Arbeitsmarkt: Frühjahrsbelebung trotz Pandemie

Arbeitsmarkt Bayern
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«Agentur für Arbeit» steht an der Fassade eines Jobcenters. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild Foto: dpa

Frühjahr schlägt Krise: Die saisontypische Belebung hat im April die Arbeitslosenzahlen in Bayern sinken lassen. Vom Niveau vor Corona sind sie aber noch weit entfernt.


Nürnberg (dpa) - Die Zahl der Arbeitslosen in Bayern ist deutlich gesunken. Trotz aller Belastungen durch die Corona-Krise sank sie im April auf 282 182, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Das sind 16 583 weniger als im März. Die Arbeitslosenquote ging auf 3,7 Prozent zurück. Stichtag für die Erhebung der Daten war der 13. April.

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Die Regionaldirektion führt den Rückgang auf die übliche Frühjahrsbelebung zurück. Im Vergleich zum April 2020 ergibt sich dagegen ein leichter Anstieg um 10 329 Arbeitslose. Dabei müsse man beachten, dass beide Monate bereits Spuren der Corona-Krise zeigten, sagte Regionaldirektions-Chef Ralf Holtzwart. »Mit einem Plus von 78 074 fällt die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum April 2019 dagegen deutlich höher aus.« Der April 2020 war der ersten Monat, in dem Corona deutlich auf den bayerischen Arbeitsmarkt durchgeschlagen war.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in Bayern gab es im April in Eichstätt mit 2,1 Prozent. Die höchste wies die Stadt Nürnberg mit 6,6 Prozent auf.

Besonders negativ entwickelt sich derzeit die Langzeitarbeitslosigkeit: Sie stieg binnen Jahresfrist um 61,8 Prozent auf 75 138 Betroffene. Zwar hielten viele Unternehmen - auch mit Kurzarbeit - an ihren Mitarbeitern fest, sagte Holtzwart. »Andererseits sind Betriebe auch deutlich vorsichtiger bei Neueinstellungen. Dadurch bleiben die Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, länger arbeitslos.« Allerdings habe sich die Nachfrage nach Arbeitskräften zuletzt wieder leicht erholt.

»Langzeitarbeitslose Menschen benötigen deshalb jetzt in besonderem Maße unsere Unterstützung«, sagte Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU). Dafür müsse der Bund die Jobcenter finanziell und personell besser ausstatten. So bliebe »den Fachkräften mehr Zeit, um die Situation der gesamten Familie in den Blick zu nehmen und die Betroffenen bedarfsabhängig zu stabilisieren, zu motivieren und zu unterstützen.«

DGB und Wirtschaftsverband vbw zogen unterschiedliche Schlüsse aus der Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit. Während die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft auf Flexibilisierungen im Arbeits- und Befristungsrecht setzt, forderte der Gewerkschaftsbund eine Qualifizierungsoffensive und deutlich mehr Weiterbildungsangebote.

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte Öffnungsperspektiven für die Wirtschaft, um den Arbeitsmarkt zu entlasten. »Der Einzelhandel, das Gastgewerbe und die Veranstaltungswirtschaft würden profitieren, wenn der Test am Arbeitsplatz gleich weiterverwendet werden kann«, sagte er. »Zusammen mit beschleunigtem Impfen und erprobten Schutzkonzepten ist ein kontrolliertes Öffnen möglich.«

© dpa-infocom, dpa:210428-99-391046/4


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