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»Zum Heiraten, da braucht's a Schneid«

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Wenn plötzlich die alte Liebschaft da steht und eine frohe Botschaft überbringt, dann braucht es schon viel Liab, bei dem Eheversprechen zu bleiben.
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Aber Merkwürden Don Promillo ließ keinen Zweifel aufkommen – jetzt werd g'heirat! (Fotos: Zehentner)

Kirchanschöring – Die Crème de la Crème von Kirchanschöring und Umgebung war zusammengekommen, um einem Ereignis – das in der Geschichte des Rupertiwinkels seinesgleichen sucht – beizuwohnen. So nahm der überglückliche Blasius Miastädadone seine Zille Ibidum zu seinem holden Eheweibe. Hunderte Besucher erlebten die ortstypische Mischung aus Romantik mit einem Hauch Misthaufen-Erotik mit.


Dabei wäre die Trauung um ein Haar überhaupt nicht zustande gekommen, woran dann aber keinesfalls das Brautpaar schuld gewesen wäre, sondern der hochverehrte Merkwürden Don Promillo, der im Verlauf einer fröhlichen Hasenjagd schlichtweg die Zeit übersehen und dann auch noch bei der Anfahrt mit dem Rad am Eck bei der Lampodinger Fakkefarm ein entlaufenes Huhn überfahren hat. Auch seine Eingangsformel »zum Paradies mögen Engel dich geleiten!« schien da zunächst nicht recht zu den Erwartungen der zahlreichen illustren Hochzeitsgäste zu passen. Dank des umsichtigen Hochzeitsladers (»hörst auf, des is ja von da Leich!«) konnte aber dann doch noch die eigentliche Trauung ihren wie erwartet ausgesprochen fröhlichen Lauf nehmen.

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Endlich ganz bei der Sache, führte der Herr Pfarrer von nun an die Trauung mit strengem Regiment fort. Die Lesung durfte einer der vielen feschen und andächtigen Ministranten vortragen. Beim Evangelium, bei dem die Messdiener ganz offensichtlich kurz die Unlust plagte, waren die weisen Worte des Hochwürden Balsam für eine jede Seel. Heißt es an dieser Stelle doch: »Denn in der Not, frisst der Bauer as Fleisch auch ohne Brot!«.

Mit hoheitlichen Schritten, einem gar lieblichen Lächeln und mit ordentlichem Holz vor der Hüttn betrat sodann die Fürbittenleserin den Altarraum. Die von Gott gegebene glockenhafte Stimme, die sich förmlich in das Trommelfell eines jeden Hochzeitsgastes einbrannte, ließ sodann alle Kirchgänger andächtig schweigen.

So las sie unter anderem Fürbitten wie: »Oh Herr, schenke unserem Versicherungsvertreter einen Kreisverkehr in Kirchstein, damit seine Versicherungsprämie nicht ins unermessliche steigen mag«, »lass den Traum des Sportvereins zum Aufstieg in die erste Bundesliga weiterhin bestehen«, »schenke unserem Bürgermeister eine Mitgliedskarte für den Rasenmäherclub Tettenhausen oder zumindest den nötigen Strom, um sein Elektro-Kettcar sowie seinen Elektrorasierer gleichzeitig zu betreiben« und »nimm den Kirchengängern die Angst vor langbärtigen, schwarzen Kuttenträgern auf heranbrausenden Quads. Das ist kein Taliban-Angriff, sondern nur unser Pfarrverbandschef, der wieder mal zu spät dran ist!«

Mit einfühlsamen Worten auf die Tragweite des bevorstehenden Ehegelöbnisses hin: »Jetzt wird's ernst und ihr brauchts a Schneid!« an die hübsche Braut gewandt, fragte der Gottesdiener schließlich, ob sie ihren »den im Saudrog geborenen, unterbutterden, saukasigen« Blasius Miastädadone zu ihrem Manne nehmen wolle. Um ihm zu dienen und sich ihm hinzugeben. Nach einem ausgesprochen damenhaft gehauchten »N…Ja!« seitens der rührseligen Braut sagte auch der Bräutigam »N …Ja« zu seiner »hinterm Mishaufen geborenen, sauschweren, a Gestell wia a drei moi zamgschwoassene Luftpumpn« Zille Ibidum.

Einen kleinen Eklat gab es, als dem Bräutigam von einer früheren Liebschaft sein lediges Kind vor die Nase gekarrt wurde. Allerdings entschärfte Blasius die Situation gekonnt und zeigte sogar glücklich über seinen unerwartet hübschen Nachwuchs.

»Ich segne diese Ringe im Namen des Faschings, des Saufens und des geistreichen Treibens« sagte der Hochwürden, schließlich, es endlich zur Ringübergabe kam. Einige Zuschauer, Verwandte und anderes Gschwerl mussten sich verstohlen ein paar Tränen wegwischen, als der vor Kraft strotzende Blasius zu seiner geliebten Braut sagt: »Zille, du dicke Britschn, im Angesicht der besoffenen Gemeinde nimm ich dich als mein Weib.« Da konnte die so angebetete Zille mit weinerlichen Stimme nur noch mit »I mag diesen Ring, ah wenn i a wengal schwara bin« antworten. Und auch die Zille steckte ihrem kasigen Lackl im Angesicht der besoffenen Gemeinde den Kupferdichtungsring an den Finger.

Mit einem Hochzeitszug durch ganz Roth wurde sodann die frohe Botschaft der frischen Vermählung im ganzen Dorf verkündet. Nach einem Hochzeitsfoto kam die ganze Gesellschaft beim Rothlerwirt zusammen um ausgelassen zu feiern. Mit einem Weinstüberl endete die Faschingshochzeit. Und wenn Zille und Blasius noch nicht gestorben sind, dann heißt es auch jetzt noch in beider Namen »Prost beinand«.

Die Hauptdarsteller der denkwürdigen Zeremonie waren: Als Braut Albert Haberlander, als Bräutigam Sarah Pfaffinger, als Hochwürden Heribert Gschirr und als Fürbittenleserin Hubert Weber. kmz

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