Auf die Bremse: Blitzmarathon soll Raser stoppen

Geschwindigkeitskontrolle
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Ein Polizist hält bei einer Geschwindigkeitskontrolle Fahrzeuge an. Foto: Uwe Anspach/dpa/Symbolbild Foto: dpa

Erneut nimmt die Polizei Raser ins Visier. Am Mittwoch wird in Bayern, aber auch in anderen Bundesländern geblitzt. Zu hohes Tempo gilt als Hauptursache für schwere Unfälle - und das ist in Corona-Zeiten womöglich sogar ein größeres Thema als sonst.


München (dpa) - Mit Geschwindigkeitskontrollen an 2100 möglichen Messstellen will die Polizei von Mittwochmorgen an für 24 Stunden Raser im Freistaat ausbremsen. Auch in anderen Bundesländern und jenseits der deutschen Grenzen in anderen Ländern Europas soll ab 6.00 Uhr morgens geblitzt werden.

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»Zu schnelles Fahren ist kein Kavaliersdelikt, sondern die Hauptursache für schwere Verkehrsunfälle«, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) im Vorfeld des achten bayerischen Blitzmarathons. Knapp ein Drittel der Verkehrstoten auf Bayerns Straßen gehe darauf zurück.

Im vergangenen Jahr starben laut Herrmann 147 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen. Das waren trotz des pandemiebedingt geringeren Verkehrsaufkommens mehr Unfalltote als im Vorjahr mit 141. »Mit unserem Blitzmarathon wollen wir alle Verkehrsteilnehmer wachrütteln, sich unbedingt an die Tempolimits zu halten.«

Im vergangenen Jahr war der Blitzmarathon coronabedingt ausgefallen. Nicht zuletzt angesichts der gestiegenen Unfallzahlen habe man sich entschlossen, den Marathon dieses Jahr trotz Corona durchzuführen, ergänzte Ministeriumssprecher Michael Siefener. Gerade die freien Straßen verleiteten womöglich dazu, aufs Gas zu gehen. »Möglicherweise animiert der geringere Verkehr den einen oder anderen, schneller zu fahren als er dürfte.«

Ein Schwerpunkt der Aktion sollen laut Innenministerium die Landstraßen sein. Rund 1800 Polizisten sowie etwa 50 Bedienstete von Gemeinden und Zweckverbänden der kommunalen Verkehrsüberwachung werden bayernweit im Einsatz sein.

Die Polizisten werden - wo immer möglich - Raser gleich anhalten und kontrollieren. Dabei schauen die Beamten beispielsweise auch auf möglichen Alkohol- und Drogenkonsum.

Herrmann trat gelegentlich geäußerten Mutmaßungen aus der Bevölkerung entgegen, man wolle mit derartigen Aktionen abkassieren. »Uns geht es nicht darum, möglichst viele Verwarnungen auszusprechen oder Bußgeldbescheide zu verschicken.«

Schließlich: Niemand wird blindlings in die Falle gelockt. Alle bayerischen Messstellen stehen auf der Ministeriums-Seite zum Download - jeder kann sich damit rechtzeitig informieren.

Beim letzten 24-Stunden-Blitzmarathon vom 3. bis zum 4. April 2019 hatte die Polizei 10 821 Temposünder ertappt - trotz der auch damals veröffentlichten Messstellen. Den traurigen Rekord hielt damals ein 30 Jahre alter Autofahrer, der auf der B 300 bei Neusäß in Schwaben mit 160 Kilometern pro Stunde anstatt der erlaubten 70 unterwegs war.

Erfunden wurde der Blitzmarathon in Nordrhein-Westfalen, in Bayern gab es den ersten 2013. Den diesjährigen europaweiten »Speedmarathon« koordiniert das europäische Verkehrspolizei-Netzwerk »ROADPOL«. Außer in Bayern wird auch in Brandenburg, Baden-Württemberg, Bremen, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und Thüringen geblitzt. Bayern beteiligt sich daran im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms 2030 »Bayern mobil - sicher ans Ziel«.

© dpa-infocom, dpa:210420-99-281386/3

Mitteilung Innenministerium zum Blitzermarathon

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