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Zukunft des Waginger Bajuwarenmuseums ist ungewiss

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Waging am See – Steht das Waginger Bajuwarenmuseum kurz vor der Schließung? In einer kontroversen Debatte vereinbarte der Gemeinderat, in einer der nächsten Sitzungen darüber zu entscheiden. Dabei ging es zunächst nur um den Abschluss einer Vereinbarung zur Klärung der Eigentumsverhältnisse der Fundstücke aus den bajuwarischen Reihengräbern mit der Archäologischen Staatssammlung und um einen Leihvertrag für Ausstellungsstücke im Bajuwarenmuseum.


Per Gesetz gehören die Funde zur Hälfte dem Finder, also dem staat, dessen Stellen den Schatz geborgen hatten, und zur Hälfte dem Grundeigentümer, also der Marktgemeinde. Die Archäologische Staatssammlung hätte den Fund ganz übernommen, was der Gemeinde für die sichere Verwahrung und Betreuung der Grabbeigaben erhebliche Kosten spart. Das Angebot wurde vom Gemeinderat einstimmig befürwortet.

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Der Gemeinde wurde zugesagt, sich alles, was sie für das Bajuwarenmuseum wünscht, ausleihen zu dürfen. Hier gab es im Rat allerdings Bedenken wegen der notwendigen Versicherung und Gewährleistung bestimmter Temperatur und Feuchtigkeit. Das sei »ein unkalkulierbares finanzielles Risiko«, hieß es in der Stellungnahme der Verwaltung.

Mit Brigitte Haas-Gebhard von der Archäologischen Staatssammlung war dann eine Zusatzvereinbarung ausgehandelt worden. Allerdings wurde im Gemeinderat kritisiert, dass der Originalvertrag nicht geändert werden durfte. Dies sei, wie Geschäftsleiter Franz Röckenwagner erklärte, laut Haas-Gebhard nicht möglich. Doch könne man sich auf die Gültigkeit der Zusatzerklärung verlassen. Man sei damit »der Gemeinde sehr weit entgegengekommen«.

Auf der Basis werde die Gemeinde laut Bürgermeister Herbert Häusl aus München einige Ausstellungsstücke erhalten. Damit könne das Museum zunächst mit weniger Ausstellungsstücken wieder eröffnet werden. Dritte Bürgermeisterin Hedwig Witzleben ergänzte, dass es gelungen sei, vom Bayerischen Fernsehen kostenlos einen Film über die Bajuwaren zu bekommen, der im Museum gezeigt werden könne.

Zunächst kritisierte Christian Reiter, dass die Zusatzbestimmungen in den Leihvertrag nicht eingearbeitet werden dürfen, und fragte, wie es überhaupt mit dem Museum weitergehen solle: »Wir müssen was tun!« forderte er. Wenn man das Museum jetzt mit wenig Material eröffne, seien die Besucher vielleicht enttäuscht, sodass man sich fragen müsse, ob eine Teileröffnung überhaupt Sinn mache. Und es müsse die Frage geklärt werden, ob die Gemeinde in das Museum weiteres Geld investieren solle: »Da fehlt mir noch die Richtung im Gemeinderat.«

Witzleben sagte dazu, dass in Waging am 8./9. Mai am Kurpark ein Bajuwarenfest geplant sei und man dazu auch das Museum aufsperren wolle. Mit Kämmerer Bernhard Kraus und Tourist-Info-Leiterin Eva Kulina habe man unter anderem besprochen, ob man im Museum ein Spiel für Kinder auf den Weg bringen und gleichzeitig den Aufgang zum Museum attraktiver gestalten solle; im Haushalt seien dafür ja 10 000 Euro eingestellt worden.

Diese Überlegungen gefielen etlichen Gemeinderäten ganz und gar nicht. Georg Seehuber nannte die kleine Öffnung »Stückwerk«, und Beppo Hofmann sagte, eine Eröffnung in der bisherigen Form sei völlig sinnlos; so habe er zumindest die Ausführungen des Archäologen Hans-Peter Volpert interpretiert. Dieser habe zudem eine Person gefordert, die sich um das Museum kümmern solle, »mindestens eine 450-Euro-Kraft«. »Wollen wir so überhaupt weitertun?« fragte er. Nicht wenige wollten von einer neuen Stelle gar nichts wissen.

Hedwig Witzleben und auch Hannes Obermayer plädierten dafür, das Bajuwarenmuseum doch wieder zu eröffnen, einfach, um es den Menschen nach der langen Schließung wieder ins Gedächtnis zu rufen. Dadurch verliere man nichts, und in der Zwischenzeit müsse man eben »in die Gänge kommen«. Anders äußerte sich dazu Bürgermeister Häusl: Er stellte fest, dass man ja noch nicht wisse, ob das Museum überhaupt weitergehe. Diese kleine Eröffnung wirke wie ein Signal weiter zu machen. Dafür aber müsse erst eine Entscheidung des Gemeinderats her. Aus seiner Sicht sehe sich die Mehrheit im Gemeinderat nicht in der Lage, den Leihvertrag zu unterschreiben. Von daher schlug er vor, das Thema zu vertagen und dann zu entscheiden, »ob wir weitermachen oder nicht«.

Diese Entscheidung könne womöglich schon in der Mai-Sitzung getroffen werden. Geschäftsleiter Franz Röckenwagner meinte dagegen, dass etwas mehr Zeit notwendig wäre, um »ein Gesamtpaket zu schnüren« und den Vertrag eventuell nachzubessern: »Das geht nicht bis zur nächsten Sitzung.« he