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Abendrobe statt Internet: Glasfaserkleid im Deutschen Museum

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Glasfaserkleid im Deutschen Museum
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Restauratorin Charlotte Holzer arbeitet im Deutschen Museum an einem Glasfaserkleid. Foto: Angelika Warmuth Foto: dpa

München (dpa/lby) - Für Glasfaser geben Kommunen viel Geld aus - als Kabel unter der Erde verlegt für ein schnelles Internet. Vor gut hundert Jahren schmückten sich Prinzessinen und Schauspielerinnen damit: Modisch versierte Glasbläser schufen Kleider für die Damenwelt, deren gläserne Fasern für schillernde und funkelnde Lichtreflexe sorgten. Das Deutsche Museum voraussichtlich gegen Ende des Jahres ein restauriertes Exemplar, das die spanische Prinzessin Eulalia zur Weltausstellung in Chicago 1893 trugt. Damals war das Kleid zum ersten und wahrscheinlichen auch letzten Mal zu sehen. Noch laufen die Restaurierungsarbeiten.


Die Glasfasern von damals wären freilich nicht für das Internet geeignet gewesen, sagt Restauratorin Charlotte Holzer. Es sei ein anderer Glastyp verwendet worden. Insgesamt seien nur zehn bis 15 solcher Glasfaserkleider in Europa und Nordamerika bekannt, das früheste sei um 1840 erwähnt. Erhalten sind laut Holzer heute nur drei Kleider.

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Die Abendrobe, die Holzer derzeit restauriert, ist aus einem Glasfaser-Seidengewebe hergestellt und mit geflochtenen Glasfasern verziert. Angenehm zu tragen war das nicht - Bewegen ging nur mit Vorsicht, Hinsetzen gar nicht. »Die Glasfasern sind spröde. Wenn man sich hinsetzt, dann brechen sie.«

Die Gewänder dienten vor allem der Werbung für fahrende Kunstglasbläser und Glasunternehmen, aber auch als Ausstellungstücke in Schaufenstern nobler Kaufhäuser.

Rund 600 bis 700 Stunden wird allein die restauratorische Arbeit an dem Kleid dauern, schätzt Holzer. Zudem fehlt das Oberteil. »Es ist noch nicht klar, ob wir es in der Ausstellung ganz weglassen oder eine Ergänzung anfertigen.«

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