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Zuschuss fürs »Kulturhaus Chiemgau«

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Foto: Bauer

Traunstein – Mit einer Förderung des Kulturhauses Chiemgau tut sich die Stadt schwer. Das wurde sowohl im Kultur- als auch im Finanzausschuss deutlich. Zwar einigten sich die Ausschussmitglieder, der neuen Kultureinrichtung in der unteren Stadt für das laufende Jahr eine Vorauszahlung von 20 000 Euro zu gewähren, eine Gleichbehandlung mit dem Nuts wollte die Mehrheit jedoch nicht. Das Nuts bekommt jährlich einen Zuschuss von 65 000 Euro.


Für eine Gleichbehandlung sei es zu früh, machte Oberbürgermeister Christian Kegel im Kulturausschuss deutlich. Mit dem Zuschuss könne man ein wenig Zeit gewinnen, um zu sehen, wie sich das Kulturhaus entwickle. Ein wirklicher Vergleich sei erst möglich, wenn man die Betriebsergebnisse der beiden Theaterbetreiber gegenüberstellen könne, hatte zuvor bereits Ilona Koch von der städtischen Finanzverwaltung dargestellt.

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Im November 2015 hatte der Surberger Schauspieler Max Berger in dem alten Vereinshaus in der unteren Stadt das »Chiemgau Theater« gegründet mit dem Ziel, professionelles Sprech- und Tanztheater anzubieten. Allerdings wurde ihm als Pächter der finanzielle Druck zu groß. Deshalb änderten sich heuer im März der Name und auch das Konzept: Aus dem »Chiemgau Theater« wurde das »Kulturhaus Chiemgau« und neben Theater werden seither unter anderem auch Konzerte und Kabarett angeboten. Weitergeführt wird das Projekt jetzt von der Besitzerin des historischen Gebäudes, Kerstin Gassdorf.

Im Juni hatte das Kulturhaus eine Förderung in Höhe von 90 000 Euro für 2016 beantragt. Die Betreiberin rechnet bis Jahresende mit einem Defizit von 120 000 Euro. Der Antrag war im Kultur- und Sportausschuss zurückgestellt worden, da noch Beratungsbedarf bestand.

Einig waren sich die Ausschussmitglieder aber auch gestern nicht. Kulturreferentin Ursula Lay (UW) meinte: »Ich tu' mich schwer, wenn Bürger auf mich zukommen und mich fragen, warum wir solche Unterschiede machen.« Ein Betriebsergebnis läge oftmals doch erst Mitte des kommenden Jahres vor. Kegel warf ein, dass die Stadt dem Kulturhaus bereits die Parkplatzablöse in Höhe von gut 96 000 Euro gestundet habe.

Uwe Steinmetz (UW) setzte sich grundsätzlich für eine Gleichbehandlung der Theaterbetreiber ein. Gleichheit könne man schaffen, »wenn wir die Mieten ins Auge fassen« und diese bezuschussen. Und was, wenn es dann auch noch ein drittes Theater in der Stadt gebe, entgegnete Kegel. Auch in diesem Fall müsste Gleichheit geschaffen werden, so Steinmetz.

Für Robert Sattler (SPD) sind beide Betriebe »im Moment nicht vergleichbar«. Das eine laufe bereits 17 Jahre, das andere seit März. Beim Nuts gebe es noch 58 Veranstaltungen bis Jahresende, beim Kulturhaus bislang nur zehn. Außerdem hätte auch das Nuts die ersten drei Jahre keine Förderung bekommen. Die Stadt solle sich das zunächst noch ein bisschen anschauen.

Stephan Hadulla (Grüne) haderte mit der Konzeptänderung des Kulturhauses. Er habe das reine Sprech- und Tanztheater zuvor interessanter gefunden. Zwei konkurrierende Unternehmen zu fördern, »finde ich ungünstig«.

Nach den Beratungen in den Ausschüssen wird sich der Stadtrat am Donnerstag erneut mit dem Thema befassen. Kultur- und Finanzausschuss stimmten bei jeweils einer Gegenstimme dafür, dem »Kulturhaus Chiemgau« 20 000 Euro für das laufende Jahr als Vorauszahlung zu leisten und dann, wenn ein Betriebsergebnis vorliegt, über eine weitere Defizitübernahme zu beraten.

Wie Betreiberin Kerstin Gassdorf im Anschluss an die Sitzung betonte, wolle das Kulturhaus keine Konkurrenz zum Nuts sein. Die Theaterprojekte und auch das beliebte Kinder- und Jugendensemble seien jetzt allerdings auf Eis gelegt, solange die Zuschüsse nicht klar seien. »Wenn die Stadt nicht hinter uns steht, tun wir uns auch schwer, Sponsoren zu gewinnen.« ka