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Brandanschlag auf Roma-Familie: Entschuldigungen im Prozess

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Prozess um Brandanschlag auf Roma-Familie
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Justizwachtmeister stehen im Kornhaus hinter jungen Männern, die sich Aktenordner vor das Gesicht halten und wegen versuchten Morders angeklagt sind. Foto: Stefan Puchner/dpa Foto: dpa

Eine brennende Fackel landet auf einem Campingplatz, auf dem sich Roma-Familien niedergelassen haben - und verfehlt einen Wohnwagen nur knapp. Wegen versuchten Mordes stehen fünf Männer nun vor Gericht. Sie geben die Tat zu - und flüchten sich in Entschuldigungen.


Ulm (dpa/lsw) - Erst besprühen sie ein Schild mit der Botschaft »Not Welcome« - »Nicht Willkommen«. Dann legen sie einen toten Schwan an eine Wiese in Erbach (Alb-Donau-Kreis), auf der die Wohnwagen von Roma-Familien stehen. Später verfehlt eine brennende Fackel nur knapp einen der Camper, in dem eine Frau und ihr Baby liegen. Um diese Tat geht es nun vor Gericht: Seit Montag müssen sich fünf junge Männer wegen versuchten Mordes und Brandstiftung vor dem Ulmer Landgericht verantworten. Sie geben die Tat zu, aber unter Vorbehalt.

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»Wir waren dumm und haben nicht an die Konsequenzen gedacht«, sagt einer der Angeklagten zu Prozessbeginn. Sie hätten nie jemanden verletzen wollen. Das besprühte Schild, der tote Schwan und der Fackelwurf seien spontane Ideen gewesen, um die Familien zu vertreiben. Die Fackel sei absichtlich neben den Wohnwagen geworfen worden. »Die Fackel flog dahin, wo ich sie hinhaben wollte«, sagt der mutmaßliche Werfer vor Gericht.

Laut Anklage fuhren die Deutschen im Alter zwischen 18 und 20 Jahren am 24. Mai 2019 zu der Wiese, auf der sich die Roma-Familien aufhielten. Aus dem Auto heraus warfen sie demnach die brennende Fackel auf den Wohnwagen. Das Geschoss verfehlte das Fahrzeug nur knapp. Verletzt wurde niemand. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten dennoch vor, den Tod der Menschen in dem Wagen billigend in Kauf genommen zu haben.

Die betroffene Roma-Familie hatte sich als Teil einer rund 30-köpfigen Gruppe mit ihrem Wohnwagen auf der Wiese niedergelassen. Die Fläche hatten die Männer und Frauen gemietet. Sie waren bereits seit zehn Tagen dort, als sich der Brandanschlag ereignete. Ein rassistisches Motiv schließen die Ermittler dabei nicht aus.

Die Angeklagten räumen vor Gericht eine rechte Gesinnung ein. Begriffe wie »patriotisch« und »offen rechts« fallen. Bilder von Adolf Hitler und Gruppenfotos der Freunde mit Hitlergruß haben Ermittler auf den Handys der Angeklagten gefunden. Sie seien betrunken und übermütig gewesen, versuchen sich die jungen Männer zu erklären. Einige geben auch die Mitgliedschaft in einer Jugendgruppe zu, die angebunden sei an eine Gruppe eher Rechtsgesinnter in der Fußballszene.

»Ich bin kein Nazi«, betont aber einer der Angeklagten. Sie alle hätten Vorurteile gegen Roma gehabt, die sie jetzt bereuten. Den Nationalsozialismus würden sie alle verabscheuen. »Ich habe an der Schule gelernt, was da alles Schlimmes passiert ist«, sagt einer. Alle fünf Männer bitten vor Gericht für die Tat um Entschuldigung. »Ich schäme mich zutiefst für diese Aktion«, sagt ein Angeklagter.

Das Verfahren hat wegen coronabedingter Abstandsregeln nicht im Gerichtsgebäude begonnen, sondern in einem Saal der Tagungsstätte Ulmer Kornhaus - und unter verschärften Sicherheitsbedingungen. Insgesamt 20 Verhandlungstage wurden angesetzt, das Urteil könnte Ende September fallen.

Vor dem Gebäude protestierten Aktivisten gegen Rassismus. »Der zunehmende Antiziganismus in Deutschland und in Europa bereitet uns sehr große Sorgen«, teilte der Vorsitzende des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, Daniel Strauß, vor der Verhandlung mit.


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