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Zwei Zähne durch Faustschlag verloren

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Vor einer Diskothek in Traunreut erhielt ein 23-jähriger Auszubildender, der bei einem leichten Gerangel gestürzt war und aufstehen wollte, einen Faustschlag im Gesicht. Der Traunreuter bezeichnete einen 28-jährigen Produktionshelfer aus Trostberg am Mittwoch vor dem Amtsgericht Traunstein eindeutig als Täter.


Richterin Sandra Sauer schenkte dem Opfer und Zeugen aus dessen Umkreis vollen Glauben. Der Angeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Zudem muss er als Bewährungsauflage »mindestens 1000 Euro« Schadensersatz in monatlichen Raten von 50 Euro leisten. Die Richterin betonte, das entbinde ihn nicht von weiteren künftigen Zahlungen.

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Begonnen hatte alles am 28.   Februar 2015 gegen 4.10 Uhr. Mehrere Leute waren draußen beim Rauchen. »Meinungsverschiedenheiten« mündeten in Schubsereien. Dabei fiel der 23-Jährige zu Boden. Er erhielt mehrere Tritte – von wem, wusste er nicht: »Ich hab' versucht, mich zu schützen. Wer getreten hat, kann ich leider nicht sagen.« Als er aufstehen wollte, folgte der Faustschlag des Angeklagten auf die Mundpartie. Neben Schürfwunden und Prellungen durch die Tritte hatte der Auszubildende einen abgebrochenen Zahn. Ein weiterer Zahn war geschädigt, die Wurzeln beider entzündeten sich und starben ab. Die Behandlung kostet nach derzeitigem Stand 1850 Euro, wird aber noch teurer werden. Eine erste Rechnung hat der 23-Jährige selbst beglichen. Die Krankenkasse wird für einen Teil des neuen Kostenplans aufkommen. Wegen des Rests, den der Angeklagte wohl übernehmen muss, hat der Auszubildende einen Anwalt eingeschaltet.

Freunde brachten das Opfer in Sicherheit

Den 23-Jährigen hatten damals Freunde in Sicherheit gebracht. Dann riefen sie die Polizei. Die Strafanzeige führte zu dem Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Angeklagte behauptete – wie Zeugen aus seinem Umfeld – der 23-Jährige sei auf ihn losgegangen und habe mit der Hand ausgeholt. Darauf habe er lediglich reagiert.

Staatsanwältin Carolin Schwegler warf ihm außerdem eine Unfallflucht am 2. August 2015 auf der Bundesstraße bei Tacherting vor. Gegen 14 Uhr war er auf nasser Fahrbahn auf Höhe des Bahnübergangs Schalchen mit seinem Wagen von der Straße abgekommen. Der rechte Kotflügel prallte an die Leitplanke, die verbeult wurde. Der Sachschaden betrug rund 2500 Euro. Der Trostberger stellte sich am nächsten Tag der Polizei – »aber viel zu spät«, wie die Richterin im Urteil festhielt. Das hatten Staatsanwältin Carolin Schwegler und der Verteidiger, Josef Winkler aus Traunreut, in ihren Plädoyers genauso eingestuft.

Auseinander wichen ihre Schlussanträge jedoch bei dem Faustschlag. Schwegler erachtete den Schuldvorwurf der gefährlichen Körperverletzung als erwiesen an. Zwölf Monate Strafe mit Bewährung und ein Fahrverbot von zwei Monaten seien erforderlich. Die Zeugen hätten sich in zwei Lager geteilt. Aber die Aussagen des Opfers und weiterer Zeugen seien nicht von Belastungseifer gekennzeichnet gewesen. »Die übrigen Zeugen waren mit äußerster Vorsicht zu genießen.«

Der 23-Jährige habe zwei Zähne verloren. Das ziehe eine lange und teure Behandlung nach sich. Das müsse man dem 28-Jährigen neben einer Vorstrafe, dem hohen Schaden durch den Schlag und die Unfallflucht strafschärfend zurechnen. Freispruch vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung forderte dagegen Verteidiger Josef Winkler: »Es gibt Zeugen, die keinen Schlag gesehen haben. Das gilt auch für die angeblichen Tritte durch weitere Personen.« Im Fall der verbeulten Leitplanke sei kein Fahrverbot zu verhängen. In diesem Punkt schloss sich das Gericht im Urteil dem Verteidiger an.

Kaum Belastungseifer auf der Opferseite

Bezüglich des Faustschlags griff Richterin Sandra Sauer die Argumente der Anklägerin auf, etwa den fehlenden Belastungseifer der Opferseite: »Gleiches kann ich vom Angeklagten und dessen Freunden nicht bestätigen. Einer hat eine Geschichte wie aus 1001 Nacht erzählt. Außerdem ähneln sich die Aussagen sehr – ein Indiz dafür, dass sie abgesprochen wurden.« Die Richterin gab dem 28-Jährigen mit auf den Weg: »Ich hoffe, dass Sie das besagte Lokal vielleicht komplett meiden. Gehen Sie solchen Auseinandersetzungen künftig aus dem Weg. Sonst ist Ihre positive Sozialprognose, damit auch die Bewährung, in Gefahr.« kd