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Zwei Kreuze und vier weitere Jahre

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Bei der Bundestagswahl am Sonntag haben die Bürger zwei Stimmen.

Prozente statt Köpfe: Bei der Bundestagswahl am Sonntag kommt es vor allem auf die Zweitstimme an. Warum das so ist? Das deutsche Wahlsystem in Fragen und Antworten.


Wer kann gewählt werden?

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Generell gibt es in den 299 Wahlkreisen jeweils zwei Arten von Kandidaten: Direktkandidaten und Listenkandidaten. Jeder Wähler kann deshalb zweimal sein Kreuz machen: mit der sogenannten Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten.

Was sind Direktkandidaten?

Sie treten in nur einem Wahlkreis gegeneinander an. In den Bundestag zieht allein derjenige mit den meisten Stimmen ein. Jede Partei kann jeweils einen Kandidaten vorschlagen, den sie selbst vorher aber nach festgelegten Regeln intern gewählt haben muss.

Und Listenkandidaten?

Sie werden von den Parteien für jeweils ein Bundesland aufgestellt. Die Landesliste kann beliebig viele Kandidaten enthalten. Wie viele davon Abgeordnete werden, hängt davon ab, wie viel Prozent der Zweitstimmen die Partei bundesweit erhält: Je höher jemand auf der Liste steht, desto größer seine Chance auf einen Sitz im Bundestag. Die Listen stellen die Parteien durch Wahlen auf Landesparteitagen zusammen.

Zwei Arten von Kandidaten – wie wird denn da das Prozentergebnis einer Partei ermittelt?

Dafür spielt die Erststimme keine Rolle: Allein die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen. Für schwächere Parteien gibt es aber ein Hintertürchen: Sie kommen trotzdem entsprechend ihrem Prozentergebnis in den Bundestag, wenn ihre Direktkandidaten in mindestens drei Wahlkreisen gewinnen; schaffen sie das nur in einem oder zwei Wahlkreisen, haben auch nur diese ein oder zwei Wahlkreissieger einen Sitz im Parlament.

Wie viele Abgeordnete werden insgesamt gewählt?

Das ist vorher schwer zu sagen. Theoretisch besteht der Bundestag aus 598 Abgeordneten: je zur Hälfte aus direkt Gewählten (per Erststimme) und den via Liste gewählten Kandidaten (per Zweitstimme). In der Praxis votieren viele Wähler mit Erst- und Zweitstimme aber für verschiedene Parteien. Vor allem größere Parteien wie SPD und Union gewinnen daher in den Wahlkreisen oft mehr Direktmandate, als ihnen nach ihrem bundesweiten Zweitstimmenergebnis zustehen. Sie haben dann sogenannte Überhangmandate. Das heißt: Der Bundestag hat mehr als 598 Abgeordnete – in der zu Ende gehenden Wahlperiode waren es 620. Bisher wurden Überhangmandate nicht ausgeglichen, sodass diese Parteien einen Vorteil hatten. Am Sonntag ist das nun erstmals anders: Hat eine Partei ein Überhangmandat, bekommen alle anderen in den Bundestag einziehenden Parteien so viele Ausgleichsmandate, bis das exakte Kräfteverhältnis wieder hergestellt ist. Damit wird der nächste Bundestag aber noch größer als der bisherige.