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Zwei neue Träger des Oberbayerischen Kulturpreises

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Einbandkünstlerin Mechthild Lobisch (2. von rechts) und der Komponist Willfried Hiller (2. von links) wurden gestern mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Laudatoren waren Hanne Bergius und der Musikverleger Dr. Peter Hanser-Strecker. (Foto: Rasch)

Traunreut. Im festlichen Rahmen wurden am gestrigen Sonntag im k1 in Traunreut die Einbandkünstlerin Mechthild Lobisch und der Komponist Wilfried Hiller mit dem Oberbayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Der Bezirk Oberbayern, der seit 1980 jährlich zwei Persönlichkeiten ehrt, die sich um die Kultur in Oberbayern verdient gemacht haben, machte mit der diesjährigen Verleihung im Rahmen der seit Samstag laufenden Kultur- und Jugendkulturtage im Landkreis Traunstein auf das besondere Schaffen der beiden Preisträger aufmerksam.


»Lobisch und Hiller sind zwei Künstler, die ihr Handwerk in ganz wunderbarer Weise beherrschen und betreiben«, so Bezirkstagspräsident Josef Mederer, der die Verleihung vornahm. Für die musikalische Gestaltung sorgten die beiden Saiten- und Tastenkünstler »Gruber & Gruber«.

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Mechthild Lobisch gilt als führende Vertreterin der modernen Einbandkunst und Buchgestaltung in Deutschland. Die Arbeiten der 73-Jährigen sind in wichtigen europäischen Buchmuseen und Bibliotheken vertreten, so auch in der Neuen Sammlung der Pinakothek der Moderne in München. Seit 1978 arbeitet Lobisch als selbstständige Künstlerin mit eigenem Atelier in Gauting. Die aus Schlesien stammende gelernte Buchbinderin legt nach den Worten des Bezirkstagspräsidenten mit ihrem Wirken auch den Finger in eine Wunde. Sie mache aufmerksam auf die Situation der hierzulande so gut wie gar nicht beachteten Buch- und Einbandkunst, als Bestandteil der angewandten Kunst. Auch vor dem Aufkommen von E-Books – Lobisch selbst glaubt übrigens, dass das Buch trotz des digitalen Zeitalters nicht verschwindet – seien ihre Bücher nie »Lese-Bücher«, sondern Kunst- und Sammelobjekte, die im Auftrag privater Sammler entstanden seien.

Laudatorin Hanne Bergius von der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein aus Halle an der Saale, bekräftigte die Worte des Bezirkstagspräsidenten. Mechthild Lobisch plädiere laut Bergius für eine Rückbesinnung auf Größe und Stärke des Kunsthandwerks, das mit seinen ganz eigenen Qualitäten auch wieder in die Kunsthochschulen hineinwirken sollte. Für Lobisch persönlich bedeutet dieser mit 5000 Euro dotierte Preis vor allem, dass diesem Metier damit wieder mehr Aufmerksamkeit eingeräumt werde.

Ein Schüler des Traunreuter Ehrenbürgers Carl Orff

»Ohne Komponieren kann ich nicht sein, und wenn ich nicht mehr komponiere, bin ich tot.« Mit diesem Zitat aus einer Videoeinspielung über das Wirken Wilfried Hillers, bekannte sich der gebürtige Schwabe ganz klar zu seinem Herzschlag, der Komposition. Als Schüler des weltbekannten Komponisten und Traunreuter Ehrenbürgers Carl Orff, steht Wilfried Hiller ganz in der bayerischen Tradition.

Sein »Goggolori« war die erste Oper in bairischer Mundart und wurde am Gärtnerplatztheater München ein großer Erfolg. Seit 2008 ist er Vorsitzender der Carl-Orff-Stiftung. Der 72-Jährige schrieb neben Bühnenwerken zahlreiche kammermusikalische Stücke, Solokonzerte sowie Chor- und Orchesterwerke. Hiller orientiert sich bei seinen Kompositionen, die sich vor allem an Kinder und Jugendliche richten, nicht an den Trends dieser Zeit, sondern bevorzugt, wie Orff, ein einfaches, plastisch erzählendes Musiktheater.

In seiner Laudatio würdigte ihn sein Freund und Weggefährte, Musikverleger Dr. Peter Hanser-Strecker, als Phänomen und liebenswürdigen Erfolgskomponisten. Hiller habe sich um die Musik und das Musikleben große Verdienste erworben. Er suche stets das Gute und schaffe es auch, seine Ziele mit ebenso charmanter wie zäher Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit zu erreichen. »Vor dem unendlichen Kosmos Deiner Fantasie stehen wir staunend wie Kinder, fühlen uns als Zuhörer inspiriert, als Menschen geliebt.« ga