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Zweckhamer kämpfen weiter gegen Baulandausweisung

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Durch die Entwicklungssatzung könnten in Zweckham sechs bis acht neue Häuser entstehen, und zwar auf der freien Fläche zwischen den bestehenden Häusern. (Foto: Georg Unterhauser)

Traunreut – Die große Mehrheit der Zweckhamer Bürger kämpft weiter verzweifelt gegen eine Baulandausweisung in Zweckham. Nachdem der Billigungsbeschluss des laufenden Bauleitverfahrens im Bauausschuss mit 6:5 Stimmen zwar positiv, aber äußerst knapp ausgefallen ist, hoffen die Bedenkenträger, dass der Stadtrat die Entwicklungssatzung doch noch kippen könnte. »Wir können nur hoffen, dass der Stadtrat den Bauausschuss überstimmt, damit unser Dorf doch noch erhalten bleibt«, erklärten die Sitzungsbesucher aus Zweckham am Rande der Bauausschusssitzung gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.


Die Zweckhamer, die Einspruch gegen eine Ausweisung eingelegt haben, können nicht nachvollziehen, dass das Verfahren trotz der massiven Einwände der Anlieger fortgeführt wird, zumal es wegen eines einzigen Antragstellers eingeleitet worden ist, der auf seinem Grundstück Bauland ausweisen möchte. »Es beschäftigt uns einfach, dass einer Recht kriegt und alle anderen nicht zählen«, bedauerte Lydia Vodermayer.

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Vorhaben auf Kosten der Steuerzahler?

Josef Parzinger kritisierte, dass das Vorhaben auf Kosten aller Traunreuter Steuerzahler ausgetragen werde. »Wer zahlt denn das vom Wasserwirtschaftsamt geforderte 50 000-Euro-Gutachten? Wir, die Steuerzahler«, schimpfte der Landwirt. Nicht stehen lassen wollte er die schriftliche Beurteilung des ehemaligen Landwirts Herbert Strohmayer, dass die zwei noch aktiven Landwirte, zu denen auch Parzinger gehört, zumindest mittelfristig auch noch auslaufen werden. »Ich habe gerade in meinen Hof investiert«, stellte Parzinger klar.

Strohmayer, der sich klar für die Satzung ausspricht, unterstützt auch die Argumente seines Nachbarn, auf dessen Wunsch hin das Verfahren eingeleitet worden ist. Er befürchtet, dass die Einwohnerstruktur in Zweckham schon in naher Zukunft völlig überaltert sein werde. Bereits heute seien die Bewohner durchschnittlich knapp 50 Jahre alt. Nur eine vernünftige Ansiedlung junger Menschen, vor allem junger Familien, könne dieser Entwicklung entgegenhalten. In seinen Augen gehe dabei der Dorfcharakter nicht verloren. »Die größeren Probleme sehe ich hierbei bei den Zweckhamern selbst, zunehmende Überalterung und Egoismus«, heißt es in seinem Schreiben an die Stadtverwaltung.

Die Bedenkenträger hingegen befürchten, dass eine zusätzliche Bebauung die Entwicklung der landwirtschaftlichen Betriebe einschränken könnte und sich durch eine zunehmende Versiegelung die bestehende Hochwasserproblematik in der Ortsdurchfahrt verschärfen könnte. Sie mahnen auch an, dass die Entwicklung negative Auswirkungen auf den Dorfcharakter haben könnte und kritisieren die Zersiedelung der Landschaft.

»Fremde« sollen Idylle nicht zerstören

Laut ihren Angaben gibt es in Zweckham sieben landwirtschaftliche Anwesen, von denen zwei Landwirte noch aktiv seien, sowie vier weitere Wohnhäuser. Diese Idylle solle durch Zuzüge und »Fremde, die sich aufregen, wenn mal ein Gockel kräht«, nicht zerstört werden. »Wir wollen ein kleiner Ort bleiben«, fordert Christian Vodermayer.

Massive Bedenken melden sie auch wegen des Grundwasserschutzes an. Die kleine Ortschaft, die nicht an den städtischen Kanal angeschlossen ist, liegt im wasserwirtschaftlichen Vorranggebiet für Trinkwasser. Um die Grundwasserüberdeckung zu gewährleisten, fordert das Wasserwirtschaftsamt im Rahmen des Verfahrens ein umfangreiches Gutachten, das bis zu 50 000 Euro kosten könnte.

Diese Bedenken teilte auch Paul Obermeier (FW): »Zweckham liegt im Vorranggebiet für Trinkwasser, es gibt keinen Kanal und für die Landwirtschaft wird es eher schwieriger.« Josef Winker (Bürgerliste) schickte die gleichen Argumente nach und regte an, die Finger davon zu lassen. Auch Herbert Kusstatscher (SPD) kann sich wegen des Trinkwasser-Vorratsgebiets mit einer Ortsabrundung nicht anfreunden.

Nachdem die Stellungnahmen der Behörden und die Einwände der Privatpersonen in einer vorangegangenen Sitzung schon einmal »durchgeackert« worden waren, wie Bürgermeister Klaus Ritter sagte, wurde auf eine erneute »Lesestunde« verzichtet. Dennoch musste der Bauausschuss zu jeder Stellungnahme und zu den Einwänden einen separaten Beschluss fassen. Im Zuge der Anhörungen wurden auf Wunsch von Grundeigentümern Teilbereiche aus dem Entwurf herausgenommen beziehungsweise an anderer Stelle festgeschrieben, sodass sich die Entwicklung ausschließlich auf den östlichen Bereich beschränkt.

Durch die Entwicklungssatzung könnten in Zweckham sechs bis acht Häuser gebaut werden. Entscheidend für die Fortführung des Verfahrens war der Billigungsbeschluss, der mit 6:5 Stimmen positiv ausfiel, aber noch vom Stadtrat abgesegnet werden muss. ga

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