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Zwei neue Schilfdächer für das Keltengehöft

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Im Keltengehöft in Stöffling erneuern Fachleute aus Polen gerade zwei Schilfdächer. Als erstes war das Werkstattgebäude an der Reihe. (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck – Die Ruhe nach dem achten Bedaius-Familienfest währte am keltischen Gehöft Stöffling nicht lange, denn kaum waren die vielen keltischen, römischen, ostgotischen, bajuwarischen und neuzeitlichen Gäste abgezogen, verwandelte sich das beschauliche historische Kleinod in eine umtriebige Baustelle.


»Nach über 15 Jahren ist es einfach Zeit geworden, die Schilfdächer auf dem Werkstattgebäude und dem Stall erneuern zu lassen«, betonte Matthias Ziereis von der Tourist-Info Seebruck bei einem Ortstermin in dem aus zwei weiteren Gebäuden (Wohnhaus und Lagergebäude jeweils mit Legschindeldach) bestehenden Keltendorf.

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Währenddessen arbeiteten zwei Arbeiter einer polnischen Fachfirma gerade auf Hochtouren an der Fertigstellung des ersten, rund 30 Zentimeter dicken Schilfdachs auf dem Werkstattgebäude, das nun wieder komplett wasserdicht ist. »Bei meinen historischen Kinderferienprogramm sind wir heuer dort mal nass geworden, weil die Schilfschicht im Firstbereich über die Jahre dünn geworden war und das Regenwasser eingedrungen ist«, so der passionierte historische Darsteller Ziereis.

Umso mehr freue er sich nun darüber, dass die Gemeinde schnell grünes Licht für die Entfernung des alten, vor allem oberflächlich bereits stark angegriffenen und vermoosten Schilfs und für die neuen Schilfdächer gegeben habe. »Wenn Ende dieser Woche vermutlich auch das Stall-Schilfdach fertig ist, dürften wir wieder 15 oder sogar 20 Jahre Ruhe haben, und vor allem ist die Gefahr jetzt gebannt, dass uns der Dachstuhl verrottet«, meinte Ziereis.

Dass auf das Schilf lange Verlass ist, das wussten schon die alten Kelten, doch anders als damals wurde es nun aus Polen und Ungarn beschafft. Dass der Zahn der Zeit an der am 21. Juli 2000 eingeweihten Keltensiedlung nagt, war bereits 2013 deutlich geworden, als man an der Wind und Wetter ausgesetzten Westseite des Lagergebäudes einige Balken erneuern musste. Auch für den Zaun, der das Gehöft größtenteils umschließt, müsse man sich in Bälde eine Lösung einfallen lassen, gab Ziereis zu bedenken und machte keinen Hehl daraus, dass er den jetzigen »lebenden Zaun« mit eingeflochtenen Weiden bevorzuge.

Mitte Juni 1999 hatte man auf dem geschichtsträchtigen Boden nahe des Weilers Stöffling mit dem Bau des ersten von vier Keltengehöft-Gebäuden begonnen. Dort war man seit Mitte der 1960er Jahre auf mehr als 600 keltische Münzen und zahlreiche andere Funde gestoßen, die auf eine latènezeitliche Siedlung sowie eine Münzprägestätte schließen ließen. Im Juli 2000 wurde die Keltensiedlung dann als zweiter Abschnitt des Archäologischen Rundwegs für die Besucher freigegeben. mmü