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Zustimmung unter Protest

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Noch ist die künftige Kinderkrippe eine Baustelle, im Juli soll sie aber fertig sein. Um keinen Baustopp zu riskieren, hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, Mehrkosten zu übernehmen. (Foto: vom Dorp)

Übersee. Wieder eine bittere Pille für Übersee: Bereits zum zweiten Mal hat das zuständige Münchener Architekturbüro dem Gemeinderat eine Liste mit Kostensteigerungen für die Sanierungs- und Umbaumaßnahmen in der Kinderkrippe präsentiert. Neben der Vermutung einer schlampigen Kostenkalkulation vor Baubeginn, stieß den Räten in der jüngsten Sitzung besonders sauer auf, dass der Architekt »aus Termingründen« für eine Erklärung der Mehrkosten in der Sitzung nicht zu sprechen war. »Zähneknirschend« und »aus Vernunftsgründen« stimmte das Plenum schließlich mehrheitlich dafür, die Kostensteigerung von 821 500 auf 879 000 Euro zu übernehmen.


Offensichtlich wurde geschlampt

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Von Anfang an unter keinem guten Stern stand die Zusammenarbeit der Gemeinde mit dem Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats München, dem offiziellen Bauherrn, und dem ausführenden Architekten. Wegen deutlich zu hoher Kosten hatte der Gemeinderat schon den Kindergarten-Neubau erst im dritten Anlauf – nach einem finanziellen Entgegenkommen des Bauherrn – genehmigt. Im weiteren Verlauf waren bei dem 1,9-Millionen-Euro-Objekt dann Mehrkosten von 92 000 Euro entstanden, unter anderem weil man Grundleitungen bei der Planung und Kostenkalkulation »übersehen« hatte.

Auch bei der Kostenkalkulation für den Umbau des Kindergarten-Altbaus in eine Krippe war offensichtlich geschlampt worden, denn bereits im vergangenen Dezember hatte die Gemeinde unerwartete Mehrkosten von 55 000 Euro schlucken müssen. Als Begründung waren damals »erforderliche Zusatzmaßnahmen aufgrund behördlicher Auflagen« angegeben worden.

Die jetzigen Kostensteigerungen begründete der Architekt damit, dass das Dach für eine höhere Schneelast nachgerüstet gehört. Bei der Prüfung der Gegebenheiten vor der Planung sei der Dachboden mit diversen Utensilien zugestellt und somit eine genaue Beurteilung nicht möglich gewesen.

Bei der Erklärung der einzelnen neuen Rechnungsposten wies Übersees Bürgermeister Marc Nitschke in der Gemeinderatssitzung darauf hin, dass man nunmehr versucht habe, bei anderen Maßnahmen zu sparen. So habe man die Lüftung mit Wandschrank gegen eine Wandlüftung ausgetauscht und damit rund 10 000 Euro sparen können. Nach Feststellung der Gemeinderäte sei dieser Betrag eigentlich noch den jetzigen Mehrkosten von 57 200 Euro hinzuzurechnen.

Was Gemeinderat Anton Stefanutti (Grünen) am meisten empörte, waren die angesetzten Honorarkosten für die »Nachtragsbearbeitung« von rund 17 200 Euro. Auch Hans Schönberger (Freie Bürgerliste, FBL) kam das »spanisch« vor. Leo Segin (CSU) nannte es »unverschämt«, dass der Architekt es nicht für nötig erachtet, zur Sitzung zu erscheinen und sich zu erklären.

»Das Schlimmste ist, dass uns das Ordinariat diesen Architekten vorgesetzt hat und wir uns nicht wehren können, sondern immer nur zahlen müssen«, befand Paul Reichl (CSU). Er plädierte dafür, wenigstens ein Zeichen zu setzen und nicht zuzustimmen und darüber hinaus das Ordinariat über die Arbeitsweise seines Architekten zu informieren. Die Folgen einer Ablehnung verdeutlichte Nitschke: »Es käme zunächst zu einem Baustopp und außerdem wären wir vermutlich schadensersatzpflichtig, weil wir die bereits gebuchten Krippenplätze nicht anbieten könnten.«

«Eine große Verärgerung ist da«

Um keinen Baustopp zu riskieren, schlugen die Gemeinderäte Michael Rudroff (FBL) und Wolfgang Hofmann (Bayernpartei) vor, die nötigsten Finanzmittel für die Baufortführung bereitzustellen und den Rest bis zu einem klärenden Gespräch mit dem Architekten einzubehalten. Eine pragmatische Lösung hatte Dieter Schöneburg (SPD) im Auge: »Wir werden um eine Zahlung nicht herumkommen.« Ähnlich sah es Stefanutti, »obwohl eine große Verärgerung da ist«.

Schließlich sprach sich auch Bürgermeister Marc Nitschke dafür aus, die Mehrkosten zu schlucken. »Wir sparen uns einen Haufen Ärger. Für die »Vernunftlösung« stimmten schließlich elf Gemeinderäte, vier waren dagegen. bvd

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