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Zwölf Jahre Haft für Drogenschmuggler

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Foto: dpa/Patrick Pleul

Traunstein – Einen 53-jährigen, albanischen Kraftfahrer schickte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein wegen Schmuggelns von über neun Kilogramm Kokain für zwölf Jahre hinter Gitter. Der geständige Angeklagte hatte die Betäubungsmittel im Marktwert von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro in Amsterdam abgeholt. Die Drogenfahrt endete bei auf der Autobahn bei Bad Feilnbach.


Eine Polizeistreife hatte den Lkw mit Lichtzeichen angewiesen, zu folgen und die Autobahn zu verlassen. Möglicherweise aus Nervosität baute der 53-Jährige auf dem Parkplatz Eulenauer Filz einen Unfall und landete an der Leitplanke. Während der Bergungsaktion fiel Feuerwehrleuten auf, dass der Fahrer mit einer Tasche in der Hand hinter das WC-Häuschen wollte. Sie schickten ihn zurück zu seinem Fahrzeug. Anschließend versuchte der Albaner mehrmals, auf die Autobahn zu laufen. Dem setzte die Polizei ein Ende. Beim Durchsuchen des Zugfahrzeugs und des Sattelaufliegers schlug ein Rauschgifthund mehrmals an.

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Vergeblich versucht, die Tasche noch loszuwerden

Wie sich später herauskristallisierte, war die Tüte mit den neun Päckchen Kokain zunächst in einem Auto im Inneren des Anhängers verstaut. Nach dem Unfall nahm der 53-Jährige die Tasche an sich und versuchte wohl, sie an Leute in Begleitfahrzeugen loszuwerden. Das klappte nicht. Da legte er sie in die sogenannte »Keulenmulde« in der Ladefläche des Aufliegers. Dort wurde die Polizei fündig.

Der Angeklagte leugnete zunächst alles, doch er besann sich am Ende des ersten Verhandlungstags und legte ein Geständnis ab. Namen von Hinterleuten nannte er allerdings nicht.

In seinem Plädoyer würdigte Staatsanwalt Martin Unterreiner strafmildernd das Geständnis. Die Drogen hätten sichergestellt werden können. Unter den strafschärfenden Aspekten führte der Ankläger neben einer einschlägigen Vorahndung in Mazedonien an, Kokain sei »eine harte gefährliche Droge mit hohem Suchtpotenzial«. Die Menge sei ganz erheblich gewesen, der Wirkstoffgehalt extrem hoch: »Es war fast reines Kokain. Damit sind höchste Gewinnmargen verbunden.« Der Staatsanwalt forderte zwölf Jahre Gefängnis.

Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim verwies auf das Alter des Angeklagten wie seine Haftempfindlichkeit und stufte das Geständnis des 53-Jährigen deutlich höher ein – vor allem angesichts der gefährlichen Leute, die im Hintergrund stehen. Sein Mandant habe zwar gewusst, was er transportiere, nicht aber welche Menge. Der 53-Jährige habe eine nur untergeordnete Rolle gespielt und bereue sein Handeln. Eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren sei ausreichend.

Mit 495 Kilogramm Haschisch erwischt

»Ich bin nicht gefahren, um Drogen zu transportieren«, beteuerte der Angeklagte im »letzten Wort«. Er habe zweimal im Leben einen Fehler gemacht. Damals in Mazedonien, als er 495 Kilogramm Haschisch in einem verschlossenen Anhänger übernahm, sei er reingelegt worden, jetzt wieder. Beide Male habe er einen eigenen Lastwagen kriegen sollen.

Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel griff in der Urteilsbegründung die verschiedenen Argumente nochmals auf. Die neun Kilogramm Kokain seien einer der höchsten Mengen in den vergangenen Jahren in einem Verfahren vor dieser Kammer.

Unternommen habe der Angeklagte die Fahrt »aus Gier und wegen des schnellen Geldes«. Der Angeklagte hätte 35 000 Euro Kurierlohn bekommen sollen – für ihn »ein halbes Vermögen«, merkte Dr. Zenkel zum Motiv an. Verteidiger Harald Baumgärtl kündigte umgehend an, Revision einzulegen, um das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen. kd