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Zukunft des Bajuwarenmuseums steht auf dem Prüfstand

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Das Innere des Bajuwarenmuseums ist laut Bürgermeister Herbert Häusl »einer der schönsten öffentlichen Räume im Markt«: Jetzt soll geprüft werden, ob oder inwieweit dort die Büros der Gemeindewerke eingebaut werden können. (Foto: H. Eder)

Waging am See – Die Zukunft des Bajuwarenmuseums bleibt weiter offen – allerdings läuft es wohl auf eine verkleinerte Lösung hinaus. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, Bürgermeister und Verwaltung zu beauftragen, ein tragfähiges Konzept auszuarbeiten, das die Wiedereinrichtung des Bajuwarenmuseums und gleichzeitig den Einbau eines Bürotraktes für die Gemeindewerke ermöglicht. Deutlich mehr als eine Stunde war diskutiert worden, ehe dann mit großer Mehrheit entschieden wurde.


Sehr unterschiedliche Angaben gab es zu den Kosten für einen Museums-Neustart. So hat sich der Gemeinderat noch ein oder zwei Monate Zeit gegeben, verschiedene Möglichkeiten zu untersuchen. Letztlich setzte sich der nicht zuletzt von Christian Reiter gemachte Vorschlag durch, erst noch weitere Untersuchungen machen zu lassen.

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»Deswegen geht da keine Sau mehr rein«

Bürgermeister Herbert Häusl sagte dazu, er habe, um die finanzielle Situation zu verbessern, den Gedanken eingebracht, die Gemeindewerke im Museum anzusiedeln. 280 Quadratmeter groß seien die Räume des Museums, die er als mit die »schönsten öffentlichen Räume im Markt« bezeichnete. Für die Gemeindewerke bräuchte man etwa 120 Quadratmeter davon.

Gleichzeitig gebe es ein Schreiben Dr. Christof Flügel von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, dass es bei einer Neukonzeption des Museums Zuschüsse aus dem Leader-Programm geben könnte. Nach Angaben von Gemeinde-Geschäftsleiter Franz Röckenwagner dürfte sich die grundlegende Neukonzeption laut derzeitigem Kenntnisstand am vor einigen Monaten im Marktgemeinderat vorgestellten Grobkonzept des freiberuflichen Archäologen Hans-Peter Volpert orientieren, das verschiedene Vorschläge mit einem Kostenvolumen von etwa 200 000 Euro beinhaltete. Mit dieser Kombination aus Museum und Gemeindewerken, so Häusl, würde es künftig so gut wie kein Defizit und dann wohl auch keine Kritik am Museum mehr geben.

Die aber gab es in der Sitzung noch reichlich. Willi Reiter sagte, in seiner Erinnerung sei es 18 Jahre lang nur um Geld und Zuschuss gegangen. Der anfängliche ehrenamtliche Einsatz sei schnell verflogen, und er glaube auch nicht, dass dies bei einem Neustart anders wäre. Beppo Hofmann fasste seine Überzeugung in deutlichen Worten zusammen: »Egal, wie viel Geld man ins Museum rein steckt, deswegen geht da keine Sau mehr rein.« Letztlich sprachen sich beide für den Kompromiss mit den Gemeindewerken aus.

Das Museum erhalten will auch Georg Huber; allerdings wünschte er sich einen festen Kostenrahmen, die Gemeinde sollte »nicht unbegrenzt Summen dafür ausgeben«. Die Kompromisslösung mit den Gemeindewerken wäre aus seiner Sicht vorstellbar – »auch für die Bürger, die nicht so hinter dem Museum stehen«.

Andreas Barmbichler gab zu bedenken, dass touristisch in Waging viel auf die Bajuwaren aufgebaut worden sei; dies sollte man nicht von heute auf morgen aufgeben. Auch er finde den Kompromiss mit den Gemeindewerken in Ordnung; gleichzeitig müsse man das Museum aber aufpeppen. Er wiederholte seinen früheren Vorschlag, ob man nicht doch das Vogelmuseum integrieren könnte. Vielleicht gebe es noch weitere Varianten, was man damit verbinden könnte.

Als unermüdliche Befürworterin griff Dritte Bürgermeisterin Hedwig Witzleben immer wieder in die Diskussion ein. Sie hob besonders heraus, dass es ja bei einer echten Neukonzeption Zuschüsse gebe, das Landesamt für nichtstaatliche Museen habe in Aussicht gestellt, dass es eventuell noch weitere Fördermöglichkeiten gebe. So schreibe Oberkonservator Dr. Christof Flügel: »Falls sich die Gemeinde Waging zu einer großen Lösung entschließen sollte, wird die Landesstelle hier bei der Hilfe nach weiteren Finanzierungsmöglichkeiten gerne unterstützend tätig.«

Die Koexistenz Museum – Gemeindewerke hält Witzleben für keine geeignete Lösung. Allein schon vom Baulichen her wäre dies sehr problematisch, meinte sie, zumal auch noch zusätzliche Fenster notwendig wären. Durch die Diskussion um das Museum hätten etliche Leute versichert, mithelfen zu wollen, wenn es einen Neuanfang gäbe, auch für ein museumspädagogisches Konzept: »Es tut sich sehr wohl was. Wenn ihr euch dazu entschließt«, so ihr Appell an die Kollegen, »dann krempeln wir die Ärmel hoch, ohne Wenn und Aber.«

Diskussion drehte sich im Kreis

Christian Reiter drängte mehr und mehr auf eine Grundsatzentscheidung: »Wir drehen uns im Kreis, bis uns allen schwindlig wird.« Der Gemeinderat solle sich entscheiden, ob er ein Museum wolle, das wenigstens 100 000 Euro kosten werde und jährlich weitere 20 000 Euro, oder nicht. Letztlich meinte er aber, dass es vielleicht klüger wäre, doch noch nicht abzustimmen, sondern erst noch abzuwarten: »Sammelt doch weiter alle noch notwendigen Unterlagen, Planungen usw. zusammen, und dann werden wir mit einer guten Sitzungsvorbereitung und transparenter Information wirklich entscheidungsbereit sein«. he