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»Brexit-Effekt«: Hoher Anstieg bei Einbürgerungen in Bayern

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Joachim Herrmann
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Joachim Herrmann, der Innenminister von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa-POOL/dpa/Archivbild Foto: dpa

Deutsche Pässe sind weltweit begehrt, immerhin ermöglichen sie in Zeiten ohne Corona-Einschränkungen weitreichende Reisemöglichkeiten. Das sehen auch viele Menschen aus dem Vereinigten Königreich so.


München (dpa/lby) - 20 977 Ausländer haben in Bayern im Jahr 2019 einen deutschen Pass erhalten. Das sind 2915 mehr als 2018 und damit die meisten seit der Jahrtausendwende (2000: 20 622). Hauptgrund für die hohe Zahl ist der immer spürbarere Austritt von Großbritannien aus der Europäischen Union: 2087 Männer und Frauen aus dem Vereinigten Königreich haben 2019 im Freistaat ihren deutschen Pass beantragt und erhalten. »Das ist ein ganz eindeutiger Brexit-Effekt«, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in München.

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Herrmann betonte, dass davon auszugehen sei, dass die Zahl der Briten, die einen deutschen Pass bekommen und damit auch den Status eines EU-Bürgers behalten wollen, weiter hoch bleibe. Noch bis zum Jahresende können Briten entsprechend des EU-Prinzips zudem die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen und ihre britische behalten.

Die Zahl der Briten, die deutsche Staatsbürger wurden, steigt seit Jahren: 2018 bekamen 1329 den deutschen Pass, 2015 waren es nur 86, 2016 313 und 2017 974. Die anderen »Neu-Bayern« aus EU-Ländern stammten meist aus Rumänien (1972), Italien (1023), Polen (887) und Kroatien (594). Insgesamt kamen 9272 Personen der Neu-Bürger aus Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Großbritannien hatte die EU Ende Januar formell verlassen. In einer Übergangsphase bis zum Jahresende ist das Land aber noch Teil des Europäischen Binnenmarkts und der Zollunion. Über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen muss noch ein Abkommen erzielt werden.

Um die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen, müssten Bewerber diverse Bedingungen erfüllen: Neben einer zweifelsfrei geklärten Identität werde in der Regel ein Mindestaufenthalt von acht Jahren im Land, ein den Lebensunterhalt sicherndes Einkommen, Straffreiheit, gute Sprachkenntnisse und eine gute Integration vorausgesetzt.

Unter den Nicht-EU-Ländern waren Türken mit 2019 Einbürgerungen (2018: 2135) weiterhin an erster Stelle bei den Einbürgerungen. Die weiteren Plätze belegten die Nachfolgeländer des früheren Jugoslawien (ohne die EU-Staaten Kroatien und Slowenien) mit 1306 (2018: 1192), der Irak mit 1095 (2018: 652), die Ukraine mit 835 (2018: 450), Indien mit 571 (2018: 449), Vietnam mit 446 (2018: 386) und Afghanistan mit 422 (2018: 371) Eingebürgerten.

Leicht angestiegen ist den Angaben zufolge auch die Quote zur Mehrstaatigkeit bei den Einbürgerungen von Drittstaatsangehörigen auf 38,1 Prozent (2018: 37 Prozent). Die bisherige Staatsangehörigkeit ist nach den gesetzlichen Bestimmungen bei einer Einbürgerung aufzugeben, soweit das möglich und zumutbar ist.


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