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»Zum Schutz der Heimat«: Traktoren, soweit das Auge reicht

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»B 20 – nicht hier« sagen die Bauern. Hier bei Froschham zeigen sie die Höhe der Aufschüttungen und Böschungen. (Foto: Höfer)

Laufen – Mit 73 Traktoren demonstrierten die Laufener Bauern gegen die geplante Verlegung der Bundesstraße 20. Mit ihren Gespannen zeigten sie den geplanten Verlauf der künftigen Umgehung quer über ihre Wiesen und Felder von Froschham bis Lepperding.


Laufen war mit geschätzten Kosten von sieben Millionen Euro für eine bahnparallele neue B 20 in den Bundesverkehrswegeplan gekommen. Inzwischen liegt aber die Kostenschätzung für die ortsferne sogenannte Naturland-Trasse, bei gut 27 Millionen Euro. Den Wünschen nach einer Tunnellösung entlang der Bahn hatte man aus Kostengründen eine Absage erteilt, später auch aus technischen Erwägungen.

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Selbst Leitender Baudirektor Sebald König hatte ursprünglich von einer ortsfernen Trasse abgeraten: Man werde keine zweite Durchschneidung bauen. Auch Planer Wolf Steinert hatte zunächst vor einer solchen Entwicklung gewarnt, denn er wisse um die Begehrlichkeiten für Gewerbegrund entlang solcher Ortsumfahrungen. Verschiedene Trassen waren untersucht worden – mit unterschiedlichem Flächenverbrauch, aber auch unterschiedlicher Verkehrswirkung. Am Ende fiel die Entscheidung 2008 im Stadtrat zugunsten der Variante über die Wiesen – Befürworter vermieden den Begriff »Naturlandtrasse« mit Verweis auf die Maisfelder. Bauern, der Verein »Pro Naturland« und Bewohner umliegender Ortschaften sprechen von »Verkehrswahn« und einer »Zerstörung der Natur«. Dass hier eine Zerschneidung passiert, bestreiten selbst die Befürworter nicht, verweisen jedoch auf die starke Belastung der jetzigen Anwohner und den gefährlichen Lkw-Verkehr in der Stadt. Der könnte mit der neuen Straße um bis zu 83 Prozent verringert werden. Bei Autos rechnen die Verkehrsplaner nur mit bis zu 55 Prozent Reduktion. Das Innsbrucker »Büro für Verkehrs- und Raumplanung« kalkuliert mit einem jährlichen Verkehrszuwachs von 2010 bis 2030 um 0,75 Prozent, insgesamt also etwa 16 Prozent. Dagegen verringerte sich der Auto-Verkehr an der Zählstelle Mayerhofen in den Jahren 2011, 2012 und 2013 um 1,4, um 2,6 und 2,6 Prozent. Der Lkw-Verkehr stieg 2012 noch um 1,5 Prozent, verringerte sich jedoch 2014 um 3,2 Prozent.

Enttäuscht sind die Trassengegner von der Bürgerversammlung vergangene Woche. Bei einer Abstimmung sprachen sích die Besucher gegen eine Erörterung der Planung aus. »Für viele ist das nur ein Strich in der Landschaft«, sagt Thomas Resch, Landwirt und Stadtrat aus Oberheining, »sie haben keine Vorstellung von den tatsächlichen Auswirkungen, von den hohen Dämmen und den dreispurigen Abschnitten.«

Mit der Aktion wollten die Bauern die Bürger »sensibilisieren« – übrigens nicht nur die örtlichen Bauern. Unterstützung kam auch aus den Nachbargemeinden. »Solidarität mit jenen, die um ihre Existenz kämpfen«, freut sich Resch. Er und seine Mitstreiter sind mehr als zufrieden mit der Aktion und den »positiven Rückmeldungen«. »Die Stadt sollte erkennen, dass hier etwas falsch gelaufen ist«, fasst Resch seine Sicht zusammen. Bis zum Freitag ist noch Zeit für Einwendungen zum laufenden Planfeststellungsverfahren. höf