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Zuweisung von Rechtholz und Fremdviehauftrieb waren Themen

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Die inzwischen zwei ehemaligen Vorsitzenden des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau (von rechts) Altlandrat und Gründer des Verbandes, Leonhard Schmucker, sein Nachfolger Altlandrat Jakob Strobl, dahinter der amtierende Landrat Hermann Steinmaßl und Geschäftsführerin Maria Stöberl trafen sich bei der Versammlung des Verbands. (Foto: Giesen)

Ruhpolding. Alle Rinder in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sind Tbc-frei. Das berichtete der Vorsitzende, Landrat Hermann Steinmaßl, bei der gut besuchten Versammlung des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau im Hotel zur Post.


Zum ersten Mal präsentierte der Landkreis Traunstein auf Steinmaßls Initiative das Thema »Almwirtschaft« auf der »Grünen Woche« in Berlin, wobei vor allem der gesellschaftliche Auftrag der Almwirtschaft betont wurde. Das Interesse sei sehr groß gewesen, berichtete auch die Geschäftsführerin des Verbandes, Maria Stöberl, nicht zuletzt durch eine Kooperation mit der Bergader Privatkäserei sowie Bezirksalmbauer Josef Sichler aus Grassau, der auch den ersten Preis für das Gewinnspiel organisierte.

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Der Verband der Forstberechtigten im Chiemgau hat rund 800 Mitglieder, davon 550 aus dem Landkreis Traunstein, 250 aus dem Berchtesgadener Land und einige aus anderen Landkreisen.

Geschäftsführerin Maria Stöberl schnitt in ihrem Jahresbericht wichtige Punkte der Arbeit im letzten Jahr an. Seit kurzem ist sie als Sachverständige für Forstrechte in den Beirat des Nationalparks berufen worden, wobei eine Vertretung in diesem Gremium dem Verband der Forstberechtigten schon lange ein Anliegen war.

Stöberl berichtete von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Bayerischen Staatsforsten, des Landwirtschaftsministeriums, des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) und des Verbandes der Forstberechtigten, um wichtige Fragen des Forstrechts zu behandeln. »Die Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe sind für den Verband zum Teil sehr unbe-friedigend«, resümierte Stöberl. Zwar werde künftig ein Mitauftrieb von Fremdvieh bis zu 125 Prozent des Eigenviehs zugelassen (vorher nur 100 Prozent), das aber sei nach Ansicht des Verbands viel zu wenig. Auf Almen, auf denen bereits eine Trennung von Wald und Weide durchgeführt wurde und die Waldweide nur noch eine untergeordnete Rolle spiele, dürfte der Fremdviehanteil überhaupt keine Rolle mehr spielen, so die Geschäftsführerin. Sie zitierte einen Kommentar zum Forstrechtegesetz, der lautet:

»Durch die Befreiung vom Inhalt des Rechtstitels kann der Almberechtigte die Alm und die zusätzliche Rodefläche nach seiner Initiative voll bewirtschaften und ausnutzen, wie wenn sie ein unbeschränktes Eigentum wäre…«. Der ausreichende Viehbestoß sei schließlich in Zukunft für den Erhalt der Lichtweideflächen dringend notwendig, so Stöberl. »Wir werden da nicht locker lassen«, kündigte sie an. Auch über einen früheren Almbestoß, der wegen der klimatischen Veränderungen oft notwendig sei, müsse mit den Bayerischen Staatsforsten verhandelt werden. Dringend empfahl sie allen, die in absehbarer Zeit die Landwirtschaft aufgeben wollten, die Weide-rechte rechtzeitig vorher zu verpachten.

Klage gegen den Freistaat wegen der Windwürfe

Die Berechtigten mit Waldweiderechten im Nationalpark Berchtesgaden sind gegenüber den Berechtigten außerhalb des Parks benachteiligt, berichtete Stöberl. Betroffen sind das Gotzental, Seeau und Gotzen. Weil im Nationalpark eine wirtschaftsbestimmte Nutzung der Wälder wegfällt, müssen die Windwürfe in der Waldweide liegen bleiben, sodass besonders die Gotzenalm seit Jahren weitflächig nicht mehr zugänglich ist. Aus dem Kreis der Berechtigten wurde deshalb nun eine Klage gegen den Freistaat Bayern erhoben, so Stöberl. Nach dem Kassenbericht von Sepp Höflinger wurde beschlossen, die Mitgliedsbeiträge, die seit 2001 gleich sind, nicht zu verändern.

