Theresienwiese
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Teilnehmer einer Demonstrationen gegen die Anti-Corona-Maßnahmen auf der Theresienwiese. Foto: Felix Hörhager/dpa Foto: dpa

Besorgte Bürger, aber auch Impfgegner und Verschwörungstheoretiker gehen erneut in Bayern auf die Straße. Manche tragen zum Schutz vor dem Coronavirus Mundschutz, anderen ist das egal. Für Abstandsregeln interessieren sich viele Menschen nicht.


München/Nürnberg (dpa/lby) - Tausende Menschen haben am Samstag in Bayern abermals gegen die ihrer Meinung nach zu strengen Auflagen für die Bürger in der Corona-Krise protestiert. Überwiegend blieb es nach Einschätzung der Polizeipräsidien friedlich. Allerdings zeigte sich mancherorts deutlich, dass viele Menschen nichts von Vorschriften wie eineinhalb Meter Mindestabstand untereinander halten. In München etwa standen abseits des abgesperrten Versammlungsgeländes Hunderte eng beisammen. Die Polizei sprach Platzverweise aus, nahm Personalien auf und schrieb Anzeigen. Einige Menschen wurden weggetragen. Bayernweit waren am Wochenende rund 70 Versammlungen angemeldet.

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In München wollte der Veranstalter eigentlich mit 10 000 Menschen gegen die coronabedingten Beschränkungen demonstrieren. Unter Voraussetzung der Einhaltung des Mindestabstands und einer zeitlichen Begrenzung von zwei Stunden stimmte das Kreisverwaltungsreferat dem zu - beschränkte allerdings die Teilnehmerzahl auf 1000. Die war am Samstag dann kurz vor Beginn der Kundgebung erreicht - viele Menschen wurden nicht mehr auf das abgesperrte Gelände auf der Theresienwiese gelassen. Durchsagen der Polizei, den Bereich um das Demogelände zu verlassen, quittierten Demonstranten mit Buhrufen.

Manche Teilnehmer auf dem abgesperrten Areal trugen Transparente mit Slogans wie »Freiheit statt Zwang«, andere Masken mit der Aufschrift »mundtot«. »Was die Politiker hier anordnen, ist reine Willkür«, sagte eine der Rednerinnen. »Und wer aufmuckt, wird plattgemacht.« Sie stellte unter anderem infrage, warum sich Politiker plötzlich für die Alten interessierten, die sonst kein Gehör fänden.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort - zu Fuß und auf Pferden. Der Sprecher des Präsidiums München, Marcus da Gloria Martins, sagte kurz vor Beginn, dass die Teilnehmer sehr unterschiedliche Absichten verfolgten. Der Staatsschutz habe beispielsweise einen Blick darauf, ob auch Menschen mit rechtsextremen Bestrebungen anwesend waren.

Vor den Absperrungen standen auch Kritiker der Demo - vor allem von Verschwörungstheoretikern - unter anderem mit selbstgebastelten Kopfbedeckungen aus Alufolie und Plakaten mit Aufschriften wie »Euer Ernst?«

Auf dem Demogelände gab es dem Sprecher zufolge keine gravierenden Verstöße. Lediglich neben dem Areal, wo sich gut 2500 Menschen versammelt hatten, seien Vorschriften etwa zum Mindestabstand missachtet worden. »Es gab keinen Fall, wo wir körperliche Gewalt anwenden mussten«, sagte da Gloria Martins. Allerdings seien mehr als 20 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz aufgenommen worden. Einige Menschen seien in Gewahrsam gekommen, von mehr als 200 seien die Personalien genommen worden.

Die Demonstranten ordnete die Polizei München überwiegend dem bürgerlichen Spektrum zu. Es seien aber auch Kleingruppen von Links- und Rechtsextremen gesehen worden.

Einige Menschen, die außerhalb des Demogeländes standen, versuchten laut Polizei, die Demonstranten auf der Theresienwiese anzustacheln - zumeist ohne Erfolg. Überwiegend sei der Nachmittag friedlich verlaufen.

In Nürnberg gab es vier Demos mit Hunderten Teilnehmern. Die Stimmung sei überwiegend friedlich gewesen, sagte ein Polizeisprecher am späten Nachmittag. Eine Demo auf den Mainwiesen in Würzburg verlief laut Polizei weitgehend entspannt, ebenso mehrere Versammlungen in Regensburg. Die Mindestabstände seien überwiegend eingehalten worden, auch bei einer Veranstaltung mit 500 Menschen in Augsburg. In Schweinfurt demonstrierten laut Polizei etwa 120 Menschen.

Seit dem 21. März ist bei Begegnungen mit anderen Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes ein Mindestabstand von eineinhalb Metern Pflicht. Seit dem 8. Mai dürfen sich in Bayern wieder mehrere Angehörige von zwei Haushalten treffen - und zwar sowohl im privaten als auch im öffentlichen Raum. Menschenansammlungen im öffentlichen Raum sind aber ohne Genehmigung weiter verboten.

Aus Wut über die Regulierungen im Kampf gegen die Corona-Epidemie war es am Wochenende davor in München, Nürnberg und anderen bayerischen Städten zu teils ungeordneten Demonstrationen Tausender Menschen gekommen. In München und Nürnberg liefen sie aus dem Ruder, Abstands- und andere Regeln zum Schutz vor dem hoch ansteckenden Virus wurden nicht mehr eingehalten.


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