weather-image
14°

Zusammenfassung des Tages: Schlechinger Ortsteil Raiten wegen Lawinengefahr geräumt

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Dieses Foto vom Hochplattenhang hat uns unser Leser Florian Lutz geschickt. Die Abrisskante und auch ein abgegangenes Schneebrett am rechten Bildrand sind gut zu erkennen.

Trotz Wetterbesserung spitzt sich die Situation im Landkreis Traunstein weiter zu: Am Mittwoch wurde der Schlechinger Ortsteil Raiten wegen akuter Lawinengefahr von den Einsatzkräften geräumt. Etwa 230  Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen und wurden in Notunterkünften untergebracht.


Landrat Siegfried Walch sagte am Mittwoch in einer Stellungnahme im sozialen Netzwerk Facebook: »Es gibt in fast allen Orten eine deutliche Entspannung der Lage.« Flächendeckend habe sich die Situation entspannt. Dennoch gebe es nach wie vor zwei Einsatzschwerpunkte: Raiten bei Schleching und Reit im Winkl. Bereits am Mittwoch wurde damit begonnen, die Dächer der Gebäude auf der Winklmoosalm von der Schneelast zu befreien, dazu wurden Soldaten eingeflogen. Auch am Donnerstag sollen noch weitere Einsatzkräfte in das Almengebiet geflogen werden. »Gott sei Dank haben wir die Transportkapazitäten der Bundeswehr und gutes Flugwetter«, so Walch.

Anzeige

Besonders schwierig war die Lage am Mittwoch in Raiten, da von den Hängen der Hochplatte eine hohe Lawinengefahr ausging. »Das macht man nicht gerne, aber wir haben uns für eine Räumung entschieden«, so der Landrat in seinem Statement. Ab den Mittagsstunden wurden alle Kapazitäten gebunden, denn die Räumung hatte laut Walch »oberste Priorität«. Es besteht die Gefahr, dass der Ortsteil von einer Staublawine getroffen wird. Wie der Landrat zusätzlich in einem Radio-Interview sagte, sei an dieser Stelle vor einigen Jahren schon einmal eine Lawine abgegangen. Diese habe kurz vor den Häusern gestoppt. Doch heuer liege mehr Schnee. »Die Lage ist nochmal schärfer.« So lange die Lawinengefahr so hoch ist, soll Raiten geräumt bleiben.

Die Bürger wurden vorübergehend im Feuerwehrhaus in Unterwössen untergebracht und dort registriert. Die Stimmung sei gut gewesen, wie unser Ortsberichterstatter Ludwig Flug mitteilte. Am Abend durften einzelne Bürger vorübergehend zurück nach Raiten, um ihre Tiere auf den Höfen zu versorgen. Für die Nacht haben die meisten Bürger Zuflucht bei Freunden oder Verwandten gefunden.

Nach Auskunft des Landratsamts wollte sich die Lawinenkommission nach erfolgreicher Räumung ein Bild von der Lage vor Ort machen. Wie es dann weitergeht, zum Beispiel, ob es zu einer kontrollierten Lawinensprengung kommt, stand bei Redaktionsschluss für diese Ausgabe noch nicht fest. Unklar ist derzeit auch, wann die Bürger zurück in ihre Häuser dürfen.

Mit den Widrigkeiten des Schneechaos' in Reit im Winkl hatte am Mittwoch auch Jeannette Lorenz zu kämpfen, Pächterin der Traunsteiner Hütte auf der Winklmoosalm. Wie sie unserer Zeitung am Telefon erzählt, hat die Versorgung der rund 70 Eingeschlossenen bisher sehr gut funktioniert. Lebensmittel von Lieferanten wurden mit der Gondel ins Almengebiet gebracht, auch die Bewohner konnten diese nutzen, um ins Tal und wieder nach oben zu gelangen. Wenn der Skibetrieb eingestellt war, waren stets drei Notgondeln im Einsatz – selbst bei schlechtestem Wetter und starkem Wind. »Wir kamen immer rauf und runter.«

Am Mittwoch fuhr die Gondel nicht mehr, auch die Straße zwischen Seegatterl und Reit im Winkl wurde gesperrt. »Ich sitze hier in Seegatterl fest«, so die Hüttenwirtin – die wegen eines frisch operierten Knies eigentlich nach Ruhpolding zur Physio musste. Ein Transport in die Gemeinde oder zurück zur Hütte sei nicht mehr möglich, wurde ihr auf Nachfrage mitgeteilt; sie müsse sich selbst kümmern und sich zum Beispiel ein Schneemobil organisieren. »Man kann doch nicht die intakte Versorgung sperren«, ist Jeannette Lorenz verärgert.

Ebenfalls gesperrt ist seit Mittwoch die Bundesstraße 305 zwischen Oberwössen und Reit im Winkl – der sogenannte »Masererpass«. Nur noch Einsatzkräfte und Ortsansässige dürfen die Straße passieren. Grund dafür ist, dass derzeit der Wintertourismus in Reit im Winkl anläuft, die Einsatzkräfte jedoch freie Straßen brauchen, da sie oft mit schwerem Gerät unterwegs sind, wie das Landratsamt auf unsere Nachfrage mitteilte.

Insgesamt waren am Mittwoch wieder rund 1300 Kräfte im Landkreis Traunstein im Einsatz – allein 500 in der Gemeinde Reit im Winkl. 170 Feuerwehler und THW-Einsatzkräfte aus dem Landkreis Eichstätt, die schon seit Tagen in Reit im Winkl die Dächer von den Schneemassen befreien, sind in der Grabenstätter Grundschule untergebracht. Für sie wurden dort Feldbetten aufgestellt.

Gute Nachrichten gibt es aus dem Berchtesgadener Land: Im Einsatzabschnitt Nord, zu dem Neukirchen und Schneizlreuth gehörten, herrscht kein Katastrophenalarm mehr. Dort wurden inzwischen alle kritischen Dächer geräumt. Das teilte das Landratsamt in Berchtesgaden mit. Für die übrigen fünf Gemeinden des Einsatzabschnitts Süd gilt aber weiterhin der Katastrophenfall.

Auch zahlreiche Straßen sind freigegeben: Die B 305 ist wieder in beiden Richtungen zwischen Inzell und Weißbach befahrbar, da die Sperre im Bereich Gletschergarten aufgehoben wurde. Auch die B 21 ist in beide Richtungen zwischen Unterjettenberg und Bad Reichenhall für den Verkehr offen. Damit ist das sogenannte »Kleine deutsche Eck« wieder befahrbar. jal