weather-image
26°

Zum Warmwasser kommt nun noch der Strom

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Ein Blick auf die Geothermieanlage: Das Blockheizkraft in dem kleinen Gebäude rechts ist neu gebaut worden und versorgt die Anlage mit Strom. (Foto: H. Eder)

Traunreut. Die Stadt Traunreut bekommt seit Februar Wärme vom geothermischen Kraftwerk bei Weisbrunn geliefert – mit Hilfe des heißen Wassers, das dort aus rund 4500 Metern Tiefe hochgefördert wird. Die Lieferung von Fernwärme ist der erste Schritt des Geothermie-Projekts, die Arbeiten für Teil zwei beginnen jetzt: Die Erdarbeiten für das Kraftwerk, das dann auch elektrischen Strom liefern soll, starten demnächst. Ab Januar 2016 soll von Weisbrunn aus Strom ins Netz der E.ON Bayern AG geliefert werden. Das Kraftwerk wird von der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut mbH (GKT) realisiert.


Monatelange Sondierungen

Anzeige

Damit wäre dann – wenn alles nach Plan läuft und so sieht es derzeit aus – eine viereinhalbjährige Bauzeit abgeschlossen. Dieser waren monatelange Sondierungen vorausgegangen, um herauszufinden, ob sich die Situation im Untergrund hier überhaupt für Geothermie eignet. Das sei in der Tat der Fall, bestätigen die beiden Geschäftsführer der Geothermischen Kraftwerksgesellschaft Traunreut, Klaus-Dieter Giese und Maximilian von Grundherr. Die Testarbeiten seien sehr erfolgreich gewesen, die Ergebnisse hätten alle Zweifler beruhigt. Lediglich das Wasser aus der Tiefe war ein paar Grad weniger heiß als erwartet (wir berichteten).

Zunächst stehen jetzt die Baumaßnahmen für das Stromkraftwerk an. Der Zaun um das Gelände ist fertig, Abgrabungen im Hang im hinteren Grundstücksteil stehen als nächstes bevor. Für diese Phase II des Geothermie-Projekts ist ein Generalunternehmer bestellt. Bis zum Winter soll das Betriebsgebäude zumindest unter Dach sein, mit der Technik ist teilweise schon begonnen worden; die Verrohrung für Teile des Kraftwerks wurde schon bei den bisherigen Aufbauten für die Heizzentrale berücksichtigt. Weitere große Bauten neben dem Betriebsgebäude entstehen auf dem gut zwei Hektar großen Gelände nicht mehr. Vielmehr wird die Technik weitgehend oberirdisch im Freien untergebracht.

Derzeit ist, wie die Geschäftsführer und auch Betriebsführer Rochus Huber übereinstimmend erklären, wenig zu tun. Die Arbeiten für das Stromkraftwerk sind noch nicht so richtig angelaufen, die Lieferung von Warmwasser ruht derzeit. Die lange Testphase für die Zirkulationstests ist jetzt beendet und die Umstellung auf den Dauerbetrieb der Fernwärme läuft. 7500 Megastunden an Fernwärme sind im ersten Halbjahr 2014 bereits an die Stadt abgegeben worden, berichten die Geschäftsführer; das bedeutet eine Thermalwasserförderung im ersten Schritt der Testphase von 60 Liter pro Sekunde und 160 Liter pro Sekunde im zweiten Schritt. Insgesamt ergab das, wie sich an der Messuhr ablesen ließ, eine Menge von über 636 000 Kubikmetern Wasser.

Die Kapazität könnte aber noch deutlich größer sein: 180 Liter pro Sekunde wären möglich, die aktuelle Bewilligung ist für 165 Sekundenliter ausgesprochen, könnte aber durchaus noch bis zum Maximum erhöht werden. Die Fernwärme wird der Stadt bei einer Temperatur von rund 100 Grad Celsius geliefert, die Stadtwerke können je nach Bedarf Wärme aus der Geothermieanlage beziehen und an die Industrie- und Privatkunden im Stadtgebiet liefern.

Die Funktionsweise des Heizkraftwerks ist wie folgt: Aus der Bohrung Nummer eins wird rund 118 Grad heißes Thermalwasser mittels Pumpe gefördert. Nachdem diesem Wasser mit Hilfe von Wärmetauschern Energie entzogen wurde, fließt es, auf rund 55 Grad abgekühlt, wieder über die zweite Bohrung in die Kalksteinschicht zurück. Somit wird kein Thermalwasser entnommen – der Kreislauf ist geschlossen.

80 Millionen Euro investiert

Die Geschäftsführer Klaus-Dieter Giese und Maximilian von Grundherr sind von ihrem Konzept regenerativer Energieerzeugung überzeugt. Das Wärmekraftwerk habe einen Wirkungsgrad von fast 100 Prozent, bekräftigen sie, das Stromkraftwerk von zwölf Prozent. Im Gegensatz etwa zu Wind- oder Solarenergie laufe die Geothermie das ganze Jahr über – abgezogen werden müssen dabei etliche Hundert Stunden für Revisionsarbeiten. Bei Sonne oder Wind rechne man mit rund 2000 Jahresstunden Stromproduktion, bei der Geothermie seien es über 8000. Einen guten Wirkungsgrad hat auch die eigene Stromerzeugung: Diese läuft nämlich über ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk, das im Juli in Betrieb gegangen ist.

Das alles kostet natürlich Geld. Wenn alles so weit ist, dass neben der Wärme auch Strom produziert wird, werden 80 Millionen Euro investiert sein, sagt Geschäftsführer von Grundherr. Bis jetzt habe man rund 55 Millionen Euro ausgegeben. he