Obwohl das Trinkwasser auf den Almen in Traunstein und dem Berchtesgadener Land derzeit einwandfrei ist, hielten Albert Leissner und Helmut Fuchs vom Gesundheitsamt Traunstein einen Vortrag zum Thema »Trinkwasser auf Almen«. Sie legten dar, welche Gefahren der Verunreinigung drohen und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Nach Bundesrecht ist eine Trinkwasserquelle auf der Alm jetzt ein »dezentrales kleines Wasserwerk«, das jährlich untersucht werden muss.

Landrat Steinmaßl beklagte im Anschluss, dass in Deutschland die Bestimmungen der EU immer noch um drei Schritte weitergetrieben würden als verlangt. »Wenn alle Häuser blau angestrichen werden sollen, fragt man in anderen europäischen Ländern 'warum'?, in Deutschland 'bis wann?'«, so Steinmaßl.

Streit um Gewährung von Rechtholz

Eine kontroverse Diskussion entwickelte sich über die Plätze, an denen das Rechtholz von den Staatsforsten zugewiesen wird. Es entstehe immer mehr Unmut darüber, dass zum Teil das Rechtholz in sehr steilen Lagen angewiesen werde, sodass eine Aufarbeitung nur mit Seilhieb möglich sei, sagte die Geschäftsführerin des Verbandes. Sie wies darauf hin, dass die Berechtigten nach den Fixierungsverträgen das Recht haben, das Holz selbst aufzuarbeiten und die Lage außerdem »hofnah« sein müsse. Hier beginne »ein schleichender Prozess« zu Ungunsten der Forstberechtigten, dem entgegengewirkt werden müsse.

Bei den Wortmeldungen bemängelte Hans Aigner, Naderbauer aus Marquartstein und Obmann der Piesenhausener Bauern, die Anweisungspraxis von Rechtholz. Im letzten Jahr sei den Piesenhausener Berechtigten im Bezirk Aschau, 16 Kilometer von Piesenhausen entfernt, ihr Holz zugewiesen worden, heuer ein Platz, wo nur Seilbahnbringung möglich sei. Andererseits habe der Forst selbst im letzten Jahr sein Holz in unmittelbarer Nähe geschlagen, so Aigner. Forstbetriebsleiter Paul Höglmüller vom Forstbetrieb Ruhpolding, der selbst in Piesenhausen wohnt, bestritt, dass die Forstberechtigten »in Steillagen abgedrängt« würden. Es sei nicht so, wie auch von Stöberl behauptet, dass die Berechtigten grundsätzlich nur in Hofnähe und den besten Lagen ihr Holz zugewiesen bekommen müssten. Forst und Berechtigte seien vielmehr gleichgestellt, betonte Höglmüller. Etwa jedes dritte Jahr müsste auch Holz von Steillagen akzeptiert werden. Er habe von vielen Berechtig-ten auch gute Rückmeldungen über die Zuweisung des Recht-holzes bekommen.

Bernhard Haberlander aus Ruhpolding warnte davor, die Seilbahnbringung über ein privates Konto abzuwickeln. Außerdem befürchtete er bei der Seilbahnbringung wegen der neuen Bestimmungen zum Mindestlohn weitere Nachteile für die Berechtigten. Andreas Stanggassinger aus Berchtesgaden sagte zu den Auseinandersetzungen beim Rechtholz, dass »alles mit dem Persönlichen« (sprich Vetternwirtschaft und Beziehungen) zu tun habe. Michael Votz kritisierte, dass die Ausübung der Laubrechte nicht aufgeschrieben würde. Ein Vertreter des Staatsforsts antwortete, dass die Ausübung dieser Rechte nur noch so selten vorkomme, dass meistens nichts aufgeschrieben würde. Wenn der betroffene Berechtigte das Aufschreiben wolle, solle er sich an den Revierleiter wenden.

Gute Förderung der Almwirtschaft

Der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Georg Mair, berichtete von verschiedenen Verbesserungen für die Almbauern, die erreicht worden seien, so die Verbesserung der Weideprämie und der neuen Förderung für die Behirtung auf nicht erschlossenen Almen sowie der Steilhangmahd. Wenn auch die Rauhfutterfresserprämie über die EU nicht habe erreicht werden können, stehe die Förderung der Alm- und Bergwirtschaft heute so gut da wie nie vorher, so Mair.

In seinem kurzen Grußwort gratulierte Bürgermeister Claus Pichler zu den intensiven Aktivitäten in Sachen der Forstberechtigten durch Maria Stöberl und Hermann Steinmaßl und riet eindringlich, bei der »Interessenvertretung nicht nachzulassen«. Abschließend wies Stöberl darauf hin, dass die Versammlung der Forstberechtigten im kommenden Jahr bereits im Februar sein wird. gi