weather-image
11°

Zwei Probleme in einem

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Richtig »aufklappen« lässt sich dieser Rasen. Die Engerlinge haben die Wurzeln des Rasens abgefressen.

Stark geschädigt zeigt sich vielerorts der sonst so grüne und geliebte Rasen. Markus Breier, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Traunstein, bekommt derzeit mehrfach täglich Anrufe und klärt auf: »Wir haben zwei Probleme in einem.« Die lang anhaltende Hitzeperiode habe die gut wasserspeichernden Lehmböden austrocknen lassen und der Rasen sei verdorrt. Dort, wo gegossen werden konnte, seien die Schäden geringer. Doch gehe es dem Rasen auch sprichwörtlich an die Wurzel. »Was die Sonne von oben nicht geschafft hat, das erledigen mancherorts die Engerlinge von unten«, so der Gartenfachmann.


Die Käferlarven ernähren sich von Wurzeln und besonders der kurz geschnittene Rasen könne stellenweise absterben. Nur mit der Lupe sei eine eindeutige Unterscheidung der Arten möglich, denn auf den ersten Blick ähneln sich die Engerlinge sehr stark: ein cremeweißer, gebogener Körper, sechs Beine und ein orange-brauner Kopf mit kräftigen Zangen. Im Rasen seien besonders der Gartenlaubkäfer (Engerlinge kleiner als zwei Zentimeter) und der Junikäfer (Engerlinge größer als zwei Zentimeter) die häufigsten, eher die Ausnahme seien Dung-, Purzel-, Juli-, Rüssel- und Maikäfer.

Anzeige

Das Ergebnis könne laut Kreisfachberater durchaus beachtlich sein: »Manche Flächen kann man wie Rollrasen abziehen, keine Wurzel hält mehr und darunter sitzen Engerlinge, in manchen Fällen Dutzende pro Quadratmeter.« Die Entwicklung vom Ei zum fertigen Käfer dauere unterschiedlich lang: beim Gartenlaubkäfer ein Jahr, beim Junikäfer meist zwei Jahre und beim selteneren Maikäfer drei bis fünf Jahre. Im Winter ziehen sich die Engerlinge meist in tiefere, frostfreie Bodenschichten zurück.

Vögel und besonders Igel machen sich nachts über die eiweißreichen Engerlinge her, das erkenne man an den fünf bis zehn Zentimeter großen Löchern, die wie kleine Vulkankrater aussehen. »Gerade für junge Igel sind Engerlinge ein hervorragendes Kraftfutter vor dem Winter«, so Breier, weshalb eine Bekämpfung nicht grundsätzlich nötig sei.

Bei geringem Befall reiche das Zutreten der Löcher und das Nachsäen. Ist der Rasen flächig abgestorben, bleibe meist nur eine Neuanlage. Wird hierzu mit einer Gartenfräse die Fläche umgebrochen, werden auch die Engerlinge miterfasst. Wo eine komplette Neuanlage nicht nötig ist und keine Vögel oder Igel die Engerlinge ausgraben, könnten prinzipiell nützliche Nematoden eingesetzt werden. Die Nützlinge sind im Fachhandel oder Internet erhältlich, werden in einer Gießkanne verrührt und abends auf den feuchten Rasen gegossen. Jetzt im September wäre laut Kreisfachberater die richtige Zeit, da der Boden wieder feuchter und noch relativ warm sei. Allerdings könnten im nächsten Jahr durch Käfer aus der Umgebung neue Eier abgelegt werden und der Einsatz bei größeren Flächen teuer werden.

In nicht ganz so kurz geschnittenem Rasen oder in echten Blumenwiesen mit einheimischen Wildblumen falle ein Engerling-Befall kaum oder gar nicht auf, weil die Pflanzen kräftigere Wurzeln haben und höher wachsen. Tipps zur Anlage und Pflege einer dauerhaften Blumenwiese sind auf einem Merkblatt zusammengefasst, das im Landratsamt Traunstein erhältlich ist oder zugesandt werden kann. Für Fragen steht Kreisfachberater Markus Breier unter der Telefonnummer 0861/58385 zur Verfügung. fb

Mehr aus der Stadt Traunstein
Einstellungen